Ein Schulfach fürs Leben: Fuldaer Privatschule schließt eine Lücke beim Umgang mit Geld

Jonas Martin vom Akademischen Börsenkreis, Monika Jordan, Vorstandsvorsitzende Dr. Jordan, Katharina Weber-Betz von der AWO, Sophia Will und Denise Ruch von der der Sparkasse und Franco Gargano. (v.l.)

Neuer Mann, klare Ansage – und ein Thema, das lange unter dem Radar lief: Das Fuldaer Bildungsunternehmen Jordan hat mit Franco Gargano einen neuen Direktor, und der tritt nicht leise an. Er bringt ein Fach mit, das vielen gefehlt hat – und das jetzt genau dort ansetzt, wo Schule bislang auffällig still war.

Denn die Lücke ist offensichtlich, auch wenn sie selten so klar benannt wird. Schülerinnen und Schüler können rechnen, interpretieren, analysieren – aber wenn es ums Geld geht, wird es plötzlich dünn. Genau hier setzt Gargano an. Für ihn ist das kein Nebenschauplatz, sondern ein echtes Problem.

Franco Gargano

Ab dem Schuljahr 2026/27 wird deshalb an der Privatschule Jordan ein neues Kapitel aufgeschlagen: „Financial Education“ kommt fest in den Stundenplan. Zwei Stunden pro Woche, verpflichtend – von der achten Klasse bis zur Jahrgangsstufe 12 im beruflichen Gymnasium. Kein Projekt auf Zeit, keine lockere Ergänzung, sondern ein durchgehendes Fach mit klarer Linie. In dieser Form ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Gargano macht keinen Hehl daraus, wie ernst es ihm ist. Für ihn ist das Thema eine Herzensangelegenheit. Seit Jahren stellt er sich die gleiche Frage: Warum verlassen junge Menschen die Schule, ohne zu wissen, wie sie mit Geld umgehen sollen? Für ihn ist das ein Versäumnis, das man nicht länger ignorieren kann. Schließlich dreht sich im Alltag vieles genau darum.

Und genau da setzt das neue Fach an. Es geht um Sparen, um Kredite, um Versicherungen, um Vorsorge – also um das, was draußen im echten Leben zählt. Nicht als trockene Theorie, sondern als praktische Orientierung. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Entscheidungen zu treffen – bewusst, eigenständig, mit einem klaren Blick für Konsequenzen.

Denn die Realität holt viele schneller ein, als gedacht. Vor allem in sozialen Medien ist der Druck groß: Angebote, Konsum, schnelle Versprechen. Alles wirkt einfach, alles greifbar. Doch das nötige Wissen fehlt oft. Dass das Folgen hat, zeigt auch die Studie „Jugend in Deutschland 2025“: Rund ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen hat bereits Schulden. Eine Entwicklung, die früh beginnt.

Auch im Unterricht selbst geht die Schule neue Wege. In der Mittelstufe wird das Fach eng mit Politik und Wirtschaft verzahnt, in der Oberstufe steht es stärker auf eigenen Beinen. Unterrichten werden Lehrkräfte mit wirtschaftlichem Hintergrund – doch entscheidend ist mehr als nur das Studium. Es geht darum, Inhalte auch überzeugend zu vermitteln.

Besonders wichtig: der Blick in die Praxis. Externe Referenten sollen regelmäßig in den Unterricht kommen – aus Banken, von der Börse, aus der Schuldnerberatung oder der Rechtswissenschaft. Sie bringen echte Erfahrungen mit, konkrete Beispiele, Geschichten, die hängen bleiben.

Und genau solche Geschichten machen deutlich, worum es geht. Etwa die Schülerin, die innerhalb weniger Monate ihr über Jahre erspartes Geld komplett ausgab. Kein Plan, kein Überblick – und am Ende nichts mehr da. Kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal.

Doch damit nicht genug. In Fulda wird bereits weitergedacht. Finanzielle Bildung könnte künftig schon in der Grundschule beginnen. Erste Überlegungen laufen, Anfragen gibt es bereits. Die Idee ist klar: früh anfangen, konsequent dranbleiben.

Gleichzeitig bleibt ein Faktor, den Schule nicht ersetzen kann: das Elternhaus. Hier wird der Umgang mit Geld geprägt, oft nachhaltiger als im Unterricht. Schule kann Impulse geben, Orientierung schaffen – aber nicht das Vorbild zu Hause ersetzen.

Trotzdem gilt für Gargano: Irgendwo muss man anfangen. Und genau das passiert jetzt. Financial Education wird benotet, es gibt Klassenarbeiten, das Fach steht im Zeugnis – auch ohne Einfluss auf die Abschlussnote. Ein klares Zeichen, dass es ernst gemeint ist.

Was hier entsteht, ist mehr als ein neues Unterrichtsfach. Es ist ein Versuch, eine alte Lücke endlich zu schließen. Schritt für Schritt, Jahrgang für Jahrgang. Oder, ganz einfach gesagt: Ein Thema, das lange liegen geblieben ist – und jetzt endlich angepackt wird.

Im Anschluss an die Pressekonferenz wurde es dann noch einmal konkret – und deutlich lebendiger. In einem offenen Talk mit Schülerinnen und Schülern ging es genau um das, worum sich alles dreht: den eigenen Umgang mit Geld. Fragen wurden gestellt, Unsicherheiten ausgesprochen, Erfahrungen geteilt. Es war kein Vortrag mehr, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Und genau da zeigte sich, wie groß der Bedarf ist – und wie wichtig es ist, das Thema nicht nur anzukündigen, sondern tatsächlich in den Alltag der Schule zu holen. +++

Im Anschluss an die Pressekonferenz gab es noch einen Talk mit Schülern über das Thema.

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