„Keine Zusammenlegung der Aueweiher“: NABU sammelt Unterschriften

Kein Wassersport, kein Baden und kein „Freizeitpark“

Blick auf den Aueweiher.

Gegen die geplante Sanierung der Aueweiher und weitere Maßnahmen im Zuge der Landesgartenschau sammelt der NABU Fulda und Künzell Unterschriften. Neben berechtigter Sorge und Kritik scheinen einige Punkte stark überzogen zu sein. Als Vorbereitung für die Landesgartenschau 2023 sollen die beiden Aueweiher zusammengelegt werden, um das stehende Gewässer zu sanieren. Der hohe Eintrag an Phosphat lässt zu viele Algen wachsen. Sterben sie ab, sinken sie zu Grund und entziehen durch das Zersetzen dem Wasser Sauerstoff: Der Weiher droht zu kippen. Erst 2015 gab es ein Fischsterben. Um dies im Hitzesommer 2018 zu verhindern, rückte die Fuldaer Feuerwehr für mehrere Tage an und wälzte das Wasser via Pumpen um. Seit einiger Zeit belüftet der Angelsportverein den südlichen Weiher mit so genannten „Aquajets“, doch dies reicht nicht aus. Die Stadt plant daher ein Pumpenhaus am südlichen Weiher. Dem Gewässer wird Phosphat entzogen und dem gesamten Aueweiher an mehreren Stellen das saubere und mit Sauerstoff angereicherte Wasser wieder zugeführt – und nicht nur im Bereich des am Südufer geplanten Strandes, wie der NABU in seiner Stellungnahme behauptet.

Eingriffe in den geschützten Auwald

Als weiteren Schritt sollen die beiden Weiher zu einem vereint werden. Die Wasserfläche zu vergrößern verbessere laut NABU allerdings nicht die Wasserqualität. Um das gereinigte Wasser gleichmäßig zurückzuführen, müsse man nicht die Landverbindungen zwischen den beiden stehenden Gewässern kappen, es reiche beispielsweise eine „hydraulische Verbindung“. Bei der Stadt ist angefragt, warum man sich für eine Zusammenlegung entschieden hat und welche Alternativen denkbar gewesen wären. Die Antworten stehen noch aus. Eine größere Wasserfläche könne leichter ein biologisches Gleichgewicht entwickeln und somit die Sanierung unterstützen, entgegnen Marcus Schlag und Jürgen Werner, die beiden Geschäftsführer der Landesgartenschau Fulda 2.023 gGmbH.

Ferner heißt es in der Unterschriftensammlung des NABUs: „Die Zusammenlegung beider Weiher ist nur durch die Vernichtung nach §30 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützten, baumhöhlenreichen Auewalds möglich.“ Dem widersprechen Schlag und Werner vehement. „Hierzu werden 18 Bäume gefällt, lediglich einer ist ein Habitatbaum. Zum Ausgleich sind bereits im bestehenden Auwald nahe der Westumfahrung neue Bäume gepflanzt. Fällarbeiten haben im Rahmen der Landesgartenschau noch nicht stattgefunden. Die Vorgänge sind im Einklang mit dem Naturschutzgesetz“, erklärt Schlag. Natürlich dauert es etliche Jahre, bis ein neu gepflanzter Baum den gleichen ökologischen Wert des Altbestands erreicht. Gerade deswegen ist letzterer so bedeutend für die Artenvielfalt.

„Der Eingriff in den Baumbestand zwischen den beiden Weihern ist insbesondere wegen des Alters der dort befindlichen Bäume als erheblich einzustufen und sollte deshalb möglichst gering gehalten werden“, heißt es in einem Gutachten, welches die Planungsgesellschaft Natur und Umwelt mbH bereits 2018 im Auftrag des Tiefbauamts Fulda erstellt hatte. Im Auwald nistet unter anderem mit der Hohltaube eine streng geschützte Art, deren Erhaltungszustand in Hessen unzureichend ist. Sie und weitere Vögel wie auch Fledermäuse verlieren einen Teil ihres gewohnten Habitats. Ist die Zusammenlegung vollzogen, fällt der Landweg zwischen den Weihern weg und der restliche Auwald wird auf einer Insel liegen, zu der es keinen Zugang gibt.

Kein Wassersport, kein Baden und kein „Freizeitpark“

Badestrand, Tretboote, Gastronomie waren die Wünsche der Bürger für die Aktivitäten rund um den Aueweiher für die Landesgartenschau und diese seien ungefiltert in den Wettbewerb eingeflossen und auch im aktuellen Genehmigungsverfahren enthalten. „Wir prüfen damit zunächst die Machbarkeit, was bei positivem Bescheid nicht bedeutet, dass alle Maßnahmen umgesetzt werden“, sagt Werner. „Wassersport oder ein ‚Freizeitpark‘, wie vom NABU im Zuge der Unterschriftensammlung behauptet, wird es definitiv nicht geben“, stellt Schlag klar. Noch in diesem Sommer soll das Prüfverfahren abgeschlossen sein. Dann würden die Bürgerdialoge auf Basis des aktuellen Sachstands wieder starten. Auch der NABU, BUND, der Naturschutzbeirat der Stadt sowie die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände bleiben weiterhin eingebunden, wie die Geschäftsführer versichern. Am Südufer wird definitiv ein Strand entstehen, aber baden wird aufgrund der unzureichenden Wasserqualität nicht möglich sein. Schon heute sind die Weiher nicht zum Schwimmen freigegeben und das soll auch so bleiben. Sollten Tretboote den Weiher befahren dürfen und das Vorhaben auch umgesetzt werden, bliebe es auf den südlichen Teil des Weihers beschränkt. Die dort bestehende Insel würde dann mit Bojen und Ketten abgesperrt. Dort brütet der ebenfalls streng geschützte Eisvogel, der sich durch die Boote gestört fühlen könnte. Falls ja, bliebe zu hoffen, dass er die neu geschaffene Insel der ehemaligen Landverbindung als neues Habitat annähme. Wenn machbar, wird bei der Segelflughalle eine Gastronomie entstehen. An den damit verbundenen Lärm würden sich laut Geschäftsführer der Landesgartenschau die Tiere schnell gewöhnen, da er immer aus der gleichen Distanz käme. Schon lange hätte sich die Fauna rund um die Aueweiher auf spielende Kinder, Radfahrer, Spaziergänger und Hunde eingestellt.

Mehr Naturschutz für den Aueweiher

Die Aueweiher und das Gelände sind zwar nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt, dienten jedoch auch immer Naherholung. Erst im Zuge der Landesgartenschau 1994 habe man die Flächen unter den Naturschutz gestellt, wie Schlag betont. Die Naherholung würde von den Fuldaer Bürgern immer stärker eingefordert – nicht erst seit der geplanten zweiten Landesgartenschau. Von jeher galt es Kompromisse zu finden. In Zukunft wird die Naherholung auf den südlichen Teil konzentriert, der nördliche soll weitgehend der Natur vorbehalten bleiben. „Eine Landesgartenschau hat die Aufgabe, Natur einzubinden und erlebbar zu machen – und nicht zu opfern“, erklärt Schlag abschließend. Daher gelte es nicht nur Eingriffe zu minimieren, sondern den Naturschutz weiter auszubauen. In diesem Zuge sollen speziell die westlichen und östlichen Ufer abgeflacht und unter anderem Schilf angepflanzt werden. So finden Amphibien wie der Lurch Lebensräume, die es bislang am Aueweiher kaum gibt. Auch die Gehwege sollen tendenziell weiter vom Wasser entfernt liegen, als es jetzt der Fall ist. Zudem werden Grünflächen hinter der Kugelfabrik und neben dem Dura-Werk mit dem bestehenden Gelände verbunden. +++ fdi/Jens Brehl

Jürgen Werner (links), Marcus Schlag (rechts). Foto: Jens Brehl

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