Die hessische Landesregierung will den Mobilfunkausbau deutlich beschleunigen. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat gemeinsam mit den vier Netzbetreibern Deutsche Telekom, o2 Telefónica, Vodafone und 1&1 in Wiesbaden den neuen Masterplan Mobilfunk vorgestellt. Ziel ist eine nahezu flächendeckende Versorgung: Bis zum Jahr 2030 sollen 99,5 Prozent der Fläche Hessens über alle Netze hinweg mit Mobilfunk abgedeckt sein. Damit soll sowohl der Empfang im Alltag verbessert als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsstandorte gestärkt werden.
„Unsere Digitalstrategie von 2021 hat eine klare Vision formuliert: flächendeckende Netze als Grundlage für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und gleichwertige Lebensverhältnisse. Mit dem Masterplan Mobilfunk 2030 setzen wir diese Vision nun final um. Der Masterplan ist weit mehr als ein Ausbauprogramm. Er bündelt alle rechtlichen, wirtschaftlichen und technologischen Hebel zu einer integrierten Ausbauoffensive für ein flächendeckend vernetztes Hessen. Für mehr Masten, mehr Tempo und mehr Empfang“, erklärte Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.
Der Masterplan beruht auf drei zentralen Bausteinen. Erstens soll der marktwirtschaftliche Ausbau durch eine dritte Mobilfunkvereinbarung zwischen Landesregierung und Netzbetreibern gestärkt werden. Bis Ende 2029 sollen rund 4.000 zusätzliche Standorte neu entstehen oder modernisiert werden. Damit knüpft das Land an die beiden bisherigen Vereinbarungen an, in deren Rahmen bereits knapp 11.000 Standortmaßnahmen umgesetzt wurden, darunter Neubauten und Modernisierungen von Anlagen. Erstmals soll zudem ein abgestimmtes Vorgehen zwischen Mobilfunk- und Stromnetzbetreibern dafür sorgen, dass neue Masten schneller an das Stromnetz angeschlossen werden.
Zweitens wurde der Mobilfunkausbau – insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum – als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft. Dadurch sollen Genehmigungsverfahren weiter beschleunigt werden. Die Einstufung geht maßgeblich auf eine Bundesratsinitiative des Hessischen Digitalministeriums zurück. Zusätzlich will das Land den bestehenden Rechtsrahmen konsequent nutzen, um den Ausbau zu beschleunigen, etwa entlang von Verkehrswegen. Die Hessische Bauordnung wurde dafür mehrfach angepasst. Kern der jüngsten Reform ist eine sogenannte Genehmigungsfiktion: Mobilfunkmasten können nach drei Monaten automatisch als genehmigt gelten.
Der dritte Baustein betrifft schwer erschließbare Restgebiete. Diese sollen künftig über Satellitentechnologie versorgt werden. Schon heute ermöglichen moderne Smartphones das Versenden von Notfallnachrichten über Satellit. Perspektivisch sollen auch Telefonie und weitere Anwendungen direkt über Satellitennetze möglich sein – ohne Mast vor Ort.
Auch aus Wissenschaft und Wirtschaft kommt Unterstützung für die Pläne. Prof. Dr. Martin Kumm, Co-Founder der Open Radio Systems GmbH und Leiter des Studiengangs Angewandte Informatik an der Hochschule Fulda, bezeichnete das 6G-Testfeld als besondere Mobilfunkinstallation. „Mit dem 6G-Testfeld am Bertramshof entsteht in Frankfurt eine zukunftsweisende Mobilfunk-Installation der besonderen Art. Auf Basis offener Software bietet das Testfeld ein produktives, privates 5G-Netz, das bereits heute technologisch offen für den kommenden 6G-Standard ist. Dank europäischer Hardware und Kernkomponenten ,Made in Hessen‘ sichert das Projekt unsere digitale Souveränität und bringt die technologische Unabhängigkeit im Mobilfunk zurück. Dank einer leistungsfähigen Architektur ermöglicht die Installation zudem den breiten Einsatz moderner KI-Methoden – etwa zur Automatisierung komplexer Prozesse oder zur proaktiven Angriffserkennung.“
Philippe Gröschel, Director Government Relations von o2 Telefónica, sieht in der Zusammenarbeit mit dem Land eine wichtige Grundlage für schnelleren Ausbau. „Hessen zeigt, was möglich ist. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Land können wir den Mobilfunkausbau spürbar beschleunigen und die Versorgung gezielt verbessern. Der neue Mobilfunkpakt setzt den richtigen Rahmen. Wer die Versorgung weiter verbessern möchte, muss Verfahren weiter beschleunigen – denn Mobilfunkausbau gehört zum überragenden öffentlichen Interesse. o2 Telefónica investiert weiter, damit die Mobilfunkversorgung in Hessen spürbar und flächig besser wird.“
Vodafone kündigte ebenfalls zusätzliche Investitionen an. Michael Jungwirth, Mitglied der Geschäftsleitung und Director Public Policy & External Affairs der Vodafone GmbH, erklärte: „In den kommenden Jahren machen wir den Mobilfunk in Hessen noch besser. Damit das Land seine Spitzenposition in der digitalen Welt weiter ausbaut, leistet Vodafone seinen Beitrag und investiert mit mindestens 700 zusätzlichen Maßnahmen in eine leistungsstarke digitale Infrastruktur. Durch ergänzende Satellitenkommunikation schließen wir Versorgungslücken auch dort, wo klassische Infrastrukturen an ihre Grenzen stoßen. Für flächendeckenden Mobilfunk, weniger Funklöcher und mehr Gigabit für alle.“
Auch 1&1 sieht sich durch den Masterplan bestärkt. Michael Martin, CEO der 1&1 Mobilfunk GmbH, betonte: „1&1 baut das modernste 5G-Netz Europas. Bereits zwei Jahre nach dem Start der mobilen Dienste versorgen wir mehr als ein Viertel der deutschen Haushalte mit der innovativen Open-RAN-Technologie – cloud-nativ, herstellerunabhängig und bereit für Echtzeitanwendungen. Auch in Hessen wächst das 1&1 O-RAN kontinuierlich weiter. Der ,Masterplan Mobilfunk 2030′ gibt uns dafür zusätzlichen Rückenwind. Wir freuen uns, zu einer zeitgemäßen Mobilfunkversorgung und zur digitalen Stärke des Standortes Hessen beizutragen.“ +++

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