Gesetzliche Rente - Besser als ihr Ruf

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Berlin. Der gesetzlichen Rente in Deutschland wird regelmäßig der Untergang vorhergesagt. Solche Prophezeiungen haben maßgeblich mit dazu beigetragen, dass das allgemeine Vertrauen in das deutsche Altersvorsorgesystem stark erschüttert ist. "Ich krieg sowieso mal nichts mehr raus" - kaum ein Gespräch über dieses Thema, in dem es nicht irgendwann zu einer solchen Bemerkung kommt. Die jetzt angekündigte Rentenerhöhung sollte notorische Pessimisten wenigstens etwas kleinlauter werden lassen.

Gut vier Prozent mehr Rente im Westen und im Osten fast sechs Prozent oben drauf - wer sein Geld in eine seriöse Kapitalanlage gesteckt hat, kann von solchen Zuwächsen derzeit nur träumen. Die gesetzliche Rente ist damit wieder einmal besser als ihr Ruf. Zumal das System bei aller Kompliziertheit im Detail eigentlich einer einfachen Logik folgt: Wenn die Wirtschaft floriert und die Beschäftigten ordentliche Lohnerhöhungen bekommen, sind auch die Ruheständler mit im Boot. Sie profitieren ebenfalls von der Entwicklung. Bei schlechten Konjunkturdaten gilt das umgekehrt freilich genauso. Schon angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte ist aber auch die symbolische Wirkung der guten Nachricht nicht zu unterschätzen. Von wegen, den einen wird alles in den Hintern geblasen, und die anderen gehen leer aus.

Die deutliche Rentenerhöhung verträgt sich schlecht mit dem Sozialneid, der nicht nur von rechtspopulistischen Kräften im Land geschürt wird. Bei aller Freude über die höchste Rentenanpassung seit mehr als zwei Jahrzehnten gilt es allerdings festzuhalten, dass sich von den gesetzlichen Altersbezügen in Zukunft nicht mehr so gut leben lässt, wie es der heutigen Generation der Ruheständler noch möglich ist. Alles andere hieße den tendenziell schrumpfenden Bevölkerungsanteil der Beitragszahler zu überfordern. Auch das gehört zu einer realistischen Betrachtung des deutschen Rentensystems, so die Lausitzer Rundschau. +++ fuldainfo


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1 Kommentar

  1. Es ist schon erschütternd, wie die deutschen Regierungspolitiker sich die diesjährige Rentenerhöhung als Verdienst zuschreiben. Dabei haben sie gar nichts damit zu tun. Die Rentenerhöhung ist eine rein mathematische Angelegenheit, die sich aus den Vorgaben des Gesetzes richtet. Weder Merkel noch ein anderer hat hierauf Einfluss. Vergessen wird, dass die Rentenerhöhungen der letzten Jahre regelmäßig hinter der Lohnentwicklung lagen und dass vor allem die Rentenerhöhungen der kommenden Jahre bei maximal ein bis zwei Prozent liegen werden, weil in diesem Jahr ein Einmaleffekt zu berücksichtigen war und die Lohnabschlüsse des letzten Jahres etwas in Richtung wirtschaftliche Realität gingen. Wegen der Probleme, die die demografische Entwicklung bringen wird, sieht es ohnehin in Zukunft düster aus. Nur noch ein Drittel der jungen Menschen glaubt an eine auskömmliche Rente und das mit Recht. Es wäre dringend erforderlich, das Rentensystem zu reformieren und auf eine auskömmliche Rente wieder hinzuarbeiten. In anderen Ländern geht das auch (siehe Österreich). Allerdings dürfte weder die CDU noch die SPD den Mut haben, eine solche Reform gegen die Interessen des Kapitals durchzusetzen. Denn um eine Erhöhung der Rentenbeiträge kommt man nicht herum. Dennoch wird dies nicht das Ende des Reichtums in Deutschland bedeuten. Im Gegenteil: Wenn man den Armen und Alten einen angemessenen Anteil am Volkseinkommen zukommen lässt, schafft dies Binnennachfrage und hält die Gesellschaft zusammen.

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