Juncker würdigt Kinkel als "großen Europäer"

Jean-Claude Juncker

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den verstorbenen ehemaligen Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) als "großen Europäer" gewürdigt. "Die Nachricht über den Tod Klaus Kinkels hat mich persönlich tief getroffen", ließ sich Juncker am Dienstag zitieren. "Mit Klaus Kinkel verliere ich einen guten Freund und einen Wegbegleiter in europäischen Fragen, mit dem ich in den essentiellen Fragen unseres europäischen Wirkens immer wieder zusammenfand." Als Außenminister habe Kinkel im Kabinett von Helmut Kohl die Weichen gestellt, "um das wiedervereinte Deutschland im Herzen des wiedervereinten Europas zu verankern", so Juncker weiter.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte ihre Anteilnahme. "Ich trauere um einen treuen Weggefährten aus der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung. Klaus Kinkel war ein großer Liberaler und ein kompromissloser Streiter für Freiheit und Demokratie", ließ sich Merkel von der stellvertretenden Regierungsspr echerin Ulrike Demmer auf Twitter zitieren. Unterdessen bezeichnete der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) seinen ehemalige Kabinettskollegen als einen der "verlässlichsten und sympathischsten Politiker", die ihm im Leben begegnet seien. Kinkel sei "kein Freund von Intrigen" gewesen, "sondern hat mit offenem Visier gekämpft", sagte Waigel den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland". "Man wusste, was man an ihm hat", so der CSU-Politiker weiter. Aus dem Amt des BND-Präsidenten sei Kinkel "ohne jeden Streifschuss herausgekommen". Das habe er bewundert. Als Bundesjustizminister habe Kinkel ihm während der Bedrohung durch die RAF wertvolle Tipps gegeben. Zudem seien beide dem Fußball zugetan gewesen. "Er hat für den Karlsruher SC gelitten", sagte Waigel dem den Zeitungen des "RND". "Und ich für 1860 München", so der frühere Bundesfinanzminister weiter.

Die FDP-Politikerin und frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat den am Montag verstorbenen Klaus Kinkel als Vorbild für kommende Generationen gewürdigt. "Er war ein geradliniger Politiker, auf dessen Wort ich mich stets verlassen konnte", schreibt Leutheusser-Schnarrenberger in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenportal T-Online. Kinkel habe "immer Kurs" gehalten und "blieb seinen liberalen Grundüberzeugungen immer treu". Er sei "ein Vorbild für kommende Generationen - in seiner Haltung, in seiner Offenheit und in seiner Geradlinigkeit", schreibt die FDP-Politikerin weiter. Kinkels politische und gesamtgesellschaftliche Verdienste könnten nicht genug gewürdigt werden, schreibt Leutheusser-Schnarrenberger. Sie hatte Kinkel 1992 als Bundesjustizministerin abgelöst, als Kinkel zum Außenminister berufen wurde. Die FDP-Politikerin erinnerte an Kinkels Rolle bei der Deutschen Einheit, als er die unterschiedlichen Rechtssystem e vereinigen half. "Als überzeugtem Liberalen stand für Kinkel dabei immer fest, dass der Schutz der Grundrechte handlungsleitend sein sollte", schreibt Leutheusser-Schnarrenberger weiter. Im Amt des Justizministers habe er "einen mutigen Schritt im Umgang des Staates mit der RAF" gewagt. "So wurden letztendlich einige RAF-Inhaftierte, die der Gewalt entsagten, aus der Haft entlassen und weiteren Häftlingen eine Aussicht auf Resozialisierung ermöglicht", schreibt die FDP-Politikerin in dem Gastbeitrag für das Nachrichtenportal T-Online. Kinkels umstrittener Schritt sei erfolgreich gewesen und habe das Ende der RAF beschleunigt. +++


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