Hessischer Philologenverband besorgt über Auswirkungen der neuen Wahlfreiheit zwischen G8 und G9

Wiesbaden. Der Hessische Philologenverband äußert sich besorgt über die Entwicklungen, die sich zurzeit an einigen hessischen Gymnasien und kooperativen Gesamtschulen abzeichnen. „Die von der schwarz-grünen Landesregierung im Koalitionsvertrag, im Gesetzesentwurf und durch den Elternbriefdes Hessischen Kultusministers Professor Alexander Lorz vom 05.03.2014 geweckten Erwartungen, dass auch Gymnasialklassen der Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 haben, können in der Praxis kaum erfüllt werden“, so Dr. Knud Dittmann, Vorsitzender des Verbandes.

Für einen Wechsel der laufenden Jahrgänge zu G9 sind theoretisch zwei Szenarien denkbar. Szenario 1: Eine ganze Jahrgangsstufe wechselt zu G9. Dies setzt ein einstimmiges Votum der Elternschaft voraus. Diese Einstimmigkeit wird in den seltensten Fällen erreichbar sein. Szenario 2: G9 und G8 werden parallel eingerichtet, zum Beispiel mehrere G9-Klassen und eine einzige G8-Klasse. Dies kostet in erheblichem Umfang zusätzliche Lehrerstunden, denn in der G8-Klasse muss mit extrem kleinen Gruppen zum Beispiel in der 2. Fremdsprache gerechnet werden. Zu schier unlösbaren Problemen führt eine einzige G8-Klasse dann, wenn sie in die Oberstufe kommt, da sie dann die einzige Klasse in der Jahrgangsstufe sein wird. Für 20 – 30 Schülerinnen und Schüler ein attraktives und vielfältiges Kursangebot in der Qualifikationsphase einzurichten, ist unmöglich; in den meisten Fällen müsste dieser Klasse dann geraten werden, für die letzten beiden Jahre des gymnasialen Bildungsganges zu einer anderen Schule zu wechseln und dort das Abitur abzulegen. Dies wäre unzumutbar.

„In den meisten betroffenen Gymnasien und Gesamtschulen werden Schulleitung und Gesamtkonferenz nach Abwägung aller Argumente zum Ergebnis kommen, dass ein Wechsel der bereits an den Schulen befindlichen Gymnasialklassen zu G9 unter für alle Beteiligten zumutbaren Bedingungen nicht möglich ist“, so Dittmann weiter. Diese Entscheidung wird, nachdem so große Erwartungen geweckt worden sind, an vielen Schulen zu erheblicher Frustration in Teilen der Elternschaft und zu Streit führen. Dies ist das Gegenteil des von der Politik angestrebten Schulfriedens, sofern darunter der Friede an der einzelnen Schule gemeint ist. +++ fuldainfo

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