Ein Abend des Teams. Ein Abend des Ruwen Filus

Ruwen Filus Foto: Dr. Stephan Roscher

Es ist oft so im Sport, dass das Team gewinnt. „Die Mannschaft sei der Star“, sagt man dann. Aber an diesem Abend in der Brügmann-Halle traf das auch auf Ruwen Filus zu. Mit 1:2 lag sein Team zurück in Dortmund – und Filus musste sein Spiel gewinnen gegen den Portugiesen Joao Geraldo. Keine leichte Aufgabe, zumal der erfahrene Geraldo Dima im Eröffnungseinzel zwei Sätze abgenommen und ihn in den Fünften gezwungen hatte. Beeindruckend aber tat Fiuls dies, er siegte glatt in Dreien. Und schuf die Grundlage für die Chance, den Sieg seines Teams im Doppel zu ziehen. Das gelang Dima Ovtcharov und Fanbo Meng ebenso eindrucksvoll – so dass ein 3:2 des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell in der Tischtennis-Bundesliga herauskam.

Dieser zweite Saisonsieg war grundlegend wichtig für das Team aus Osthessen. Für den Verein. Die Mannschaft. Die sich die Möglichkeit am Leben hielt, als Anwärter für die ersten vier Plätze der Bundesliga zu gelten. Auch für Ruwen Filus selbst war es wichtig. Obwohl er solche Momente zigfach erlebt hat in seiner Karriere. Immerhin steht er bereits in der 14. Saison für Fulda-Maberzell an der Platte. Und wieder einmal hat er nachdrücklich seinen Wert bewiesen. Doch lesen Sie die Geschichte des Abends von vorn in ihrer Entwicklung und Entstehung.

Dass Geraldo kein Kind von schlechten Eltern ist im Tischtennis, bewies er im Eröffnungseinzel gegen Ovtcharov. Und als der nach dem ersten auch den dritten Satz abgeben musste, kratzte sich so mancher Fuldaer Anhänger am Kopf. Dima schlug im Zweiten zurück, den er von oben herunterspielte, 6:3 und 9:5 führte – und beim 10:5 fünf Satzbälle hatte. 11:5 siegte er glatt. Der Dritte aber verlief eng. Verdammt eng. Und erstmals zog so richtig Spannung ein in die Brügmann-Halle. Dima führte schon mit 8:5, Geraldo aber war wie eine Klette – und glich gar aus. Ehe Dima beim 10:8 zwei Satzbälle hatte. Doch wieder kam der Portugiese. Beim 11:10 hatte Geraldo Satzball – Dima glich aus. Doch den zweiten nutzte Dortmunds Nummer Eins an diesem Tag. 13:11 für ihn.

Allerdings wäre Dima nicht er selbst, wenn er nicht gekonnt antworten würde. Keine Blöße gab er sich. Man hörte die besessene Reaktion fast bis in die Hubtex Arena. 4:1. 6:2, 8:4, 10:6 und vier Satzbälle – 11:7 ist der Endstand der schnellen Geschichte. Im „Decider“, wie es neudeutsch heißt, also dem Entscheidungssatz, setzte sich Dima in der Crunchtime von 6:6 bis auf 10:7 an. Gleich den ersten Matchball nutzt er. 1:0 für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell.

Ein Fünfsatz-Match war nicht genug für diesen Abend, an dem enge Vergleiche und Spannung in der Luft lagen. Der Schwede Kristian Karlsson und Ruwen Filus begegneten sich. Filus schnappt sich den Ersten klar, 7:1 liegt er schon vorn – und nachdem Karlson bis auf 5:7 herankommt, schlägt Ruwen zurück. 9:5 und 11:6 endet der Erste. Im Zweiten antwortet der Schwede mit demselben Ergebnis -11:6. Zu Beginn dieses Satzes geht er erstmals in diesem Match in Führung – ein wichtiges psychologisches Moment. Kämpft und setzt sich von 6:3 bis auf 9:5 ab. 1:1 nach Sätzen.

Im Dritten hat wieder Filus die Nase vorn. Und wie. 4:1, 5:2, 6:4, 9:6 – drei Satzbälle sind beim 10:7 der Lohn für seinen couragierten Auftritt. 11:8 lautet der Stand am Ende des Durchgangs. Schafft es Filus etwa in Vieren? Nein, Karlsson ist wiedererstarkt. Diesen Satz muss er auch gewinnen für den BvB, wenn sein Team in Schlagdistanz bleiben will. Gewänne Flilus, hieße es 2:0 für das Team aus Fulda. Ein erster Knackpunkt an diesem Abend. Von 5:5 zieht der Schwede weg – 11:5 und 2:2 nach Sätzen. Der Fünfte steht vor der Tür der Brügmann-Halle. Die Ausgangsposition ist fast identisch mit der vor dem Vierten. Karlsson macht satzübergreifend zehn Punkte in Folge. Bis zum 7:3. Beim 10:5 hat er fünf Matchbälle. 11:5. 3:2 nach Sätzen für den Schweden. 1:1 zwischen den Teams. Doch die Zeit des Ruwen Filus, der seinen Kontrahenten ja immerhin in Fünf gezwungen hat, sollte ja noch kommen.

Im Duell der „Dreier“ schlägt zunächst Fanbo Mengs Stunde. Dachte man. Vier verdammt enge Sätze werden es gegen Dortmunds junge Hoffnung Wim Verdonschot. Auf den verlorenen Ersten antwortet Fanbo und schnappt sich den Zweiten – mit 11:9. Im Dritten muss der Fuldaer in der Overtime abgeben – schmerzhaft. In seiner Entwicklung scheint sich die Hallendecke zu krümmen. Fanbo führt 6:4, 8:5 und 9:7. Verdonschot indessen kämpft um den Ausgang. Und holt sich den Durchgang noch mit 12:10. Auch der abschließende Vierte ist eng. Von 6:6 an geht der Dortmunder 8:6 in Führung. Und er gewinnt wieder knapp. Verdonschot gewinnt in Vieren. Fanbo Meng kämpft weiter um sein Einzel-Gesicht.

2:1 für den BVB. Ruwen Filus ist jetzt gefordert gegen Geraldo. Und der „Fuldaer“ erledigt seinen Job, als käme sein Auftritt einem Bewerbungsschreiben gleich. Schon in der jüngeren Vergangenheit schälte sich Ruwen Filus nach Dima als wichtigster Punkte-Sammler im Einzel heraus für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – und gegenwärtig stellt sich die Frage, was der Verein eigentlich ohne Ruwen Filus machen würde? Zurück zum Geschehen in Dortmund. Die Geschichte ist schnell erzählt. Filus siegt glatt in Dreien. Diese Leistung kommt einer kleinen Märchengeschichte der Tischtennis-Bundesliga und des Profisports gleich. Sieben, vier und neun Punkte kriegt Geraldo. Eng wird es nur im entscheidenden Dritten. 5:5 und 7:7 lauten die Zwischenstände. Und Filus‘ Nerven nicht von dieser Welt scheinen. Geraldo hat beim 10:8 schon zwei Satzbälle. Und wenn das Etikett „zurückschlagen“ seine Berechtigung hatte, dann jetzt. Filus macht vier Punkte ensuite und schnappt sich auch den Dritten. Mit 12:10. 2:2 im Gesamtstand beider Teams. Wieder einmal entscheidet das Doppel.

Der Ungar Adam Szudi und der Schwede Kristian Karlsson treffen auf das Fuldaer Duo Dima und Fanbo Meng, das durchaus schon bewiesen hat, dass es Doppel kann. Und die abschließende Auseinandersetzung wird zur deutlichen Episode am Schluss. Brillant ist der Auftritt des Fuldaer Formation. Dima und Fanbo siegen glatt in Dreien – und niemals gewinnt man den Eindruck, als hätte das Dortmunder Duo eine Chance gehabt. Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat das aus seiner Sicht durchaus wegweisende Duell mit 3:2 gewonnen – und Dortmund muss sich die Frage stellen, ob es ohne den Dänen Anders Lind zum Erreichen der Play-offs reicht.

Der BVB hat sich aber überraschenderweise auf Platz drei vorgeschoben – auch, weil Saarbrücken klar beim neuen Spitzenreiter Ochsenhausen. Und der taucht am 24. Oktober im nächsten Spiel des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell in der Hubtex Arena auf. Die Osthessen sind auf Platz sechs zurückgekehrt. Doch Tabellenstände sind eh bestenfalls Momentaufnahmen. Das Fuldaer Team hat beim Sieg in Dortmund an seiner Substanz im Teamgeist geknabbert. An einem speziellen Abend. Auch und nicht zuletzt für Ruwen Filus.

Die Spiele im Einzelnen

Borussia Dortmund – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 2:3

Joao Geraldo – Dimitrij Ovtcharov 2:3 (11:8, 5:11, 13:11, 7:11, 7:11)

Kristian Karlsson – Ruwen Filus 3:2 (6:11, 11:6, 8:11, 11:5, 11:5)

Wim Verdonschot – Fanbo Meng 3:1 (11:9, 9:11, 12:10, 11:8)

Joao Geraldo – Ruwen Filus 0:3 (7:11, 4:11, 10:12)

Adam Szudi/Kristian Karlsson – Dimitrij Ovtcharov/Fanbo Meng 0:3 (6:11, 8:11, 6:11) +++ rl


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