Jürgen Schmitt: Das ist die bittere Wahrheit…

Die Zusammensetzung solcher Talkrunden ist eigentlich ...

Jürgen Schmitt. Foto: Privat

Laut einer neusten Umfrage des renommierten Allensbach-Instituts ist das Vertrauen in die deutsche Politik zuletzt erdrutschartig gesunken. Wundert Sie das? Kann das überhaupt jemanden überraschen? Selbst die verzweifelnden Versuche der öffentlich-rechtlichen Medien, unsere Politik und unser Land im internationalen Vergleich als vorbildlich in Szene zu setzen, gehen offensichtlich ins Leere. Was ist nur los? Haben wir alle zuletzt die falschen Kartoffel gegessen oder zu viel Alkohol gesoffen. Letzteres mag zumindest bei mir der Fall sein, doch wenn ich meine klaren Momente habe und alle Argumente hin und her und hoch und runter abwäge, ändert sich an meiner grundsätzlichen Meinung auch nichts. Im Gegenteil: Ich werde immer überzeugter davon, dass wir dringend frischen Wind in der Politik und auch in den Entscheidungsgremien von ARD und ZDF brauchen.

Jetzt erklären die Unverbesserlichen diese sich dramatisch veränderte Stimmungslage ja am liebsten mit den „Wutbürgern“ und den „geistigen Tieffliegern im Internet“, wie ich es angeblich auch bin. Kerle wie ich verderben grundlos die Stimmung und schüren Wut und Hass, wirft man ja auch mir ab und an vor. Nein, ich äußere lediglich meine Meinung, was eigentlich Kernbestandteil einer Demokratie sein sollte. Wer anderer Meinung ist, kann mein Geschwafel ignorieren oder auch mit seiner Meinung „kontern“. Alles erlaubt. Oder einfach auch mal darüber nachdenken und mit anderen darüber reden. Aber bitte ohne Ideologie!

Witzigerweise habe ich beispielsweise noch nie behauptet, dass der Mensch nicht am Klimawandel Schuld ist. Ich habe nur Zweifel geäußert, ob die Behauptungen und Thesen vor allem in ihrem Umfang so richtig sind. Schließlich sind die vermeintlich „knallharten Beweise“ diesbezüglich bei näherer Betrachtung zumindest zu hinterfragen. Bislang habe ich auch noch keine einzige Talkshow gesehen, in denen beispielsweise Befürworter der Elektromobilität mit qualitativ gleichwertigen Gegnern auf Augenhöhe diskutiert haben oder Befürworter der unbegrenzten Aufnahme von Flüchtlingen mit deren Gegnern. Und zwar mit allen elementaren Fragen und Problemen, die damit zusammenhängen. Die Zusammensetzung solcher Talkrunden ist eigentlich immer so gewählt, dass die gewünschte Mainstream-Meinung mit starken Persönlichkeiten und rhetorisch geschulten Personen besetzt wird, während auf der anderen Seite beispielsweise AfD-Politiker oder andere Diskutanten platziert werden, die rhetorisch irgendwo in der Grundschule steckengeblieben sind.

Und genau das fällt einfach immer mehr Menschen auf und sorgt für Frust und Verdruss. Warum nicht ehrliche und kritische Diskussionen, die am Ende viel hilfreicher weil weiterführender sind? So ist es ja beispielsweise toll, wenn ein Auto keine Abgase ausstößt und elektrisch unterwegs ist. Doch wie ist der Produktionsprozess bei einem solchen Auto? Wie ist die gesamte Ökobilanz eines E-Autos, bei dem ja Batterien hergestellt werden müssen, die regelmäßig auch wieder geladen werden müssen? Mit welchem Strom passiert das? Wenn es nämlich Kohlestrom oder selbst Atomstrom aus Frankreich ist, belügt man sich bezüglich der Umweltverträglichkeit schließlich selbst. Doch solche Fragen werden allenfalls am Rande erwähnt.

Oder auch das Thema Sozialleistungen: Ich bin sehr dafür, dass Rentner viel mehr Geld bekommen, genauso wie Busfahrer oder Bäcker. Ich wäre auch dafür, dass Deutschland – wenn es in der Lage wäre – allen Menschen auf diesem Planeten ein bedingungsloses Grundeinkommen bezahlt. Da hätten wir auch das Thema Zuwanderung gelöst. Doch wer bezahlt das alles – und was hat das für Konsequenzen? Darüber gibt es einfach keine ehrlichen Debatten. Mehr Lohn und mehr Gehalt verteuert Waren bzw. die Dienstleistungen. Dann werden Brot und Brötchen teurer und Busfahren auch. Das ist einfache Mathematik. Im Bereich von Bäckern oder Metzgern wäre ich für deutlich höhere Löhne und auch Preise zugunsten besserer Qualität. Doch das ist meine Meinung und ich muss akzeptieren, dass viele Konsumenten sich gern das Billigfleisch und die Billig-Brötchen bei ALDI und LIDL kaufen, auch wenn ich das persönlich kritisiere.

Ich muss auch akzeptieren, dass Menschen in Asien Hunde essen und mit dem Kopf bei dem Gedanken schütteln, dass wir uns Schweinefleisch „reinpfeifen“. Was gibt uns eigentlich das moralische Recht, zu behaupten, dass wir diesbezüglich die „besseren“ Tiere konsumieren. Ich gehe noch einen Schritt weiter, denn ich höre schon die glutenfreien Vegetarier und Veganer protestieren: „Stoppt einfach das Töten von Tieren!“ So blöd das ist, wir Menschen sind nun einmal „Allesfresser“. In unserem Mund befinden sich mehr oder weniger Beiß- und Reißzähne. Und wir müssen regelmäßig aufs Klo, auch wenn wir das als „Krönung der Schöpfung“ am liebsten nicht thematisieren. Ich hätte das alles gern auch anders, doch es ist, wie es ist…

Wie bin ich da jetzt eigentlich wieder mal drauf gekommen? Keine Ahnung. Man wird ja dieser Tage immer verwirrter und orientierungsloser. Ach, jetzt weiß ich es wieder! Deutschland ist nicht der Mittelpunkt der Welt, falls das der eine oder andere noch nicht verstanden hat. Und die anderen Länder warten nicht auf uns, bis wir regulatorisch geklärt haben, wie wir Salamander umsiedeln, um dort beispielsweise moderne Glasfaserkabel zu vergraben. Das kann man natürlich kritisieren – und mir tun auch die Salamander leid, doch wenn wir uns hierzulande lieber der Romantik, der Ethik und dem Bessermenschentum hingeben wollen, müssen wir leider Gottes wohl auf die einen oder anderen Sozialleistungen verzichten. Denn irgendwo muss das Geld dafür ja herkommen. Doch wenn wir weltwirtschaftlich nicht mehr Schritt halten, weil andere Länder einfach andere Prioritäten setzen, weiß ich nicht, woher dies kommen soll. Und das ist – so leid es mir für alle Romantiker tut – die bittere Wahrheit. +++ Jürgen Schmitt

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