
Vor dem Hintergrund des in Mannheim bei einem mutmaßlich islamistisch motivierten Messerangriff getöteten 29-jährigen Polizeibeamten Rouven Laur wurde heute in Fulda eine Mahnwache abgehalten und in einem breiten Bündnis bestehend aus den Berufsverbänden Gewerkschaft der Polizei (GdP), Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und etlicher Rettungs- und Hilfsorganisationen ein Zeichen der Solidarität mit den Angehörigen des Getöteten sowie allen Blaulicht-Organisatoren gesetzt. Zur Mahnwache aufgerufen hatte der CDU-Kreisverband Fulda, der Unterstützung des Landkreises, des Unterbezirks der SPD Fulda, der Freien Demokraten aus Stadt und Landkreis sowie von Bündnis 90/DIE GRÜNEN aus Stadt und Landkreis erfuhr.
MdL Thomas Hering, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, Mitglied der CDU-Stadtverordnetenfraktion und Vorsitzender des Innenausschusses im Hessischen Landtag, dankte heute den zahlreich auf dem Borgiasplatz Fulda Erschienenen. „Baden-Württembergers Ministerpräsident, Winfried Kretschmann (Grüne), hat es wunderbar in Worte gefasst: Die Polizistinnen und Polizisten in unserem Land stellen sich tagtäglich in den Dienst unserer Gemeinschaft und unserer Demokratie. Wer Polizisten angreift, greift unseren demokratischen Rechtsstaat an.“ „Die Einsatzkräfte, sie alle haben unseren Respekt und unsere Anerkennung verdient“, so Kreisvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der Freien Demokraten im Kreistag des Landkreises Fulda, Mario Klotzsche, heute in Fulda. „Für Gewalt an Einsatzkräften gibt es keine Entschuldigung. Es gibt in diesem Land viele Protestformen, die den Boden unseres Grundgesetzes verlassen und dies muss man auch klar benennen. Man darf im Rechtsstaat seine Meinung frei äußern, aber man muss sich an Recht und Gesetz halten; und wenn diejenigen, die unsere Gesetze schützen, angegriffen und zum Opfer werden, dann läuft etwas falsch in diesem Land. Gewalt gegen Einsatzkräfte ist kein neues Phänomen, deshalb muss der Schutz unserer Einsatzkräfte eine deutlich höhere Priorität bekommen.“
Für die Grünen aus Stadt und Landkreis sprach Marie-Louise Puls, 1. Vorsitzende des Fuldaer Kreisverbandes von Bündnis 90/DIE GRÜNEN und Sprecherin: „Rouven Laur war ein Verfechter der Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Sein Tod trifft uns alle tief, unsere Gedanken sind bei seiner Familie und Freunden, seinen Kolleginnen und Kollegen. Rouven Laur hat den Beruf des Polizisten gewählt und so sein Leben dem Schutz unserer Gemeinschaft gewidmet. Er stand für die Prinzipien ein, die das Fundament unserer Demokratie bilden. Er zeigte uns allen, was es bedeutet, mit Mut und Integrität zu handeln. Es ist tragisch und zugleich ernüchtern, dass wir Rouven Laur vermutlich nie bewusst wahrgenommen hätten, wenn er nicht im Dienst der Demokratie ermordet worden wäre. Wir wären heute nicht hier alle versammelt, um ihn zu ehren und zu betrauern. Liebe Polizisten, liebe Einsatzkräfte, ich möchte Ihnen heute meinen tiefsten Dank und meine Anerkennung aussprechen. Ihre tägliche Arbeit ist ein Dienst an der Demokratie und den Grundrechten eines jeden Einzelnen von uns. Sie setzten sich unermüdlich dafür ein, dass wir in einer Gesellschaft leben können, die von Frieden und Sicherheit und Gerechtigkeit geprägt ist; Ihr Einsatz ist unverzichtbar und wir schulden Ihnen allen unseren allergrößten Respekt und unsere Dankbarkeit.“
Michael Busold, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion und Vorstandsmitglied des SPD Unterbezirks Fulda: „Wir haben uns heute hier versammelt, um eines tragischen Vorfalls zu gedenken, der uns alle zutiefst erschüttert hat. Der Mord an Rouven Laur hat uns mit Trauer und Bestürzung erfüllt. Dieser feige und sinnlose Akt der Gewalt hat ein unschuldiges Leben gefordert und eine Familie in unermessliches Leid gestürzt. Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei Rouvens Familie und seinen Freunden und Kollegen. Ihnen allen gilt unser Beileid und unsere Solidarität. Die mutige Arbeit der Polizei und aller Sicherheitskräfte verdient unseren größten Respekt und unsere Anerkennung – und das nicht nur hier und heute und aus einem traurigen Anlass, sondern jeden Tag! Jeden Tag setzen sich Frauen und Männer in Uniformen für unsere Sicherheit ein; oft unter gefährlichen und schwierigen Bedingungen. Sie schützen unsere Freiheit, unser Leben und unsere Demokratie. Sie stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, Recht und Ordnung zu gewährleisten. Ihr Einsatz und Mut sind unverzichtbar für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Als Demokraten sind wir uns bewusst, dass wir in politischen Fragen auch unterschiedliche Ansichten haben können. Diese Vielfalt an Meinungen und der offene Austausch darüber, sind das Fundament unserer demokratischen Gesellschaft. […] Wir lassen nicht zu, dass Terror und Gewalt unsere demokratischen Werte untergraben und schon gar nicht durch diejenigen, die die Grundwerte unserer Demokratie verachten.“
Thomas Hering MdL: „Fassungslos und in tiefer Trauer stehen wir hier zusammen. Das darf sich nie wiederholen. Der Tod von Rouven Laur muss uns eine Mahnung sein. Doch das, wofür der junge Polizist eingetreten ist und sein Leben lassen musste, das geht viel weiter und beginnt sehr viel früher… Diese Mahnwache heute macht nur dann Sinn, wenn wir mehr aus ihr ziehen als nur bloßes Trauern und Mahnen. Wir müssen einen Blick auf unsere Polizistinnen und Polizisten haben und sie bewusst und das, wofür sie einstehen, wahrnehmen. […] Viele Eskalationen sind auf Integrationsdefizite zurückzuführen. Das müssen wir so klar benennen dürfen. Hier hat der Staat noch eine große Aufgabe vor sich und auch die Gesellschaft.“
Für die Bezirksgruppe Osthessen der Gewerkschaft der Polizei sprach Karsten Bech. Bech verwies darauf, dass sich die Angriffe auf die Polizei und Einsatzkräfte mehrten. In Hessen sei die Anzahl der Angriffe von 4.000 längst überschritten, und auch in Osthessen nehme die Anzahl der Widerstände gegenüber Polizeibeamten zu. Eine Abkehr vom Polizeidienst in Folge von Angriffen und Verletzungen seien keine Seltenheit. Für die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach Jaochim Nophut, der auch Mitglied des Polizeipräsidiums Osthessen ist. „Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft verurteilt diese schreckliche Tat von Mannheim. Ich selbst bin Angehöriger des Polizeipräsidiums Osthessen und fühle mich über meine Kollegen mit Rouven verbunden. Die ganze Familie der Polizei trauert um Rouven. Er war einer von uns! Dieser Tat darf nicht ungesühnt bleiben. Der Täter muss mit allen verfügbaren rechtlichen Mittel zur Verantwortung gezogen werden. Dieser Tat war auch ein feiger Angriff auf unsere freiheitlich-demokratischen Werte. Eine Verschärfung des Waffenrechts und Verbote von Messern oder anderer tattauglicher Gegenstände auf öffentlichen Veranstaltungen ist vielleicht ein Anfang für eine Diskussion über ein Verhindern solch feiger Taten. In Mannheim ist ein Mensch, der anderen Menschen helfen wollte, gestorben. Das darf sich nicht wiederholen. Unser Mitgefühl ist bei Rouvens Familie, seinen Angehörigen, Freunden und Kollegen.“
Für den Bezirksverband Osthessen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter sprach Alexander Remme. „Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Ihr Erscheinen zeigt mir, dass Solidarität nicht nur ein Wort ist, sondern durch aktives Handeln getragen wird. Mit Fassungslosigkeit habe ich in den Abendstunden des 31. Mai vom heimtückischen Messerangriff auf einen jungen Polizisten der Mannheimer Polizei erfahren. Am 2. Juni dann die Gewissheit. Ein junger Mensch, ein Repräsentant unseres Staates wurde durch ein heimtückisches und niederträchtiges Verbrechen, einen Mord, aus dem Leben gerissen. Er war Polizist, einer von uns – und ebenso ein Mitglied unserer auf den Idealen einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft basierenden Ordnung. An jenem Tag schütze dieser Mensch unsere Werte, nämlich das Recht auf freie Meinungsäußerung als wichtige Säule einer freiheitlich demokratischen Gesellschaftsordnung. Wir haben uns heute hier versammelt, um ein Zeichen der Solidarität gegen die spürbare Zunahme der Gewalt an unseren Einsatzkräften zu setzen. Wir vom Bund Deutscher Kriminalbeamter setzen uns für die Interessen aller Polizeibeschäftigten ein und werden auch weiterhin für unsere Forderungen im Gesetzgebungsverfahren eintreten.“
Ebenso heute bei der Mahnwache präsent war auch der Präsident des Polizeipräsidiums Osthessen (PPOH), Michael Tegethoff. „Als Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Osthessen freue ich mich, auch wenn es ein sehr trauriger Anlass ist, der uns heute hier zusammenkommen lässt, dass so viele Menschen heute hier zusammengekommen sind. Es ist ein starkes Zeichen der Solidarität, welches heute hier aus Fulda gesetzt wird. Rouven Laur, 29 Jahre, ist durch einen brutalen Messerangriff zu Tode gekommen. Die gesamte Polizeifamilie ist tief betroffen und trauert mit den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg. Ich möchte nicht in die Situation meines Amtsbruders in Mannheim kommen und mit so einem schrecklichen Ereignis umgehen. Mittlerweile haben wir auch in Osthessen ein hohes Niveau an verbalen – aber auch körperlichen Angriffen zu verzeichnen. Im Jahr 2023 hatten wir fast jeden zweiten Tag einen Angriff auf einen Polizeibeamten zu verzeichnen (insgesamt 274 Geschädigte aus allen Bereichen der Rettungs- und Einsatzkräfte sowie Feuerwehren). Unsere Einsatzkräfte schützen jeden Tag uns und unsere Werte, unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat und die Freiheit, in der wir jetzt schon so lange leben durften. Jeder Angriff auf eine Einsatzkraft ist auch ein Angriff auf unseren Rechtsstaat.“ Den anwesenden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, Rettungs- und Einsatzkräften rief der Polizeipräsident Tegethoff vom Podest aus zu: „Passt bitte immer gut auf Euch auf.“
Für die gesamten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Landkreis Fulda und die kommunale Familie sprach der Landrat des Landkreises Fulda, Bernd Woide (CDU). Woide verurteilte die abscheuliche Tat von Mannheim. „Die besondere Tragik dieser Tat wird deutlich, wenn wir uns vor Augen führen, dass der Täter ein Mensch war, der zu uns gekommen ist, weil er Sicherheit suchte. Diese ungeheuerliche Tat lässt uns fassungslos zurück.“ Nach dem Fuldaer Landrat sei es unzureichend, den Staat vor dem Hintergrund des Geschehenen in Mannheim in die alleinige Verantwortung zu nehmen. Wir alle als Gesellschaft seien gefordert. Dies sei seiner Meinung nach die zentrale Botschaft, die von der heutigen Mahnwache ausgehen müsse und sollte. Religiös begleitet wurde die Mahnwache durch den Stadtpfarrer und Dekan Stefan Buß von der Katholischen Innenstadtpfarrei Fulda und den stellvertretenden Dekan Marvin Lange vom Evangelischen Kirchenkreis Fulda. Etwa 600 Menschen waren dem Aufruf zur Solidaritäts-Mahnwache auf den Fuldaer Borgiasplatz gefolgt. +++ jessica auth
