„Ein großer Mann geht – Danke, Eberhard“

Hünfeld. In Hünfeld ist am gestrigen Abend eine Ära zu Ende gegangen. Nach 36 Jahren ist Dr. Eberhard Fennel (CDU) mit viel Beifall und lobenden Worten aus dem Amt verabschiedet worden. Fennel, der Hünfeld in vielfältiger Weise geprägt hat, ist zum Ehrenbürger und Ehrenbürgermeister der StadtHünfeld ernannt worden. Rund 600 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren nach Hünfeld ins Kolpinghaus gekommen, um beim Abschied des charismatischen Politikers dabei zu sein.

Der 65-jährige Jurist wurde erstmals im März 1978 zum Bürgermeister von Hünfeld gewählt. Zuvor hatte sich Fennel bereits als Stadtverordneter in seiner Heimatstadt engagiert und war zudem als Kreistagsabgeordneter in Fulda tätig. Ebenfalls im Jahr 1978 begann der dreifache Vater sich für den Hessischen Städtetag einzusetzen. Bis heute amtiert Eberhard Fennel als Vizepräsident des Verbandes. Der scheidende Bürgermeister ist zudem Mitglied in zahlreichen Vereinen seiner Heimatstadt, darunter die Freiwillige Feuerwehr Hünfeld-Mitte, der Reit- und Fahrverein Hünfeld sowie die Hünfelder Kultur- und Museumsgesellschaft.

Aus den Händen des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier erhielt Fennel die Freiherr-vom-Stein-Plakette. Der Regierungschef erklärte: „Die Stadt Hünfeld hat 36 Jahre lang immer wieder denselben Mann zum Stadtoberhaupt bestimmt. Dr. Eberhard Fennel hat als Bürgermeister seiner Geburtsstadt eine Ära geprägt.“ Nur wer auf die Menschen zugehe, den Kontakt zu seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern suche und mit Augenmaß und Vernunft entscheide, könne solch eine Bilanz vorweisen. „Nicht allein die Stadt Hünfeld und ihre Bürgerinnen und Bürger, auch das Land Hessen verdankt ihm viel. Dr. Eberhard Fennel hat sich um die Kommunalpolitik verdient gemacht. Besonders ist auch sein jahrzehntelanges, herausragendes und überregionales Wirken für die Kommunen im Hessischen und Deutschen Städtetag zu würdigen. Es ist für mich eine Freude, ihm die Freiherr-vom-Stein-Plakette zu überreichen“, so der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Fuldas Oberbürgermeister und Städtetagspräsident Gerhard Möller sagte in seiner Laudatio: „Als Bürgermeister des Mittelzentrums Hünfeld hinterlässt Fennel eine Lücke in unserer Verbandsarbeit, die lange Zeit spürbar bleiben wird. Diese Feststellung wird häufig floskelhaft verwandt, hier aber wird sie Realität. Eberhard Fennel hat sich wie kaum ein anderer Kommunalpolitiker über eine so lange Zeit in die Arbeit des Städtetages eingebracht – nicht zuletzt in der Funktion des langjährigen Vize-Präsidenten. Eberhard Fennel hat diesen Titel nicht als gern gesehene Dekoration für die Wirkung nach außen verstanden, nein, diese Funktion war und ist ihm bis zum letzten Arbeitstag Verpflichtung gewesen. Akribisch bis ins Detail, fundiert mit jahrzehntelanger Erfahrung, kenntnisreich in allen Querbezügen, vernetzt in die Abteilungen und Referate der Ministerien hat er für die Interessen der Städte gestritten – nachhaltig und besonders als Anwalt der Mittelzentren und des ländlichen Raums. Kein Termin war ihm zu eng und keine Fahrt zu lang, um für kommunale Interessen zu streiten: ja, nicht nur freundlich auf die Betroffenheit der Kommunen hinzuweisen, sondern auch in der Sache. Und das war nicht zu gering und zu wenig, heftig zu streiten, sich auch mit hochrangigen Repräsentanten des Landes, den Staatssekretären, Ministern und auch den Ministerpräsidenten eingeschlossen, anzulegen – häufig und auch langfristig erfolgreich. Er hat es geschafft, sich bei unterschiedlichen Finanzministern mit Beispielsrechnungen so einzubringen, dass der Vergleich der ähnlich großen Kommunen Hünfeld und Künzell landesweit immer wieder so präsent war, dass daraus in der ersten FAG-Reform bleibende Veränderungen sichtbar wurden“.

Fennel sagte bei seiner Verabschiedungsfeier, dass die 36 Jahre seiner Amtszeit eigentlich wie im Fluge vorbeigegangen seien. „Fertig geworden bin ich nicht, aber das wird man als Bürgermeister nie“, betonte der Überzeugungstäter Fennel. Den Blick auf seine Amtszeit gerichtet unterstrich Fennel: „Das Wohl seiner Heimatstadt war immer Maßstab seines Handelns.“ Seiner Frau Rita sprach Fennel einen besonderen Dank aus. Hünfelds neuer Bürgermeister Stefan Schwenk (CDU) bescheinigte Fennel, dass er ein wohl bestelltes Haus hinterlasse. „Dass Amt des Bürgermeisters der Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld ist erheblich schwieriger, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte, es ist unglaublich vielfältig und erfordert, dass man mit ganzem Herzen und ganzem Verstand dabei ist. Mehr als eine Generation Hünfelder kennen keinen anderen Bürgermeister als Dr. Eberhard Fennel, und auch wenn man sich mit Menschen außerhalb Hünfelds unterhält, Hünfeld und Dr. Fennel das gehört im Bewusstsein irgendwie zusammen“, so Schwenk.

Der Bürgermeister von Hünfelds französischer Partnerstadt Landerneau, Patrick Leclerc, lobte Fennel als „unermüdlichen Motor“ der Städtepartnerschaft. „Für mich als Franzosen repräsentiert Eberhard Fennel sowohl die Versöhnung als auch den unerschütterlichen Willen, vorwärtszugehen, selbst unter widrigen Umständen. Dieser Charakterzug besagt, dass man sich niemals besiegt gibt und in jeder Sache noch etwas Positives sieht. Eberhards Botschaft ist kraftvoll. Er ist ein Visionär. Er will eine Gesellschaft formen, in der jeder eine Chance hat, eine solidarische und offene Gesellschaft, die Verantwortlichkeit verlangt, die freie Entscheidung zulässt, die das Individuum nicht erstickt. Diese Gesellschaft findet ihr Gleichgewicht im Vertrauen, dass die Jugend in die Weisheit und Erfahrung der Älteren hat und wenn sich die Vermittlung des Wissens zwischen den Generationen auf natürliche Weise vollzieht. Es ist eine gerechte und harmonische Gesellschaft, in der jeder seinen Platz findet. Das hat Eberhard Fennel gefördert. An diese Rolle, die er als Bürgermeister von Hünfeld in der Partnerschaft innegehabt hat, werde ich gern denken“, so Leclerc.

Die Laudatio auf Fennel hielt Hünfelds Erste Stadträtin Monika Mihm (CDU). Angelehnt an Max Weber zitierte Mihm: „Mit Leidenschaft hast du dich für unsere Stadt und die Stadtteile – für die Menschen – eingesetzt. Mit Augenmaß hast du stets vorausschauend die richtigen Weichen für die Entwicklung unserer Stadt Hünfeld gestellt. Mit Verantwortungsgefühl hast du die Geschicke unserer – deiner – Stadt gelenkt.“ Mihm schloss ihre Laudatio mit den Worten: „Eine Ära geht zu Ende, ein großer Mann geht – Danke, Eberhard.“

Gegen 23.00 Uhr war es dann so weit und die Amtskette wurde an den Nachfolger Stefan Schwenk übergeben. Weitere Festredner mit viel lobenden Worten waren: Bernd Woide, Landrat des Kreises Fulda, Karl-Josef Schwiddessen, Vorsitzender der Bürgermeister-Kreisversammlung und Dr. Friedericke Lang, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Hünfeld. Den musikalischen Rahmen bildeten die Brass Brothers, die Stadtkapelle Hünfeld unter Leitung von Amand Glotzbach und der Bläserchor Tonica Mackenzell. Zum musikalischen Empfang spielten vor der Stadthalle die Jagdhornbläser des Jagdvereins Diana. +++ fuldainfo

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Letzte Aktualisierung: 03.10.2022, 05:22 Uhr
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