Gudrun Pausewang: „Fantasie ist mein großes Plus“

Pausewang1

Schlitz/Fulda. Sie gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautorinnen in Deutschland und wurde vielmals für ihre Werke mit Preisen ausgezeichnet. Ihr berühmtester Roman, „Die Wolke“ (1987), wurde sogar verfilmt und hat mittlerweile einen festen Platz im Schulkanon. Schon zu Schulzeiten überzeugte Pausewang, die mit bürgerlichem Namen Gudrun Wilcke heißt, mit dem Kreativen Schreiben. „Ich mochte alle Fächer, in denen man Fantasie verwenden konnte; Fantasie ist mein großes Plus“, so die Autorin. Ihr Jugendroman „Die Wolke“ (1987) avancierte nach seiner Verfilmung 2006 zu Pausewangs auflagenstärkstem Werk, der ihr nicht nur den Deutschen Jugendliteraturpreis (1988) einbrachte, sondern hinsichtlich auf ihre kritische Sichtweise auf die Atompolitik auch viel Kritik.

Gudrun Pausewang trug mit vielen ihrer Romane, in denen sie eine klare politische Botschaft sendete, dazu bei, dass bei den Menschen wieder ein Bewusstsein entsteht; ein Bewusstsein, welches sich kritisch mit der Nutzung von Atomenergie auseinandersetzt. Das ist nicht nur mutig und gerechtfertigt, sondern darüber hinaus sehr respekteinflößend. Zu Recht ist die inzwischen 86-jährige, promovierte, pensionierte Lehrerin und Schriftstellerin bis heute unvergessen geblieben und fungiert nicht nur im didaktischen Sinn als auktoriale Aufklärerin, sondern auch als Aufklärerin unserer Zeit.

Die Leidenschaft für das Schreiben kam für Gudrun Pausewang nicht von ungefähr. Schon als Vorschulkind habe sich die Schriftstellerin vorstellen können, ihre vielseitigen musischen Interessen und Begabungen zum Beruf zu machen. „Immer, wenn mich ein Erwachsener fragte, was ich später einmal werden möchte, antwortete ich: ‚Geschichtenerfinderin’“, so Pausewang. Ab der mittleren Gymnasialzeit stand es für die Autorin dann fest, dass das Schreiben ihre große Leidenschaft ist. „Ich habe viele musische Interessen und meine Lieblingsfächer in der Schule waren solche Fächer, in denen man Fantasie verwenden durfte; Fantasie ist mein großes Plus“, so die Bestsellerin. Zeitweilig habe Pausewang auch überlegt, ob sie nicht lieber Illustratorin werden solle, denn sie habe auch sehr viel gezeichnet und gemalt.

Pausewang hat die ersten zehn Jahre nur für Erwachsene geschrieben und hatte vorerst nicht daran gedacht, einmal Kinder- oder Jugendbuchautorin zu werden. Erst auf Anfrage eines Verlages nach einem Kinderbuchmanuskript sei sie auf die Idee gekommen, auch für Kinder zu schreiben. „Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass ich mit meinen Büchern einmal berühmt werden würde“, so die 86-Jährige. „Ich habe mein erstes Manuskript an die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) Stuttgart geschickt und befürchtet, dass ich es wieder zurückbekomme, oder dass ich überhaupt gar nichts mehr davon höre, deshalb habe ich auch die ersten dreißig Jahre meines Lebens meine Manuskripte nie an Verlage geschickt, aber dann, als ich in Südamerika war, hatte ich diesen Mut. Drei Wochen später bekam ich die Antwort: ‚Uns gefällt ihr Roman, wir nehmen ihn’“, reflektiert die Schriftstellerin.

Die erste große Resonanz bekam Pausewang, als sie 1959 als Lehrerin in Südamerika arbeitete und bereits schon für Erwachsene schrieb. „Ich bekam im Hinblick auf das Schreiben viel Lob, was mich freute und worüber ich sehr dankbar war“, so die Bestsellerin. Was Gudrun Pausewang in ihrem literarischen Schaffensprozess immer wieder zu verdeutlichen versuchte, ist, wie unabdingbar wichtig es ist, dass sich die Gesellschaft gegenüber kritischen Themen nicht verschließen sollte. „In diesem Sinne habe ich natürlich auch damit gerechnet, dass man mich, als Autorin, im Hinblick auf meine klaren politischen Intentionen, die ich u. a. in meinem Jugendroman ‚Die Wolke’ formulierte, kritisieren würde.“ „Was mich diese Erfahrung aber lehrt, ist, dass das nicht unwichtige politische Thema, nämlich die Atompolitik, man denke nur an Fukushima, in unserer heutigen Gesellschaft nicht lange präsent ist. Es ist vergänglich und das sollte es meiner Meinung nach nicht sein. Heute spricht kaum jemand mehr von der Friedensbewegung oder der Anti-Atombewegung. Das ist traurig, dass so wichtige Themen gänzlich in Vergessenheit geraten.“

Die Resonanz auf die Verfilmung zu „Die Wolke“ war riesig, sodass der Schriftstellerin viele Angebote von verschiedenen Filmgesellschaften vorlagen. Allerdings kam es erst nach dem dritten Anlauf zur Produktion, da es inhaltliche und dramaturgische Abweichungen gab. Eine solche Abweichung war z. B. die Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonisten Hannah und Elmar. „Nicht immer ist es leicht, inhaltlich und dramaturgisch auf einen Nenner zu kommen“, reflektiert die Autorin. „Viele halten das Ende in meinem Roman für ein Happy End, und das ist es definitiv nicht“, so Pausewang. „Für mich ist entscheidend: Kommt die Botschaft rüber? Das ist das Wichtigste für mich!“ +++ fuldainfo | jessica auth


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*