Ex-Generalinspekteur Kujat kritisiert von der Leyen

Berlin. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hat das Modernisierungsprogramm, mit dem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Attraktivität der deutschen Streitkräfte erhöhen will, deutlich kritisiert. Es gehe der Ministerin offenkundig um alles Mögliche, sagte Kujat der „Süddeutschen Zeitung“, aber nicht um die Einsätze der Bundeswehr. „Viel mehr als mit einer Kindertagesstätte wäre der Familie eines Soldaten geholfen, wenn sie wüsste, dass alles für seine Sicherheit im Einsatz getan wird. Dafür braucht es die bestmögliche Ausrüstung.“ Das Material der Bundeswehr aber veralte immer mehr. „Hier müsste dringend gehandelt werden“, sagte Kujat.

Gegenüber dem „Focus“ hat der ehemalige Generalinspekteur die Attraktivitätsoffensive von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als „grotesk“ bezeichnet: „Da sind echte Laien am Werk. Von der Leyen hat ganz offensichtlich keine Ahnung vom Militär“, sagte Kujat. Die Ministerin komme ihm vor, „wie eine gute Hausfrau, die ihre Kinder versorgt“. Von der Leyen solle sich lieber um die wirklich wichtigen Dinge kümmern. „Soldaten brauchen eine vernünftige Ausrüstung. Das macht den Soldatenberuf sicherer und damit attraktiv.“

Für die Idee der Ministerin, Führungspositionen künftig auch mit Teilzeitstellen zu besetzen, hat der General a.D. kein Verständnis. „Ein Kompaniechef kann nicht halbtags führen“, sagte Kujat. „Die Verantwortung eines Vorgesetzten ist nicht teilbar“. Kujat fügte noch eine nicht ganz ernst gemeinte Empfehlung hinzu: „Die Ministerin sollte noch Wecker anschaffen, bei denen statt einem Klingeln nur Meeresrauschen und Vogelgezwitscher ertönt.“ Das sei für die Soldaten sicher nervenschonender als mit Pfeifen und Gebrüll zum morgendlichen Antreten bewegt zu werden. Kujat war von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr und anschließend bis 2005 Vorsitzender des Militärausschusses der Nato.

Von der Leyen hat eine umfangreiche Agenda zur Steigerung der Attraktivität der Bundeswehr vorgelegt. Das Konzept sieht unter anderem eine wohnlichere Gestaltung der Stuben, aber auch Telearbeit und Führen in Teilzeit vor. +++ fuldainfo

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