In geschütztem Rahmen Normalität des Lebens wieder erlangen

Lauterbach. Die Psychiatrische Tagesklinik am Krankenhaus Eichhof in Lauterbach begeht am Mittwoch, 29. Oktober, von 14 bis 17 Uhr ihr 30-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsfeier für Interessierte aus der Bevölkerung, Fachpublikum und ehemalige Patienten. Diverse Kurzreferate mit anschließender Diskussions- und Fragerunde sowie die Besichtigung der Räumlichkeiten und Erläuterungen zum Angebot sollen dazu beitragen, dass die erfolgreiche Arbeit der Experten im Team um Chefarzt Dr. Dr. Christoph Herda einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

„Die Psychiatrische Tagesklinik ist für viele Patienten der Ort, wo mit fachlicher Begleitung das seelische Gleichgewicht und Normalität im Leben wieder erlangt werden kann. Wenn die ambulante Therapie nicht mehr ausreicht und eine vollstationäre Behandlung nicht erforderlich oder möglich ist, dann sind wir der Ort, an dem Erkrankte in einem geschützten Rahmen Stärke erfahren können, mit ihrer Erkrankung umgehen lernen und ihre Lebensqualität zurückerlangen“, erläutert Stefan Wiegand, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberarzt der Psychiatrischen Abteilung am Krankenhaus Eichhof. Die Patienten kämen am Morgen und blieben bis zum späten Nachmittag, abends und an den Wochenenden seien sie zuhause in ihrer gewohnten Umgebung. Damit niemand, der in einer schlechten psychischen Verfassung ist oder z. B. wegen Medikamentengabe fahruntüchtig ist, selbst zur Therapie fahren muss, wird ein Fahrdienst angeboten. „Die weiten Anfahrtswege im ländlichen Raum oder eine mit dem Krankheitsbild einhergehende Antriebslosigkeit kann dazu führen, dass ein Patient sich morgens gar nicht erst auf den Weg macht“, weiß Stationsärztin Dr. Ursula Bernbeck zu berichten. „Durch den von uns angebotenen Shuttle-Service können sich die Patienten eher motivieren und kommen dann regelmäßig.“

Fünf Tage in der Woche gehen die Erkrankten von 9 bis 16 Uhr in die Psychiatrische Tagesklinik. Die Therapiedauer schwankt je nach Beschwerdebild zwischen 3 – 8 Wochen. Derzeit 18 Plätze stehen in Lauterbach für Patienten mit Depressionen, Psychosen, Angststörungen oder einem anderen psychischen Krankheitsbild zur Verfügung. Einweisen können Hausärzte ebenso wie Fachärzte. Jeder Patient kann an einem Probetag die Einrichtung kennenlernen und das Behandlungsangebot erfahren. „Die Menschen, die zu uns kommen, müssen mindesten 18 Jahre alt und noch fit für die Behandlung sein. Wir können keine Kranken versorgen, die akut Alkohol oder Drogen konsumieren, ebenso wenig wie Suizidgefährdete oder Demenzkranke. Dafür gibt es andere Angebote“, sagt Oberarzt Stefan Wiegand.

Das Behandlungsprogramm am Krankenhaus Eichhof bietet eine Vielzahl an therapeutischen Angeboten: psychiatrische Diagnostik und Therapie, Einzel- und Familiengespräche, Psychoedukation, Ergo- und Gestaltungstherapie sowie Physiotherapie. Immer wichtiger wird auch die Klärung sozialrechtlicher Angelegenheiten mit Hilfe des Sozialdienstes. „Wir legen Wert auf Interaktion und ein gutes und vertrauensvolles Behandlungsklima. Transparenz ist uns wichtig“, betont Dr. Ursula Bernbeck. Die Patienten sollen in der Tagesklinik in die Lage versetzt werden, den Alltag wieder zu bewältigen. Dazu werden je nach Bedürfnis und Verfassung der Betroffenen unterschiedliche Angebote bereitgehalten. „Im Bereich der Ergotherapie wird mit unterschiedlichen Materialien und Techniken wie Ton, Holz, Peddigrohr, Seide und vielem mehr handwerklich gearbeitet und gestaltet. Dies ermöglicht den Patienten auf verschiedenen Ebenen wie z. B. im Bereich der Konzentration, Ausdauer und Kreativität neue Handlungskompetenzen zu erfahren“, erklärt Ergotherapeutin Natascha Kimpel die Vorzüge dieser Therapieform. Die Mitarbeiter betreuen die Gruppen eigenständig und tragen eine hohe Verantwortung. Vier Pflegekräfte, eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin, eine Ergotherapeutin und zwei Ärzte kümmern sich um die Patienten und arbeiten disziplinübergreifend. Das Klima im Haus stimmt, das beweist die langjährige Zugehörigkeit des Personals. „Wir fühlen uns sehr wohl hier und sind uns unserer besonderen Verantwortung durchaus bewusst“, sagen Christiane Braun und Klemens Walk, Kranken- und Gesundheitspfleger in der Psychiatrischen Tagesklinik. „Unser gesamtes Team unterstützt die Betroffenen bei der Schulung kognitiver Fähigkeiten, der Verbesserung des Durchhaltevermögens und vor allem dem Erreichen von Leistungsfähigkeit, um sie so wieder an ein normales soziales Leben und Eigenständigkeit heranzuführen. Normalität heilt“, wissen die beiden Fachkräfte.

„Psychiatrie ist ein Fach, wo sich die Diagnose in der Regel aus den Angaben des Patienten und dem geschulten Eindruck der Behandler ableitet, jedoch sehr viel weniger aus den Ergebnissen apparativer Untersuchungen. Auch kann es sein, dass es sich erst im Behandlungsverlauf zeigt, dass ein Angstpatient oder ein Psychosekranker übermäßig Suchtmittel genommen hat und dieser Aspekt dann mitbehandelt wird“, erklärt Stefan Wiegand. In den vergangenen dreißig Jahren haben die Experten der Psychiatrischen Tagesklinik am Krankenhaus Eichhof schon vielen Menschen in psychischer Not geholfen. Die Jubiläumsfeier soll daher auch ein Forum für ehemalige und zukünftige Patienten sein, die sich hier austauschen und so einen Weg zurück ins Leben erörtern können, wünschen sich die Verantwortlichen. +++ fuldainfo


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