Fuldas neuer Bischof stellte sich erstmals vor

Bischof Dr. Michael Gerber

Der zukünftige Bischof im Bistum Fulda, Dr. Michael Gerber, hatte sich gestern im Rahmen eines Mediengespräches bei einem darauffolgenden, gemeinsamen Mittagessen im Fuldaer Priesterseminar erstmals den Vertreterinnen und Vertretern der Presse und Medien vorgestellt. Dr. Michael Gerber wird am kommenden Sonntag, den 31. März 2019, um 15:00 Uhr, im Fuldaer Dom in sein Amt als 18. Bischof des Bistums Fulda eingeführt. Seine zukünftige Bischofsstadt hatte Dr. Michael Gerber, der am 13. Dezember 2018 von Papst Franziskus zum Bischof des Bistums Fulda ernannt wurde, erstmals am 20. Dezember vergangenen Jahres besucht und im Fuldaer Dom eine erste Ansprache an die Gläubigen gehalten und den Segen erteilt.

Etwas, dass das Selbstverständnis von Dr. Michael Gerber als Priester und Bischof sehr entscheidend geprägt habe, sei das Pilgern gewesen. Das ist ihm auch heute noch wichtig, sagte Dr. Michael Gerber am Dienstag im Rahmen des Mediengespräches im Vorfeld auf seine Amtseinfügung am Sonntag in Fulda. So war dieser seit 1989 immer wieder pilgernd unterwegs – vorwiegend mit jungen Menschen. 1990 habe dieses noch einmal eine Intensivierung erfahren als er gemeinsam mit einigen Freunden aus der Jugendarbeit (Schönstatt-Jugend) ein Projekt startete – vor allem mit Germaninnen und Germanen. „Eine Frage, die uns als Kirche beschäftigt: wie finden junge Menschen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren Zugang zum Glauben?“ Dies ist auch eine Grundfrage, mit der der ehemalige Weihbischof im Erzbistum Freiburg in seine neue Wirkungsstätte kommt. Diese Frage wird auch Themengegenstadt sein am Sonntag bei seiner Predigt anlässlich seiner Amtseinführung als neuer Bischof des Bistums Fulda. Die letzten Jahrzehnte habe er diesbezüglich immer wieder „sehr beeindruckende Erfahrungen“ gemacht. Dr. Michael Gerber: „Ich glaube, dass das etwas ganz Wichtiges ist, das ist ein Erfahrungs-Potenzial, das ich mitbringe – auch ins Bistum Fulda, das aber auch hier Resonanz findet, weil hier schon ganz viel lebt. Wie eröffnen wir Räume? Und Räume meint immer auch Beziehungen, wo Menschen spüren, der Glaube hat eine Relevanz für mein Leben.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse und dem Weltgeschehen sowie der Tatsache, dass der neue Fuldaer Bischof Phrasen und Begrifflichkeiten wie beispielsweise „Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs“ für politisch unkorrekt und nicht bezeichnend für das Tatsächliche hält, sagte Dr. Michael Gerber gestern, fünf Tage vor seiner Amtseinführung: „Das Wort oder die Phrase von der ‚Phase des Umbruchs‘ oder wir befinden uns in einer ‚Phase des Umbruchs‘ simuliert: jetzt geht es turbulent her und danach geht es wieder irgendwie gut weiter, und jetzt soll doch bitte die Kanzlerin, der Paps oder wer auch immer das Rezept dafür finden, wie es jetzt wieder irgendwie ruhig wird. Ich glaube, die große Herausforderung für die Gesellschaft, für uns in Westeuropa ist, zu begreifen, dass diese Zeit einer relativen Stabilität vorbei ist; Was wir brauchen, ist eine Haltung, eine Ausprägung von Haltung, die damit konstruktiv umgehen kann. Wir erleben politische und religiöse Entwürfe, die nicht konstruktiv damit umgehen, die auf Abgrenzung bauen, die polarisieren, die sehr pointiert etwas herausstellen. Wir brauchen – glaube ich – in Zukunft Persönlichkeiten, die fake sind mit diesen großen Umbrüchen und mit dieser großen Unsicherheit, was die Zukunft angeht, konstruktiv umgehen. Und da sehe ich den Beitrag, den die Kirche leisten kann.“

Dr. Michael Gerber: Die Schönstatt-Bewegung, ein Netzwerk, das ich sehr schätze

Und auch, dass der zukünftige Fuldaer Bischof eingebunden ist in einem großen Netzwerk, ist für ihn bezeichnend, wie er selbst sagt: „Auch das gehört zu mir dazu, dass ich sehr eingebunden bin, in einem großen Netzwerk. Demnach werden am Sonntag auch viele mit dabei sein, mit denen ich viele Jahre, viele Jahrzehnte eng verbunden bin. Vor meiner Priesterweihe gehörte ich einer Priestergemeinschaft von Schönstatt an. Schon seit meiner Jugend bin ich in dieser Bewegung groß geworden. Ein Netzwerk, das ich sehr schätze.“ Innerhalb dieser Gemeinschaft gibt es eine Gruppe, mit dieser Dr. Michael Gerber schon seit über 20 Jahren in Kontakt ist. Regelmäßige Treffen von Sonntag auf Montag und täglicher Austausch per WhatsApp gehören da zum regelmäßigen Turnus. Das Besondere dabei: „Wir wissen voneinander, das ist für mich und auch für die Kirche etwas ganz Wichtiges.“

Mit ins Bistum Fulda bringt der neue Bischof auch die Frage: Wie gehen wir um mit unseren pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Und auch: Wie gehen wir um mit den Priestern? Dr. Michael Gerber: „Ich habe in Freiburg im Netzwerk etwas entwickelt, das nennt sich ‚Seelsorge für Seelsorgende‘. Das gibt es in unterschiedlichen Diözesen. Das gibt es in der Diözese Fulda bisher in dieser ausgeprägten Form noch nicht. Hierbei geht es um Menschen, Priester, Hauptamtliche, die noch einmal eine spezielle Ausbildung haben – im therapeutischen Bereich oder im Bereich Coaching, die noch einmal mit den Hauptamtlichen hinschauen und dabei die Frage in den Raum gestellt wird: was tut dir jetzt gut, was könntest du jetzt benötigen? Dies kann eine Therapie, ein Coaching oder eine Supervision sein. Ich denke, hier sollten wir in den nächsten Jahren auch noch einmal einiges investieren.“

Dr. Michael Gerber: Ich bin nicht gerne aus Freiburg weggegangen, aber ich bin gerne nach Fulda hingegangen

„Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt oder auch bei der Bischofskonferenz im September, dass ich einmal der nächste Bischof von Fulda sein werde, hätte ich ihm im Spaß geantwortet: Also da weiß ich nichts davon. Denn das war nicht vorgesehen. Als mich Domdechant Prof. Kathrein anrief und mir sagte: wir haben sie jetzt gerade zu unserem Bischof gewählt – da war ich doch zunächst erst einmal sprachlos gewesen“, erinnert sich Dr. Michael Gerber. „Ich habe mich dann damit auseinandergesetzt. Wir hatten auch vereinbart, dass ich mir Zeit der Besinnung lasse. Auch habe ich mich mit zwei guten Priesterfreunden beraten, die mich sehr gut kennen, die mir auch durchaus kritisch Rückmeldung geben können. Ich habe allerdings schnell gemerkt, dass da bei mir sehr schnell etwas angesprungen ist und ich mir gedacht habe: so fremd ist diese Gegend nicht – man kennt Fulda von der Bischofskonferenz, man kennt die Stadt etwas – und es sind auch durchaus Themen hier. Auch ist Fulda noch einmal eine ganz andere Landschaft im Vergleich zu da, wo ich herkomme, Freiburg. Aber auch zum Beispiel durch Bonifatius wird Fulda für mich noch einmal zu einem ganz interessanten Thema. Er ist zwar ein Heiliger, der vor 1300 Jahren gelebt hat, und von daher weit weg ist und in einer ganz anderen Zeit, aber wenn man das einmal übersetzt: er für Themen steht, die durchaus relevant sind.“

„Bonifatius war jemand, der von Britannien kam und nicht auf seiner Insel geblieben ist. Allein das ist schon einmal interessant. Er bewegte sich selbstverständlich zwischen den Völkern des damaligen Europas, und er bringt die Fragestellung mit nach Fulda, in die Region: Wie Christentum die Botschaft des Evangeliums in eine völlig andere Kultur zu bringen? Und das ist letztlich unsere Fragestellung heute. Wir leben in einer veränderten Kultur. Wir leben in einer ganz klar pluralistischen Gesellschaft und das ist die Aufgabenstellung für uns als Kirche.“

„Ich bin seit fünfeinhalb Jahren Weihbischof im Erzbistum Freiburg und hätte mir das gut auch länger vorstellen können. Ich hatte noch viele Pläne und Ideen, die ich noch gerne umgesetzt hätte“, so Dr. Michael Gerber, der im Erzbistum Freiburg für die pastorale Bildung zuständig gewesen ist. In diesem Ausbildungsbereich ist er die letzten 18 Jahre nach seiner Kaplanszeit auch groß geworden. „Ich habe in Freiburg mit vielen Ordensgemeinschaften ein sehr gutes, vertrauensvolles Verhältnis gehabt und wäre auch deshalb gerne auch weiter noch dort geblieben. Ich sage einmal so – das habe ich in Freiburg gesagt und das sage ich auch hier -: Ich bin nicht gerne aus Freiburg weggegangen, aber ich bin gerne nach Fulda hingegangen.“

Dr. Michael Gerber: Um sich dem Thema Missbrauch anzunehmen, braucht es Hintergrundwissen und den Kontakt zu Menschen, die zu Opfern geworden sind

Im Rahmen des gestrigen Mediengespräches auf das Thema Missbrauch angesprochen und welche Erfahrungen der neue Fuldaer Bischof aus Freiburg mitbringt und wie sein Ansatz ist, mit diesem, sehr existentiellen Thema für den Fortbestand der Kirche umzugehen, sagte Dr. Michael Gerber: „Es besteht kein Zweifel daran, dass dieses Thema sehr existenziell ist. Da geht es um die Grundfrage der Glaubwürdigkeit. Ich bringe verschiedene Erfahrungen mit. Ich bringe einerseits auch Erfahrungen mit aus Gesprächen mit Menschen, die zu Opfern geworden sind. Ich habe es mehrfach erlebt, dass ich oftmals der erste war, der jetzt wirklich auch für die Institution Kirche stand, an den sich jemand gewendet hat und wir dann miteinander geschaut haben, welchen Weg gehen wir jetzt? Wer ist jetzt dran? Sofort eine Missbrauchsbeauftragte eingeschaltet und dann sich auch der Frage angenommen, was heißt es in der Begleitung? Was ist jetzt meine Rolle und welches ist die Aufgabe von anderen?“ „Das ist eine Erfahrung, das ist mir ganz wichtig. Denn immer, wenn wir über das Thema Missbrauch reden, reden wir über den Weg von konkreten Menschen. Man hat die Art und Weise bereits jetzt auch hier, wie ich darüber rede, als jemand, der klar für das Thema Kirche steht, hat es eine Wirkung für die Menschen, die davon betroffen sind. Wenn wir in die MHG-Studie schauen, da haben wir das eine Kapitel, wo es um die Profile der Täter geht, aber auch um die Profile der Menschen, die zu Opfern geworden sind. Ich habe das an einem Fall konkret verstanden, weil ich den Priester gut kannte und ich den erlebt habe, als jemanden, der mir und auch anderen wertvolle Impulse gegeben hat und ich 2010 dann erfahren musste, dass er an anderen Orten zum Täter geworden ist an Minderjährigen. Ich habe das verstanden, als mir Menschen das erzählt haben, die das erlebt haben. Das war für mich wichtig, das wahrzunehmen, weil ich das auch mehrfach erlebt habe, dass ein Priester in einer Gemeinde schuldig geworden ist. Die einen sagen, dass daran nichts dran ist, die anderen sagen, da war aber das und das. Und beide haben authentische Erfahrungen gemacht, die sich aber beide widersprechen. Man braucht die Opferseite und man braucht Hintergrundwissen, um zu verstehen, was da genau abgelaufen ist. Deswegen braucht es auch den Kontakt der Menschen, die zu Opfern geworden sind."

Den Auftakt der Amtseinführung von Dr. Michael Gerber am Sonntag, den 31. März 2019, um 15:00 Uhr, im Hohen Dom zu Fulda bilden diverse Pilgerwanderungen am Freitag und Samstag. Über die „Bonifatiusroute“ führt der Pilgerweg am Freitag (29. März 2019) vom Hoherodskopf / Taufstein nach Fulda. Fortgesetzt wird die Pilgerwanderung mit circa 400 Pilgern zurück nach Fulda am Samstag (30. März 2019) um 11:00 Uhr. Ausgangspunkt ist die Wallfahrtskapelle „Kleinheiligkreuz“ bei Kleinlüder. Die Ankunft im Fuldaer Dom ist für circa 17:00 Uhr geplant, wo die Pilgerer am Grab des Heiligen Bonifatius zusammenkommen werden. +++ ja


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1 Kommentar

  1. Schön das Fulda einen neuen Bischof bekommt. Aber die Berichterstattung von einigen Medien lässt an Feingefühl einiges vermissen. Schön das Gerber mit seinen Schäfchen pilgerte, müssen sich die Medien hierbei auf die Füsse treten? Hat man sich einmal gefragt, was der Bischof will? Vielleicht wollte er mit seiner neuen Herde einmal allein sein, um sie besser kennenzulernen. Das Ganze völlig ungestört ohne Kamera und dümmliche Fragen, die alle schon mehrfach gesellt wurden.

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