„Kein Platz für rechte Normalisierung“ – Fulda stellt sich quer kündigt Generationswechsel an

Klare Worte, ein bewusst gesetztes Signal – und ein Blick nach vorn: Auf der Jahreshauptversammlung hat Fulda stellt sich quer nicht nur seinen Vorstand neu gewählt, sondern zugleich den Ton für die kommenden Jahre festgelegt. Es ist ein Ton, der keinen Zweifel lässt: Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus soll härter, sichtbarer und zugleich breiter in der Gesellschaft verankert werden.

An der Spitze bleibt vorerst alles beim Alten – und doch kündigt sich Veränderung an. Andreas Goerke wurde erneut zum Vorsitzenden gewählt. Doch seine Wiederwahl ist zugleich eine Ankündigung des Abschieds. „Ich kandidiere heute zum letzten Mal – nicht, weil ich gehe, sondern weil ich übergebe. An eine neue Generation“, sagt Goerke. Es ist ein Satz, der mehr ist als eine Personalie. Er steht für einen Übergang, den der Verein bewusst gestalten will.

Unterstützt wird Goerke künftig von den stellvertretenden Vorsitzenden Hans Martin Schubert und Anja Kress. Komplettiert wird der Vorstand durch Martin Uebelacker, David Kress, Jens Schuch, Maike Gerhard sowie Katharina Kaufmann – ein Team, das Kontinuität und Erneuerung gleichermaßen verkörpern soll.

Der Verein selbst wächst weiter. Mit inzwischen knapp über 300 Mitgliedern versteht sich „Fulda stellt sich quer“ als größter kommunaler antirassistischer Verein in Deutschland. Die Bandbreite der Aktivitäten ist groß: Demonstrationen, Bildungsarbeit, Gedenkveranstaltungen, konkrete Solidarität im Alltag. Besonders betont wird die enge Zusammenarbeit mit Kirchen, Sozialverbänden und bürgerlichen Initiativen. Der Widerstand, so die Botschaft der Versammlung, komme nicht aus einer Nische, sondern aus der Mitte der Gesellschaft.

Im Zentrum der Diskussionen steht eine politische Diagnose, die die Mitglieder teilen: ein spürbarer Rechtsruck – auch auf lokaler Ebene. Die AfD wird dabei als treibende Kraft benannt. „Das ist kein Protest. Das ist eine Entscheidung für Spaltung und Ausgrenzung“, heißt es aus dem Vorstand. Entsprechend deutlich fällt die Ankündigung aus: Man werde die Arbeit gegen rechtsextreme Strukturen konsequent fortsetzen, ohne Abstriche, ohne Relativierungen.

Wie genau diese Arbeit künftig aussehen soll, darüber entscheidet auch ein neues Positionspapier für das Jahr 2026. Es wird intensiv diskutiert, beschreibt den Verein als antifaschistische, außerparlamentarische Kraft – und setzt auf Widerspruch, auf Präsenz, auf Intervention. Die endgültige Verabschiedung soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung erfolgen.

Ein besonderer Fokus liegt bereits jetzt auf einem Datum im kommenden Jahr. 2026 jährt sich der Mord an Dorit Botts zum 25. Mal. Die Frau war 2001 in Fulda von einem Rechtsextremisten getötet worden – ein Verbrechen, das der Verein stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken will. Für August sind gemeinsame Gedenkaktionen mit verschiedenen Partnern geplant. Es geht dabei nicht nur um Erinnerung, sondern auch um die Frage, wie präsent rechte Gewalt in der Stadt ist – damals wie heute.

Neben Gedenken und politischer Positionierung rückt ein weiterer Punkt in den Fokus: die nächste Generation. Junge Menschen sollen stärker eingebunden werden, auch als Teil des angekündigten Umbruchs an der Spitze. Der Verein will sich erneuern, ohne seinen Kern zu verlieren.

Am Ende steht eine Botschaft, die sich durch die gesamte Versammlung zieht: Demokratie, so die Überzeugung der Mitglieder, verteidigt sich nicht von selbst. Sie braucht Menschen, die widersprechen, die sichtbar sind, die unbequem bleiben. „Fulda stellt sich quer“ will genau das auch in Zukunft sein – eine laute Stimme gegen Rechtsextremismus, getragen von einem breiten Bündnis aus Zivilgesellschaft, Kirchen und sozialen Organisationen. +++


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