Eine Geschäftsübernahme für die Geschichtsbücher

Wirtschaftsförderer Uwe Eifert, Leonhard Bauer, Dieter Bauer, Tanja Bauer, Bürgermeister Stephan Paule, Ehepaar Engels (Immobilieneigentümer), Dieter Lang und Barbara Schönenberger (bisherige Betreiber) (v.li.). Foto: Stadt Alsfeld

Das historische Alsfeld wird zur Bühne für eine Traditionsgeschichte, wie sie selbst in einer Stadt mit reicher Vergangenheit Seltenheitswert hat. Mitten am Marktplatz, im Herzen der Altstadt, erhält das über 200 Jahre alte Traditionsgeschäft Carl Ramspeck eine neue Zukunft – und die hat es in sich: Ein Familienunternehmen mit 450-jähriger Geschichte übernimmt. Es ist die 15. Generation, die nun Verantwortung trägt.

„Das trifft Alsfeld im doppelten Wortsinne im Herzen“, sagte Bürgermeister Stephan Paule sichtlich erfreut bei der offiziellen Vorstellung der neuen Betreiber. Dass sich überhaupt eine Nachfolge im stationären Handel finde, gleiche heute oft schon der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Eine derartige Verbindung zweier Traditionslinien zu schaffen, ist darüber hinaus wie ein Sechser im Lotto für Alsfeld“, so Paule.

Monatelang war nach einer Lösung gesucht worden. Für das Traditionsgeschäft Ramspeck, das seit über zwei Jahrhunderten das Bild der Innenstadt prägt, sollte ein neuer Betreiber gefunden werden. Barbara Schönenberger und Dieter Lang, die das Geschäft bislang führten, ziehen sich aus Altersgründen zurück. Gemeinsam mit den Immobilieneigentümern und der Wirtschaftsförderung der Stadt wurde nichts unversucht gelassen – von klassischen Wegen bis hin zu Aufrufen in Radio und Fernsehen.

Am Ende war es eine bereits bestehende Geschäftsbeziehung, die den entscheidenden Impuls gab. Die Töpferei Bauer aus Lauterbach, selbst ein Familienunternehmen mit 450 Jahren Geschichte, übernimmt das Geschäft. Für Immobilieneigentümer Andreas Engels ist die Dimension dieser Entwicklung kaum zu übersehen: „Man muss sich das mal vorstellen – hier vereinen sich heute über 650 Jahre Tradition.“

Für die Kundinnen und Kunden soll sich dabei weniger ändern, als man vermuten könnte. „Das Grundkonzept des Erlebnisgeschäftes Ramspeck soll erhalten bleiben und die Mitarbeiter übernommen werden“, betont Tanja Bauer. Ein Aspekt, der auch Barbara Schönenberger besonders wichtig ist. „Dieser Laden hat eine Seele“, sagt sie, „und diese wird maßgeblich durch das eingebrachte Herzblut der motivierten Mitarbeiter in unserem Betrieb gespeist.“

In genau diesem Verständnis sehen sich alte und neue Betreiber eng verbunden. Die Töpferei Bauer ist nicht nur in Lauterbach verwurzelt, sondern auch überregional präsent – mit einem Geschäft in der Frankfurter neuen Altstadt und regelmäßigen Auftritten auf großen Märkten, insbesondere zur Weihnachtszeit. Tradition und gelebtes Handwerk stehen dabei seit jeher im Mittelpunkt.

Dass diese Tradition fortgeführt wird, ist bereits gesichert. Mit Leonhard Bauer steht der nächste Schritt innerhalb der Familie schon fest. Ganz im Sinne der überlieferten Struktur ist er als Nachfolger für Dieter und Tanja Bauer vorgesehen und bringt sich bereits aktiv ein.

In den kommenden Monaten soll die Übergabe nahtlos erfolgen. Viel Zeit zum Innehalten bleibt nicht, doch die Vorfreude ist auf allen Seiten spürbar. Eine offizielle Feier für die Kundschaft ist für die Sommermonate geplant – dann dürfte die besondere Verbindung zweier Traditionslinien auch öffentlich gebührend gewürdigt werden. +++


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