Habeck nennt Arbeitskräftemangel akutes wirtschaftliches Hemmnis

Robert Habeck (Grüne)

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnt vor den Folgen des zunehmenden Mangels an Arbeitskräften. „Das ist für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ein akutes Hemmnis“, sagte Habeck dem „Handelsblatt“ am Donnerstag. Nicht nur der Fachkräftemangel werde immer akuter. „Es fehlt in vielen Branchen generell an Arbeitskräften“, so der Grünen-Politiker. Auch die notwendige Transformation zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit verlange, vor allem die Erwerbsmigration erheblich zu steigern.

„Deshalb sind wir uns in der Regierung einig, dass wir das Einwanderungsrecht deutlich öffnen werden und administrative Verfahren transparenter gestalten, digitalisieren und beschleunigen“, sagte Habeck. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Fachkräfteeinwanderungsgesetz. „Wir konkurrieren mit anderen Ländern weltweit um Fachkräfte“, so der Wirtschaftsminister. „Wir müssen ihnen deshalb ein attraktives Angebot machen.“ Am Donnerstag hatte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ihren Fachkräftereport vorgestellt. Demnach kann mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland nicht mehr alle offenen Stellen besetzen. Das entspricht laut DIHK einem entgangenen Wertschöpfungspotenzial von fast 100 Milliarden Euro.

Immer mehr Unternehmen können nicht alle offenen Stellen besetzen

Immer mehr Unternehmen in Deutschland können nicht alle offenen Stellen besetzen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten DIHK-Umfrage haben sich die Stellenbesetzungsschwierigkeiten 2022 im Vorjahresvergleich nochmals verschärft. „Wir gehen davon aus, dass in Deutschland rund zwei Millionen Arbeitsplätze vakant bleiben“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Man dürfe sich nicht von der stabilen Arbeitsmarktentwicklung blenden lassen. „Unter der Oberfläche braut sich seit geraumer Zeit eine gefährliche Mischung zusammen.“ Der Fachkräftemangel koste Wertschöpfung und könne in der Kombination mit den hohen Energiepreisen und den Herausforderungen der Transformation in Richtung Klimaneutralität zu einer Belastung für die deutsche Wirtschaft werden. Der Fachkräftemangel betreffe alle Branchen, so die DIHK. Insgesamt sehen sich den Umfrageergebnissen zufolge 53 Prozent der Betriebe von Personalengpässen betroffen, in der In  dustrie und in der Bauwirtschaft sind es jeweils 58 Prozent. Während die Lücke in den Industrieunternehmen gegenüber Herbst 2021 (53 Prozent) nochmals größer wurde, schwäche sie sich beim Bau etwas ab (Vorjahr: 66 Prozent). Besonders betroffen sind zudem weiterhin die Gesundheits- und Sozialdienstleister: 71 Prozent von ihnen meldeten zuletzt Stellenbesetzungsprobleme. Im Bereich Verkehr und Lagerei suchen 65 Prozent der Unternehmen vergeblich nach Personal. Am häufigsten scheitern die Unternehmen mit Stellenbesetzungsschwierigkeiten bei der Einstellung von Fachkräften mit dualer Berufsausbildung (48 Prozent) und von Auszubildenden (39 Prozent). Personal mit Weiterbildungsabschluss suchen 37 Prozent der Unternehmen mit Besetzungsproblemen erfolglos. Bei den Hochschulabsolventen ist es jedes dritte dieser Unternehmen. Auch für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bestehen noch Beschäftigungschancen – 31 Prozent der Betriebe mit Stellenbesetzungsproblemen können entsprechende Vakanzen nicht besetzen. +++


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