Fulda ist erste Sternenstadt Deutschlands

„Zeugnis einer vorbildlichen Gemeinschaftsleistung“

Die Stadt Fulda möchte gegen die Lichtverschmutzung weiterhin Zeichen setzen. Für diese Anstrengungen hat sie nun auch international Anerkennung erfahren: Die in den USA ansässige „International Dark-Sky Association“ – kurz: IDA – hat vor Kurzem die Bewerbung der Stadt um den Status „Dark-Sky-Community“ positiv beschieden. Fulda ist damit die erste „Sternenstadt“ Deutschlands. Weltweit ist Fulda nun die zweitgrößte Stadt, die diesen Status erhalten hat; In Europa ist Fulda unter insgesamt fünf Kommunen sogar die größte Stadt.

Das gute Miteinander sowie die gute Kooperation sind das, was eine Stadt und ihre Region letzten Endes erfolgreich macht: Dr. Heiko Wingenfeld, Matthias Hahner, Dominik Höhl, Sabine Frank, Martin Heun, Daniel Schreiner, Torsten Raab, Dr. Arnt Meyer und Frederik Schmitt (Landkreis Fulda) (v.l.)

Fuldas Oberbürgermeister, Dr. Heiko Wingenfeld und der zuständige Umweltdezernent der Stadt, Stadtbaurat Daniel Schreiner, zeigten sich heute im Rahmen einer Pressekonferenz hocherfreut über die Zusage aus den USA: „Die Bewerbung war durchaus ein Kraftakt, und ich bin froh, dass sie zum Erfolg geführt hat. Das Signal lautet: Ein großer Teil der Lichtverschmutzung ist vermeidbar, und wir wollen mit intelligenten Lösungen als Vorbild für andere Kommunen vorangehen“, betonte Wingenfeld. Der Titel „Sternenstadt“ bedeute keinesfalls, dass es nun auf Fuldas Straßen dunkler wird: „Aber Licht gehört auf den Gehsteig und die Straße – und nicht in den Himmel.“ Die Stadt schaffe es damit auf vorbildliche Weise, „Urbanität und Ökologie in Einklang zu bringen“. Stadtbaurat Daniel Schreiner ergänzte, dass zu viel und vor allem falsch gerichtetes, schlecht gesteuertes Licht in kalten Lichtfarben nachweislich das Leben vieler, nachtaktiver Arten beeinträchtige, Pflanzen störe und die Gesundheit der Menschen belaste. „Das muss nicht sein.“ Es sei leicht möglich, künstliches Licht standort- und bedarfsgerecht einzusetzen. „So kann man Lichtverschmutzung vermeiden, Kosten senken und durch Energieeinsparungen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Schreiner. Bei intelligentem Einsatz von künstlichem Licht ließen sich dabei Einschränkungen in Komfort und Sicherheit ausschließen.

Mit Blick auf die Bewerbung als Sternenstadt hat die Stadt Fulda bereits eine Richtlinie verabschiedet, die dazu beitragen soll, das Erscheinungsbild der Stadt Fulda vor Verunstaltung und Überinszenierung durch falsch eingesetztes Licht zu schützen. Die Richtlinie ist zunächst eine Selbstverpflichtung der Stadt, bei eigenen Beleuchtungsanlagen alle Formen von Lichtverschmutzung zu minimieren. Zugleich soll die Richtlinie auch privaten Bauherren und Planern sowie Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden wichtige Handreichungen für eine energiesparende, klimafreundliche Lichtoptimierung bieten. Die Stadt will dabei für eine freiwillige Mitwirkung sensibilisieren und bietet auch entsprechende Beratung an. Fulda geht seit vielen Jahren mit gutem Beispiel voran und setzt bei Neuerrichtung von öffentlichen Beleuchtungsanlagen generell zeitliche Steuerungen zum Dimmen und Abschalten der modernen LED-Leuchten ein. Als regionaler Energieversorger ist die RhönEnergie Fulda Gruppe im Auftrag der Kommunen auch für die öffentliche Beleuchtung zuständig. Sie betreut im Netzgebiet der Gruppe insgesamt über 31.000 Leuchten. Auch im Stadtgebiet Fulda ist die RhönEnergie Fulda Gruppe für rund 8.500 Straßenleuchten zuständig. Ein erheblicher Teil davon ist bereits in den vergangenen Jahren nachtfreundlich umgerüstet worden und so geschaltet, dass sich die Lichtmenge dem Bedarf anpasst. So lassen sich erhebliche Energieeinsparungen erzielen. Vor diesem Hintergrund versteht sich, dass die Stadt Fulda ihren Licht-Partner bei der Erarbeitung des umfangreichen Antrags auf Anerkennung als Sternenstadt in allen technischen Fragen intensiv eingebunden hat. „Unsere Unternehmensgruppe hat die Idee, ‚Fulda als Sternenstadt‘ von der ersten Stunde an mitgetragen“, unterstreicht Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda. Nachhaltiger Umgang mit der nächtlichen Beleuchtung sei ein „Gebot der Stunde“. Das Thema gewinne in der öffentlichen Diskussion zunehmend an Bedeutung. „Als technischer Dienstleister haben wir die veränderten Anforderungen an öffentliches Licht angenommen und verinnerlicht. Das haben die vielen, von uns in den vergangenen Jahren umgesetzten Maßnahmen gezeigt.“

Gerade mit Blick auf die städtische Straßenbeleuchtung profitiert die Stadt von der jahrelangen Expertise des kommunalen Energieversorgers, der RhönEnergie Fulda Gruppe mit ihrem Tochterunternehmen OsthessenNetz. Im heutigen Pressegespräch erläuterte der Geschäftsführer der OsthessenNetz, Matthias Hahner: „Immer mehr Menschen erkennen und fordern einen verantwortungsvolleren Umgang mit Licht. Doch als wir vor circa 20 Jahren damit begannen, die überall verbreiteten Quecksilberdampflampen durch insekten-freundliche Natriumdampflampen auszutauschen, waren wir damit noch Umwelt-Pioniere.“ Seither habe die RhönEnergie Fulda ihren Einsatz für den Schutz der Nacht Jahr für Jahr intensiviert und dabei wichtige Impulse gegeben. In Fulda wurden bereits mehr als 500 Altstadtleuchten in Fulda auf umweltfreundliche LED-Leuchten umgerüstet. In der Zeit zwischen 22:30- und 05:30 Uhr sind sie um 50 Prozent gedimmt. Ersparnis: Circa 80.000 kWh jährlich.

Die Bewerbung der Stadt Fulda stand unter anderem im engen Zusammenhang mit der Initiative „Sternenpark“ im Biosphärenreservat Rhön. Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön wurde bereits im Jahr 2014 von der IDA als Sternenpark anerkannt. Die Auszeichnung der Stadt Fulda als Sternenstadt bildet nun das urbane Pendant zum bereits bestehenden, ländlichen Sternenpark – „eine, in dieser Kombination, weltweit einmalige Konstellation“, betonen Torsten Raab von der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön und Sternenpark-Koordinatorin Sabine Frank. Sie ergänzten: „Aufgrund der großen Streuwirkung des Lichtes profitiert auch der Sternenhimmel der Rhön von den Bemühungen der Stadt.“ Auch touristisch könnten sich beide Projekte gegenseitig befruchten. Schon jetzt gebe es in der Stadt astronomische Sternenstadtspaziergänge, die auch die Aspekte der Lichtverschmutzung thematisieren. +++ pm/ja

Hintergrund: Die Stadt Fulda hatte sich am 20. Dezember 2017 offiziell bei der „International Dark-Sky Association“ (IDA) als Sternenstadt beworben und wurde von Dr. Andreas Hähnel von der Fachgruppe Dark Sky „Initiative gegen Lichtverschmutzung“ offiziell nominiert. Die finalen Bewerbungsunterlagen wurden im November 2018 bei der IDA eingereicht. Im Januar 2019 erfolgte die Zusage der IDA, dass die Bewerbung erfolgreich war.
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