„Eiserne Jungfrau“ reist aus dem Harz in die Rhönstadt Tann

Vier Schülerinnen spenden ein selbstgebautes Exponat

Bis zum Juli kommenden Jahres macht die „Eiserne Jungfrau“, die jüngst von Erbauerin Johanna Hartung (2. von rechts) und ihren Großeltern an Manfred Dehler (2. V. links) übergeben wurde, dem berühmten Elch im Tanner Naturmuseum Konkurrenz. Foto: Sandra Limpert

Just zu dem Zeitpunkt, als in der Stadt Tann die Vorbereitungen für eine Ausstellung zum Thema Hexenverfolgung laufen, erhält Michael Zörgiebel, der Leiter der Tourist-Info, das Angebot für eine nachgebaute „Eiserne Jungfrau“. Dabei handelt es sich um ein Hinrichtungs- und Folterinstrument in Form eines engen Kastens, das innen mit Nägeln oder Dornen beschlagen war. Da die Eiserne Jungfrau zum Inbegriff mittelalterlicher Foltermethoden geworden ist, kam das Exponat dem Ausstellungsorganisator Manfred Dehler gerade recht, um es in dem Kapitel „Peinliches Verhör“ in die Präsentation einzubinden.

Tatsächlich jedoch gibt es keine Beweise für die Existenz „Eiserner Jungfrauen“; Geschichtswissenschaftler, so auch Dr. Kai Lehmann, Leiter des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, gehen davon aus, dass dieses Folterinstrument eher den Phantasievorstellungen der Menschen im 19 Jahrhundert entsprungen ist. Möglicherweise wurden Darstellungen von Schandmänteln oder -masken umgedeutet, die eine ähnliche Funktion wie ein Pranger besaßen. Eine Nachbildung des Schandhemdes von Veringenstadt, das die Delinquentin während Verhör und Folterung hatte tragen müssen, wird in der Ausstellung ebenfalls gezeigt.

Der Nachbau der 100 Kilogramm schweren Eisernen Jungfrau aus Holz erfolgte von vier Mädchen einer zehnten Abschlussklasse der Regelschule in Leinefelde-Worbis im Harz als schulische Projektarbeit zum Thema „Hexenverfolgung der frühen Neuzeit“. Johanna Hartung, eine der Erbauerinnen, deren Vater – ein Dachdeckermeister – die Jugendlichen tatkräftig unterstützt hatte, lieferte jüngst mit Hilfe ihrer Großeltern das gestiftete Exponat im Anhänger ins 120 Kilometer entfernte Rhönstädtchen. Zum Dank erhielt die Abordnung nicht nur ein Mittagessen in einem Tanner Gasthaus, sondern auch einen ersten Einblick in die zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau befindliche Ausstellung. Am gestrigen Mittwoch wurde mit Hilfe der Von-Galen-Schule Eichenzell ein Scheiterhaufen in Originalgröße errichtet.

„Da wurde früher viel Schindluder getrieben“, kommentierte Brunhilde Hartung mit Empörung. Bisher war sie vor allem bei der Lektüre historischer Romane auf das Thema gestoßen. „Mir sind viele Aspekte begegnet, die wir auch in unserer Abschlusspräsentation vor dem Prüfungskomitee aufgegriffen hatten“, berichtete ihre Enkelin. Nach einem halben Jahr intensiver Auseinandersetzung mit dem Hexenwahn lobte diese angesichts der Verhör- und der Kerkerszene: „Das ist super! Sehr gut getroffen.“ Besonders interessierte sich die Schülerin für das in Plakatform dargestellte Einzelschicksal Lena Günzlins, einer „Hexe“ aus Schmalkalden, die nach längerem Prozess mit Verurteilung und Revision mit Freispruch tragischerweise am Ende doch hingerichtet wurde. Die Plakate, auf denen der Verfahrensverlauf dargestellt ist, entstammen einer Ausstellung zu dem Thema, die das Museum Schloss Wilhelmsburg vor zehn Jahren veranstaltet hatte.

„Das schaue ich mir am 9. Juli genauer an“, hat Johanna Hartung sich vorgenommen. Denn die vier Stifterinnen der Eisernen Jungfrau sind an jenem Tag zur offiziellen Eröffnung eingeladen. Diese findet um 15 Uhr in der Tanner Rhönhalle statt. Anschließend gehen die geladenen Gäste und interessierten Besucher ins nahe gelegene Naturmuseum, wo die fünfte Präsentation aus der Reihe „Geschichte erleben“ bis zum Juli nächsten Jahres zu sehen sein wird. +++ sli

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