Berlin. Die kritische Haltung von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum vorliegenden Griechenland-Paket sorgt für Ärger in der SPD-Fraktion. "Griechenland und die Gläubiger haben seriös verhandelt. Doch offensichtlich gibt es Kräfte im deutschen Finanzministerium, die versuchen, eine Einigung zu unterlaufen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Axel Schäfer "Zeit Online".
"Wir haben nicht vergessen, dass Wolfgang Schäuble und seine Leute monatelang in Richtung Grexit steuerten. Vor dem entscheidenden Gipfel in Brüssel am 13. Juli haben sie es versäumt, eine konsensfähige Kompromissvorlage vorzulegen. Jetzt dürfen sie nicht den Besserwisser spielen." Am 13. Juli hatten sich die EU-Finanzminister in einer dramatischen Nachtsitzung grundsätzlich auf neue Hilfen für Griechenland geeinigt, die Details waren aber erst in den vergangenen Wochen in Athen ausgehandelt worden. Schäfer wies auch Bedenken zurück, dass der geplante Privatisierungsfonds in Griechenland nicht weit genug gehe. In den ersten drei Jahren muss Griechenland nach den aktuellen Vorlagen nur Staatsvermögen in Höhe von 6,2 Milliarden Euro privatisieren. "Es ist richtig, dass Griechenland sein Staatseigentum behutsam privatisieren muss. Im Moment ist das Land in einer dramatischen Krise, da würden Staatsvermögen verschleudert, wenn man sie verkaufte", sagte Schäfer. "Den Unionspolitikern, denen die Reformen in Griechenland nicht weit genug gehen, rate ich: Sie sollen einmal eine Sekunde inne halten und überlegen, was solch eine Situation für Deutschland bedeuten würde. Niemals würde ein solch schmerzhaftes Reformpaket wie in Griechenland eine Mehrheit im Bundestag finden."
FDP: Paket in seiner jetzigen Form rechtswidrig
Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), hält das Griechenland-Paket nach der Grundsatzeinigung zwischen Athen und den Geldgebern in seiner jetzigen Form für rechtswidrig, da die Schuldentragfähigkeit Griechenlands nicht gegeben sei. "Es ist rechtswidrig, weil das ESM-Statut die Schuldentragfähigkeit als rechtliche Voraussetzung für ESM-Hilfen definiert", erklärte Lambsdorff am Donnerstag. Überdies sei es "politisch kontraproduktiv, weil es durch Aufweichung der vorgesehenen Reformen ein falsches Signal" sende. Weiterhin sei das geplante Paket "ökonomisch wertlos, weil ohne die Lösung der Schuldenfrage auch dieses Paket nicht ausreichen" werde, so Lambsdorff. "Zudem ist völlig unklar, ob der Internationale Währungsfonds unter diesen Voraussetzungen an Bord bleibt. Das aber war immer eine der Bedingungen für die Gewährung von Hilfen an Athen. Stimmt der Bundestag nunmehr ohne eine klare Zusage des IWF zu, verabschiedet er sich von einer der wichtigsten Grundlagen der Euro-Stabilisierungspolitik."
Programm beläuft sich auf 91,7 Milliarden Euro
Das auf drei Jahre angelegte Rettungsprogramm für Griechenland soll einen Umfang von 91,7 Milliarden Euro haben. Dies geht aus der Finanzbedarfsanalyse der Geldgeber hervor, die der "Welt" vorliegt. In einer ersten Rate sollen den Unterlagen zufolge noch im August 23 Milliarden Euro nach Athen fließen. Im September soll weitere zwei Milliarden folgen, im Oktober weitere 18 Milliarden. Mit dem frischen Geld des Euro-Rettungsfonds ESM könnte die Regierung eine Rückzahlung an die Europäische Zentralbank (EZB) von 3,2 Milliarden Euro leisten, die am 20. August fällig wird. Auch sollen damit die finanzschwachen griechischen Banken stabilisiert werden. Deren Kapitalbedarf schätzen die Institutionen den Unterlagen zufolge auf 25 Milliarden Euro. In einem weiteren Papier haben die Gläubiger eine Liste von 47 Sofortmaßnahmen ("prior actions") aufgelistet, die Griechenland vor der Auszahlung der nächsten Tranche abarbeiten muss. Dazu zählen das Streichen von Diesel-Subventionen für Bauern, das Einfrieren von Pensionen im öffentlichen Sektor, die Öffnung von Berufszweigen wie Notaren oder der Verkauf von Regionalflughäfen. +++ fuldainfo
[ad name="HTML"]
Hinterlasse jetzt einen Kommentar