Kein Prozessbeginn nach Hygieneskandal in Mannheim in Sicht

Ein Schlag ins Gesicht betroffener Patienten

Patientenschützer und Opferanwälte sind empört über die schleppende juristische Aufarbeitung des Hygieneskandals an der Universitätsklinik Mannheim. Dort sollen Patienten sieben Jahre lang mit verschmutzten Instrumenten operiert worden sein. “Dem Hygieneskandal folgt der Justizskandal Mannheim”, sagte der Patientenanwalt Burkhard Kirchhoff den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mehr als drei Jahre hatte die Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, doch ein Prozessbeginn ist bisher nicht in Sicht.

Die stockende Strafverfolgung im Fall Mannheim sei “ein Schlag in das Gesicht betroffener Patienten” und “ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat”, sagte Patientenanwalt Kirchhoff weiter. “Teile der deutschen Justiz tragen für mich eine Mitschuld am Leid von Patienten”, so der Jurist, der viele Infektionsopfer vertritt. Ermittlern und oft überlasteten Gerichten fehle “das medizinische Know-how”. Offenbar hätten die Strafverfolger “mehr abgewartet, zugeschaut und die Klinik selbst aufarbeiten lassen” statt hart zu ermitteln. “Die Justiz hat hier und da auch mal blutige Hände”, sagte Kirchhoff.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit 55.000 Mitgliedern und Förderern missbilligt das schleppende Verfahren. “Das Gericht ist gefordert, nun schnellstmöglich den Prozessbeginn anzustreben”, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch den Zeitungen. Das Hinauszögern des Prozesses sei “unerklärlich”. Eine anonyme Anzeige hatte den bundesweit beispiellosen Fall ans Licht gebracht. +++

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