Kita-Streit Künzell – Zentgraf: Zwangsurlaub und Minusstunden waren nie ein Thema

Hessische Kitas haben nicht geschlossen: Es besteht aber für die meisten Kinder ein Betreuungsverbot

Die Corona-Epidemie bringt für alle Menschen länderübergreifend Einschränkungen. Die Lage ändert sich von Tag zu Tag. Institute wie Schulen und Kitas sind geschlossen, was automatisch nicht bedeutet, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einfach zu Hause bleiben können. Die Stadtrandgemeinde Künzell (Landkreis Fulda) soll von ihren Erzieherinnen verlangen, dass diese entweder Urlaub nehmen oder ihr Fernbleiben mit leisten von Überstunden ausgleichen – und das, ob sie wollen oder nicht, so behauptet es zumindest die Gewerkschaft. Dem entgegnet Künzells Bürgermeister: „Zwangsurlaub und Minusstunden waren gegenüber den Mitarbeitern nie ein Thema!“ Dieser habe „lediglich“ einen Überstundenabbau angeordnet.

Für eine Freistellung der Erzieherinnen sieht Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos) keine Notwendigkeit. Richtiger gesagt erhalten Erzieherinnen, die aufgrund der aktuellen Situation auch noch eigene Kinder zu betreuen haben, von der Kommune noch den Rat, ihre Kinder mit in die Kita zu bringen. So gebe es beispielsweise in einer Kindertagesstätte der Kommune eine sogenannte „Notgruppe“, in dieser aktuell ein Kind von sechs Erzieherinnen betreut wird.

Hierzu der Vorsitzende der komba gewerkschaft, Richard Thonius: „Bürgermeister Zentgraf weis Kita-Leiterinnen an, dass sie Überstundenabbau anzuordnen haben; Sind keine Überstunden vorhanden, dann fällt die Erzieherin eben ins Minus.“ Weiter stellt Thonius klar: „Niemand darf gezwungen werden, Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen, sofern er dies persönlich nicht selbst beantragt hat!“

„Die Schließung der Kitas fällt unter das unternehmerische Risiko der Gemeinde. Die Erzieherinnen können nichts für diese Situation und jetzt soll es auf ihrem Rücken ausgetragen werden“, so der Vorsitzende der komba gewerkschaft. Vorbildlich agiere hier nach Thonius die Gemeinde Eichenzell (Landkreis Fulda), die alle Erzieherinnen nach Hause geschickt hat mit Ausnahme der Besetzungen für die Notgruppen und daneben – aus Sicherheitsgründen – auch alle Beschäftigten über 60 Jahre freigestellt oder mit der Erlaubnis zum Home-Office versehen hat.

Auf Nachfrage von fuldainfo.de erklärte die Pressesprecherin vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Alice Engel, dass die Kitas in Hessen nicht geschlossen seien, aber ein Betretungsverbot für die meisten Kinder bestehe. „Aus diesem Grund ist es richtig, dass die Beschäftigten in den Kitas weiterhin ihre Arbeitsleistung erbringen müssen“, heißt es aus dem Ministerium. Dies sei momentan besonders wichtig für alle Eltern in systemrelevanten Berufen. „Wenn Beschäftigte in den Kitas derzeit von sich aus nicht arbeiten wollen, dann müssen sie tatsächlich Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen“, so die Pressestelle des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. +++

 
 
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2 Kommentare

  1. Wenn Erzieherinnen Arbeitspflicht haben, dann gehen sie zur Arbeit, ohne dass sie eigentlich benötigt werden? Und setzen sich dann einzeln in jeden Raum oder zu zweit mit großem Abstand in einen Raum? Und dann? Anwesenheitspflicht ist dann erfüllt, dass es keine oder kaum Arbeit gibt, ist dann das Problem des Arbeitgebers. In diesem sensiblen Bereich fällt mir nur ein, auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinem Arbeitnehmer zu verweisen. Was für eine Pfennigfuchserei. Und wenn diese Zeit irgendwann vorbei ist, wundern sich Arbeitgeber, die ihre Erzieherinnen nicht entgegenkommend behandelt haben, wenn diese in andere Einrichtungen abwandern. Dann beginnt wieder das große Jammern, dass es nicht genügend ErzieherInnen gibt.

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