Ein großer Erfolg für die Aktion „Hetzen für Flüchtlinge“

Teamwochenende Foto: Jochen Schiersch

Fulda. „Ein bisschen mulmig war uns schon Zumute“, erzählt Miriam Förstle von der Fuldaer Initiative „Welcome In“. Bei der Demonstration der ultrarechten Partei „Der dritte Weg“ in Fulda am 26. August standen die etwa 90 Demonstranten plötzlich vor dem mühe- und liebevoll eingerichteten Begegnungs- und Kulturzentrum der Initiative, dem „Welcome In Wohnzimmer“ in der Robert Kircher Straße. Das „Wohnzimmer“ wird von etwa 100 Freiwilligen aus vielen Ländern, von denen über die Hälfte selbst als Flüchtlinge nach Fulda gekommen sind, organisiert. Die Ehrenamtlichen beschlossen spontan, den Raum geschlossen zu lassen, um zu deeskalieren und die Situation nicht weiter aufzuheizen. Und so kam das „Wohnzimmer“ mit ein paar geschmacklosen Flyern im Briefkasten davon. Doch im Nachhinein erwies sich die schwer zu ertragende Demonstration für das Welcome-In-Team als wahrer Geldsegen – Dank des kreativen Widerstands der vielen Fuldaer Gegendemonstranten.

Im Vorfeld hatte sich aus deren Reihen die Initiative „Hetzen für Flüchtlinge“ gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die Demonstration des „dritten Wegs“ zu einem unfreiwilligen Spendenlauf zu Gunsten des Wohnzimmers umzufunktionieren. So kamen insgesamt 1.000 € zusammen. „Das ist für uns eine handfeste Überraschung, wir haben nicht damit gerechnet und freuen uns natürlich riesig!“, erzählt der Wohnzimmer-Projektkoordinator Jochen Schiersch. „Wir haben in unserem Team lange darüber nachgedacht, was wir mit dieser tollen Spende machen wollen. Und wir hoffen, dass wir eine Antwort gefunden haben, die ganz im Sinne der vielen Spenderinnen und Spender ist. Wir wollen zwei große Teamausflüge machen, um uns mit der jüngeren deutschen Geschichte zu beschäftigen.“, so Schiersch.

Mit einer ersten Aktion wollen die Ehrenamtlichen gemeinsam die Point-Alpha-Stiftung besuchen um sich mit der deutschen Teilung und der innerdeutschen Grenze auseinanderzusetzen. Dabei soll es eine Museumsführung, eine Grenzwanderung und ein Zeitzeugengespräch geben. In einem zweiten Schritt will das Team einen Ausflug zu einer Holocaust-Gedenkstätte organisieren, um sich die Folgen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft vor Augen zu führen. „Wir wollen lernen, was die Menschen hier erlebt haben, bevor wir hier waren, was sie denken und fühlen.“, erzählt Aghil Sharifi, der selbst aus dem Iran geflüchtet ist und sich seit mehr als einem Jahr für das „Wohnzimmer“ engagiert. „Ausflüge, wie diese, sind für uns sehr wichtig und wir freuen uns, dass wir uns das jetzt leisten können. Vielen Dank an alle, die gespendet haben!“ +++


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