Dr. Michael Gerber ist seit zwei Jahren Bischof von Fulda

Gerber: „Gemeinsam mit den Menschen Kirche zeitgemäß weiterentwickeln“

Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber

Er war der jüngste Ortsbischof Deutschlands, als er am 31. März 2019 sein Amt antrat und er ist es noch heute: Seit zwei Jahren ist Dr. Michael Gerber (51) Bischof im Bistum Fulda. In seiner Diözese fühlt der gebürtige Schwarzwälder sich wohl. Er schätzt die Landschaft und die kleinen Orte mit ihren gepflegten Fachwerkbauten. Besonders angetan haben es ihm aber die vielen engagierten Menschen im Bistum Fulda. Gemeinsam mit ihnen will er Kirche zeitgemäß weiterentwickeln. Sein Zwischenfazit nach den ersten zwei Jahren fällt insgesamt positiv aus: „Ich habe es noch keinen Tag bereut!“

„Der Glaube“, sagt Bischof Dr. Michael Gerber, „ist eine starke Ressource“. Das hat er selbst immer wieder erfahren. Diese Kraft des Glaubens auch anderen zugänglich zu machen, das treibt ihn an. Dabei steht er nicht allein da, sondern kann sich auf ein Netz von vielen engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen in der katholischen Kirche im Bistum Fulda verlassen. „Wir sind zwar ein kleines Bistum“, sagt Gerber. „Gemessen an der Größe gibt es hier aber erstaunlich viele Menschen, die sich mit Leidenschaft und Verstand für ihre Kirche einsetzen.“ Das freue ihn sehr, sei aber auch dringend nötig, sagt der Bischof von Fulda: Die Zeiten ändern sich, traditionell starke gesellschaftliche Größen verlieren mehr und mehr an Bindungskraft. Das betrifft längst nicht nur die Kirchen. Auch Parteien, Gewerkschaften und Vereine ringen um Relevanz. „Wir sind auf dem Weg in einen neuen Typus von Gesellschaft. Einen, den wir so noch nicht kennen“, sagt Gerber. Darum könne die notwendige Weiterentwicklung von Kirche auch nicht nur eine Variation des Bekannten sein. „Wir müssen offen sein für neue Wege und auch mal etwas riskieren“, ist Gerber überzeugt. Die Kernfrage dabei lautet: „Wie erreicht die Botschaft des Evangeliums die Menschen von heute?“

Zielgerichtet investieren

Dazu muss das Bistum Fulda nach seiner Überzeugung auch bei sinkenden Einnahmen weiter investieren: Zielgerichtet, um die Menschen zu stärken, die mit Kreativität und Mut innovative Wege beschreiten und um die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich entsprechende Initiativen entwickeln können. „Als Bischof entscheide ich das aber nicht allein, sondern mit den zuständigen Gremien, in denen kompetente Menschen mitarbeiten“, stellt Gerber klar. Gemeinsam mit diesen Gremien beschäftigt er sich fortwährend mit der Frage, was Kernauftrag der Kirche ist und welche Aufgaben künftig verstärkt in Kooperation mit anderen gesellschaftlichen Kräften wahrgenommen werden können, vorwiegend auch in ökumenischer Kooperation. Auch bei den großen kirchenpolitischen Fragen gibt es häufig keine einfachen Antworten für komplexe Sachverhalte. Im Zusammenspiel aus Tradition, Verantwortung für die Universalkirche und oftmals anderen Wünschen und Ansprüchen der Gläubigen vor Ort ringt Gerber zusammen mit den je Verantwortlichen um Wege, die auf dem Boden des Evangeliums und der Tradition in die Zukunft weisen.

Am Machbaren orientiert

Ihm geht es ganz praktisch vor allem darum, was tatsächlich machbar ist: So hat er in den Diözesanvermögensverwaltungsrat mehrheitlich Frauen berufen. Ebenfalls werden Schlüsselstellen im Generalvikariat, die sich mit der strategischen Entwicklung beschäftigen, vorwiegend mit Frauen besetzt. Er spricht sich als Seelsorger und Theologe dafür aus, dass in der aktuellen Debatte um die Frage nach dem kirchlichen Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren stärker differenziert wird. Diese und ähnliche Fragen seien Ausdruck des kontinuierlichen Ringens um bekannte Positionen innerhalb der katholischen Kirche. „An diesen Diskussionen werden wir uns als Bistum Fulda auch weiterhin verantwortungsvoll beteiligen“, verspricht er. Auch die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs kommt im Bistum Fulda weiter voran. Dabei komme es ihm ganz wesentlich auf die Perspektive der Opfer an, betont Gerber: „Die Art und Weise, mit der wir das Thema angehen und bearbeiten, hat entscheidenden Einfluss darauf, wie die Betroffenen das Erlebte verarbeiten können“, ist er nach zahlreichen persönlichen Gesprächen überzeugt. Gemeinsam mit den Nachbarbistümern Limburg und Mainz etabliert das Bistum Fulda darum einen Betroffenenbeirat, der den Prozess kritisch begleiten und dazu auch Vertreter in die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung entsenden soll. Neben einer Interventions- und einer Präventionsbeauftragten hat Gerber im Bistum Fulda darüber hinaus auch zwei unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene eingesetzt – einen Mann und eine Frau.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Mit Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, verbindet Bischof Gerber ein enger Austausch: „Derzeit entwickeln wir einige kreative Formate, zum Beispiel für den Ökumenischen Kirchentag.“ Ähnlich gelagerte Herausforderungen haben die beiden führenden Kirchenvertreter der Region schnell zusammengeschweißt: Beide kamen 2019 von außerhalb, beide sind mittlerweile länger unter Corona-Bedingungen im Amt als ohne. Und beide wurden gemeinsam mit den Menschen in der Region schon früh in ihrer Amtszeit mit schrecklichen Ereignissen konfrontiert: Den rassistisch motivierten Anschlägen in Hanau am 19. Februar 2020 und der Amokfahrt vom Rosenmontag in Volkmarsen nur wenige Tage später.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet Gerber auch mit der Politik. Das zeigte sich gerade wieder bei den gemeinsamen Abstimmungen zwischen ihm und weiteren Kirchenvertretern sowie Ministerpräsident Volker Bouffier über die Frage nach der Möglichkeit von Präsenz-Gottesdiensten an den Kar- und Ostertagen. Mit dem Ergebnis, dass diese nun dank bewährter Hygiene-Konzepte auch vor Ort in den Kirchen gefeiert werden können. Gerber ist dankbar und erleichtert, dass dies nun möglich ist: „Das ist eine ganz wesentliche Ausdrucksform unseres Glaubens“, betont er. „Ich wünsche mir, dass wir bei aller Pluralität der Positionen einen Teil der frohen Botschaft von Ostern auch mit in die gemeinsame Weiterentwicklung unserer Kirche nehmen können.“ +++ pm/ja

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