Es sind keine großen Programme, die den Unterschied machen. Es sind oft die leisen, bodennahen Initiativen – dort, wo Menschen leben, suchen, hoffen. In Eiterfeld ist jetzt ein solches Projekt zu Ende gegangen. Und für einige hat es mehr bedeutet als nur Unterstützung bei Bewerbungen: Es war der Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Das Kreisjobcenter des Landkreises Fulda zieht eine positive Bilanz seines Regionalprojekts. Elf Teilnehmende hatten sich darauf eingelassen, freiwillig, ohne Druck, aber mit der klaren Aussicht, etwas zu verändern. Sie wurden vorbereitet auf Vorstellungsgespräche, unterstützt beim Schreiben von Bewerbungen, begleitet bei der Suche nach Arbeit in der unmittelbaren Umgebung. Und sie bekamen Hilfe bei den Dingen, die oft im Hintergrund stehen – Kinderbetreuung, Schulden, Sprachbarrieren. Dinge, die über Erfolg oder Stillstand entscheiden können.
„Wir sind sehr zufrieden“, sagt Markus Vogt, Leiter des Fachdienstes Kommunaler Arbeitsmarkt. Ein Satz, der in Behörden schnell gesagt ist – hier aber mit Inhalt gefüllt scheint. Denn die Zahlen erzählen eine Geschichte: Zwei Menschen haben inzwischen eine Vollzeitstelle gefunden, eine Person arbeitet in einem Minijob, eine weitere hat eine Ausbildung begonnen. Weitere Gespräche laufen noch. Für Marlene Most vom Arbeitgeberservice, die das Projekt betreut hat, ist das Ergebnis eindeutig: „Das Ergebnis spricht für sich.“ Vielleicht auch, weil es nicht nur um Vermittlung ging, sondern um Orientierung – und um Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Einer, der davon profitiert hat, ist Illia Bohoiev. 37 Jahre alt, vor drei Jahren aus der Ukraine geflüchtet, mit Frau und Tochter. Seine Geschichte ist keine außergewöhnliche – und gerade deshalb so exemplarisch. In seiner Heimat arbeitete er als Verkäufer in einem Baumarkt, später als Monteur für Kühlgeräte. Gelernt hat er eigentlich Buchhalter. Doch wie so oft passte Ausbildung und Arbeitsrealität nicht zusammen. In Deutschland musste er neu anfangen. Und lernen, dass vieles anders funktioniert. „Wir sind neu hier und wissen nicht, wie man am besten eine neue Arbeit findet“, sagt er. Was in der Ukraine über persönliche Kontakte lief, funktioniert hier strukturierter – und oft auch distanzierter.
Das Projekt in Eiterfeld wurde für ihn zur Brücke. Er lernte den Bewerbungsprozess kennen, übte Gespräche, verbesserte seine Sprachkenntnisse. Und er fand etwas, das sich nicht messen lässt: Anschluss. Neue Kontakte, neue Perspektiven, ein Gefühl von Zugehörigkeit. Noch bevor das Projekt offiziell endete, hatte er seinen Platz gefunden. Seit September arbeitet er in Vollzeit als Hausmeister und Lagerarbeiter bei Geflügel Petersen in Mackenzell. Die Bewerbung schrieb er während des Projekts – die Zusage kam schnell. „Die Vorbereitung war einfach gut“, sagt er. „Ich wusste, welche Fragen kommen können.“ Ein Vorteil, der für viele selbstverständlich klingt – für ihn war er entscheidend.
Heute beschreibt er seine Arbeit mit sichtbarer Zufriedenheit: Er repariert, arbeitet mit Holz und Metall, verdient eigenes Geld. Und er lernt jeden Tag dazu – auch sprachlich. „Die Abläufe sind neu, aber die Arbeit macht mir wirklich großen Spaß.“ Es ist ein Satz, der hängen bleibt. Weil er zeigt, worum es im Kern geht.
Auch Bürgermeisterin Dana Hauke sieht in dem Projekt mehr als nur Arbeitsvermittlung. Es gehe darum, dass Menschen sich in Eiterfeld wohlfühlen, hier bleiben wollen, Teil der Gemeinschaft werden. Integration, die nicht als Konzept daherkommt, sondern im Alltag passiert. Familie Bohoiev hat diesen Platz offenbar gefunden. Seit drei Jahren lebt sie in Eiterfeld – und möchte bleiben. Vielleicht ist das die eigentliche Bilanz dieses Projekts: nicht nur Zahlen, nicht nur Vermittlungen. Sondern Geschichten von Menschen, die angekommen sind. +++

Hinterlasse jetzt einen Kommentar