Geschäftsklima in Chemiebranche deutlich verschlechtert

Für 29 Prozent sei eine Fortführung der Exportbeziehungen nicht absehbar

Das Geschäftsklima in der Chemieindustrie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verschlechtert. Der entsprechende Index fiel im Juli 2022 auf einen Tiefstand von -44,4 Punkten, teilte das Ifo-Institut am Dienstag mit. Im Vorjahresmonat hatte der Wert noch bei +11,8 Punkten gelegen. Der Krieg in der Ukraine verschärfe die angespannte Lage in der Branche noch weiter, hieß es zur Begründung für den Rückgang. „44 Prozent des Energieverbrauchs in der chemischen Industrie entfallen auf Erdgas“, sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Hinzu komme, dass Erdgas eine wichtige Rolle bei der Produktherstellung spiele. „Für rund 30 Prozent aller Chemieprodukte ist der Einsatz von Erdgas notwendig.“ Rund die Hälfte der Gasimporte stammt aus Russland. Zudem klagt mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Chemieindustrie über Materialmangel, der nach Erwartungen der Unternehmen noch mindestens in das erste Halbjahr 2023 andauern dürfte. Hinzu komme, dass die Einfuhrpreise für chemische Vorprodukte ebenfalls stark angestiegen sind. „Bereits im Mai 2022 lagen die Einfuhrpreise für sonstige anorganische Grundstoffe und Chemikalien mehr als 65 Prozent über dem Stand des Vorjahresmonats“, sagte die Ifo-Expertin.

„Für Düngemittel und Stickstoffverbindungen stiegen sie im Mai 2022 sogar um rund 170 Prozent.“ Gleichzeitig gingen im Mai 2022 die Exporte chemischer Produkte nach Russland um 49 Prozent und in die Ukraine um 40 Prozent zurück im Vergleich zum Vorjahresmonat. „Eine baldige Wende ist im Außenhandel mit Russland nicht in Sicht“, so Wolf. „Laut Ifo-Umfragen haben 40 Prozent der befragten Chemieunternehmen die Exporte nach Russland ganz ausgesetzt.“ Für 29 Prozent sei eine Fortführung der Exportbeziehungen nicht absehbar. +++

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Letzte Aktualisierung: 28.09.2022, 05:22 Uhr
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