Dorferneuerung Poppenhausen – Projekt „Marktplatzentwicklung“ abgeschlossen

15 Informationstafeln angebracht

Peter Detig und Manfred Helfrich zeigen beispielhaft auf die Tafel „Historische Bausteine Poppenhausen“ an der Fassade des Landgasthofs „Zum Stern“ auf dem historischen Marktplatz in Poppenhausen. (v.l.)

Poppenhausen. Nach der Umgestaltung und Optimierung des Marktplatzes, das Aufstellen des „offenen“ Bücherschrankes und die Vorbereitung der Änderung der Verkehrsregelung wurde vor einigen Tagen das Projekt „Marktplatzentwicklung“ abgeschlossen. Als abschließende Maßnahme sollen 15 Informationstafeln an geschichtlich bedeutsamen Gebäuden im Ortskern Poppenhausen angebracht werden. Sie geben dem Betrachter in Kurzform wertvolle Hinweise zur Historie der Häuser und ihrer Bewohner. Die Standorte und Textinhalte wurden im Arbeitskreis Dorfentwicklung abgestimmt und in Auftrag gegeben. Ein Großteil der Tafeln wurde inzwischen mit Zustimmung der jeweiligen Hauseigentümer bzw. der Verwaltungen der Liegenschaften angebracht und erfreuen sich einer großen Aufmerksamkeit. Die Montagearbeiten wurde durch Arbeitskreisleiter Peter Detig und Bauhofmitarbeiter Alexandr Okolsdajew ausgeführt. Als Träger der Schriften wurde ein wetterresistenter gebürsteter Edelstahl mit geätzter schwarzer Schrift ausgewählt. Ein Dorfrundgang kann somit zu einer „Poppenhäuser Geschichtsstunde“ für den Betrachter werden.

Rathaus Poppenhausen (Wasserkuppe) (Von-Steinrück-Platz 1)

An dieser Stelle stand ein altes Wohnhaus (sog. „Patrizze“), das die Gemeinde Ende der 80-er Jahre erwarb, um an dieser Stelle ein neues Rathaus zu bauen. In einem Gestaltungswettbewerb wurde die Architektur des öffentlichen Gebäudes samt Umfeld und des Bauerngartens festgelegt. Unter dem Projektnamen „Fremdenverkehrszentrum mit integrierter Gemeindeverwaltung“ wurde das vom Hessischen Wirtschaftsministerium geförderte Gebäude mit Außenanlage in den Jahren 1991 – 1993 realisiert. Seither dient das Gebäude als Rathaus der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe). Weiterhin befinden sich in dem öffentlichen Gebäudekomplex die Tourist-Information, das Standesamt, ein großer Saal, ein Museum für fossile Gesteinsfunde, Vereinsräume sowie ein historischer Gewölbekeller.

Alte Schule (Von-Steinrück-Platz 1a)

Dieses Gebäude wurde von der Gemeinde Poppenhausen 1821 errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Der ursprünglich zweigeschossige Bau wurde 1880 aufgestockt. Von 1821 – 1954 waren in dem stattlichen Gebäude die Schule des Ortes Poppenhausen mit Lehrerwohnung und anschließend bis 1993 die Gemeindeverwaltung mit Standesamt, das Verkehrsamt und ein Oratorium der evangelischen Kirchengemeinde untergebracht. Von 1993 bis zum Beginn des Umbaus im Jahr 2010 wurden die Räume für Büros, Fahrschule, Wohnungen und Lagerräume genutzt. Seit 2010 hat „antonius – Netzwerk Mensch“ die Trägerschaft für das Gebäude übernommen. Durch aufwendigen Umbau und Sanierung wurden 7 behindertengerechte Wohn-Appartements realisiert. Seit der Fertigstellung in 2011 ist hier das Sozialprojekt „Leben und Arbeiten in Poppenhausen“ untergebracht. Menschen mit einem Handicap leben und arbeiten in Poppenhausen und Umgebung, sie sind Teil der Bürgergemeinschaft.

Torbogen (Torweg)

Die alten Torbogen sind die steinernen Reste einer großen gemauerten Türleibung oder auch Pforte bzw. eines großen Tores zu einer geschlossenen Burganlage (Wasserburg?). 

Ehemaliges Gasthaus „Zum Hirsch“ (Marktplatz 7)

Erbaut im 18. Jahrhundert, Amtswirtschaft der Herren Specht von Bubenheim. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts befindet sich der Gebäudekomplex, der lange als Gastwirtschaft mit eigener Brauerei genutzt wurde, im Besitz der Familie Köhler. Unvergessen bleibt die touristische Bedeutung mit den Heimatabenden in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unter dem Gebäude befinden sich zwei große Gewölbekeller, vermutlich ein Teil der historischen Burganlage.

Landgasthof „Zum Stern“ (Marktplatz 5)

1619 erhielt das Gasthaus die erste Schankgerechtigkeit. Ehemalige Amts- und Schankwirtschaft der Herren von Steinau genannt Steinrück, bez. der von Berlepsch (daher der Hausname „Lepse“). 1802 entstand der An- und Umbau zum heutigen Gebäudekomplex. 1832 kam das Anwesen in den Besitz von Josef Gensler und ist bis heute in Familienbesitz. Ab 1897 hatte dieser Gasthof eine eigene Brauerei. Unter dem Gasthaus befinden sich vier unregelmäßige tonnengewölbte Keller; diese sind vermutlich Reste der mittelalterlichen Burganlage von Poppenhausen.

Ehemaliger Standort Gasthaus „Zum Adler“/Terrasse „Landgasthof Zum Stern“ (Marktplatz 5)

Ehemalige Amtswirtschaft der Herren von Thüngen, bis 1903 Standort des damaligen Gasthofs „Zum Adler“. 1978/79 erfolgte im Zuge der Dorferneuerung Poppenhausen der Abriss des alten Gasthofs und der Neubau einer Terrasse, die seither zum Landgasthof „Zum Stern“ (genannt „Lepse-Wirt“) gehört.

Katholische Pfarrkirche „St. Georg“ (Marktplatz)

1511 – erste Erwähnung einer Kirche (Burgkapelle), der genaue Standort ist nicht bekannt. 1609 bis 1621 Bau Langhaus und „Julius-Echter“-Turm der heutigen Kirche (spätgotische Saalkirche). 1857 bis 1861 Erweiterung um das Querhaus und den Chor zum heutigen Grundriss (neugotischer Stil). Die heutige Eingangshalle im Turmuntergeschoss, früherer Altarraum, hat heute noch das originale Kreuzgewölbe. Der Schlussstein trägt das Wappen des Fuldaer Fürstabtes Johann Friedrich von Schwalbach (1606 bis 1622). 1950 erhielt der Kirchturm ein neues Geleut, vier Glocken mit den Schlagtönen d, fis, a und h. Mitte der 1990er Jahre: Letzte umfangreiche Sanierung und Renovierung nach den Plänen des heimischen Architekten Hubert Hübner (+).

Gasthaus „Zum Engel“ – Katholisches Pfarrzentrum (Marktplatz 4)

Hier stand die ehemalige Amtswirtschaft des Herren von Mansbach. Das nach dem großen Brand 1903 neuerbaute Gebäude diente bis zu seinem Abriss im Jahr 1977 der katholischen Kirchengemeinde u.a. als Pfarrheim. 1980/81 wurde das heutige Pfarrzentrum nach den Plänen des heimischen Architekten Hubert Hübner (+) errichtet und erhielt den Namen „Papst Johannes Paul-Haus“.

Wohn- und Geschäftshaus Wehner (Marktplatz 6)

Seit 1822 (Eigentümer Gottfried Wehner) stand der ursprüngliche Bauernhof auf dem Gelände des heutigen Gartens. Dort befindet sich heute noch der zugehörige Gewölbekeller. Das Haus fiel, wie viele andere, dem Großbrand in 1903 zum Opfer. Von 1903 – 1905 wurde der jetzige Gebäudekomplex in klassischem Jugendstil als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Hier befand sich das sog. Spezereiwarengeschäft, ein Kaufladen mit großem Warensortiment, ein Baustoffhandel, ein Kohlehandel und ein Fuhrbetrieb. Seit den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind in dem Haus ein Blumenfachgeschäft und ein Getränkemarkt sowie mehrere Wohnungen untergebracht.

Gasthaus „Sonne“ und Metzgerei Hohmann (Georgstraße 19)

Das Gebäude wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als Wohnhaus mit Wirtschaftsgerechtigkeit, Scher mit Stall, Brauhaus und 2 Schweineställen errichtet. Die Gaststätte wurde von Johann Schaup 1817 an den Wirt Valentin Detig verkauft. Dieser veräußerte die Gastwirtschaft mit Metzgerei an den Bäckermeister Gerhard Joseph Detig. Dessen Familie verkaufte das Haus, welches nach dem Großbrand (1903) neu errichtet wurde, in 1908 an den Metzgermeister und Gastwirt Franz Hohmann. In der Folge wirtschafteten hier Sohn Josef und Enkel Franz-Josef, der den Gebäudekomplex mit Erreichen der Altersgrenze in 2013 an die Investoren Michael Bär u. Nicolai Zeisler verkauften. Das renovierte und ausgebaute Gebäude wird jetzt als Ferienpension und Veranstaltungslokation genutzt.

Ehemaliges Gasthaus „Zum Adler“ (Burgstraße 2)

Im Volksmund auch „Oche“ genannt. Ehemalige Amtswirtschaft des Herren von Thüngen. Vormaliger Standort des Gasthauses war am Marktplatz 3. Das Gebäude wurde an jenem Standort in den Jahren 1978/79 weggenommen. Nach dem Großbrand erbaute Leopold-Josef Schönberg in den Jahren 1903 – 1905 in der Burgstraße 4 den neuen „Adler“ mit großer Metzgerei. Bis in die 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde dieser von der Familie Schönberg bewirtschaftet. Nachfolgend wurde das Gasthaus von verschiedenen Pächtern bis 2016 betrieben.

Schwesternhaus „St. Elisabeth“ (Georgstraße 36)

Dieses ortsbildprägende Gebäude wurde im Jahr 1909 erbaut und von den Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul genutzt. Eine Ordensgemeinschaft der Vinzentinerinnen lebte hier und übernahm eine Vielzahl von Aufgabenbereichen: Die Leitung des katholischen Kindergartens, die Leitung und den Betrieb eines Altenheims für Frauen, die örtliche medizinische Ambulanz, die Mithilfe bei der Pfarr- und Jugendseelsorge. Weiterhin fungierte das Haus als Urlaubsdomizil und Erholungsheim für andere Schwesternkonvente. Nachdem im Jahr 2010 die letzten Schwestern Poppenhausen verlassen hatten, übernahm die politische Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) das Anwesen in Erbbaupacht. Ein Investor entwickelte den Gebäudekomplex weiter und sanierte das Gebäude von Grund auf zu einer Seniorenwohnanlage. Im Jahr 2013 wurden die Seniorenwohnanlage St. Elisabeth sowie die im Seitentrakt untergebrachte Station für Seniorentagespflege ihrer Bestimmung übergeben.

Ehemaliges Gasthaus „Zum Goldenen Kreuz“ (Am Lütterkanal 1)

Von 1843 bis 1862 stand an dieser Stelle die älteste deutsche Holzschnitzschule, die 1862 nach Bischofsheim in Unterfranken verlagert wurde. 1892 erbaute G. Günther ein Gasthaus mit integriertem Wirtschaftsteil, das bis Ende der 1950er Jahre betrieben wurde. Im Tanzsaal des Gasthauses fertigte Alexander Schleicher, Firmengründer des gleichnamigen Segelflugzeugwerkes, sein erstes Segelflugzeug mit dem legendären Namen „Hol’s der Teufel“.

Altes Forsthaus (Am Forsthaus 8)

Erbaut im 18. Jahrhundert und bis zum 21. Jahrhundert als Forsthaus genutzt. In den 1920-er Jahren befanden sich hier die Wohnung für Lehrpersonal (Rektor) und Unterrichtsräume für Schulzwecke. Zu dem ehemaligen „Forstdienstgehöft“ gehörte das massive Wirtschaftsgebäude mit Stall und Scheune südlich des Haupthauses. 

Ziehende Kraniche (Terrasse der Kunst und Kultur, Ecke Georgstraße/Weiherberg)

Die Vorlagen für die Skulpturen „Ziehende Kraniche“ wurden von der Künstlerin Agnes Mann (1907-1994) um 1960 geschaffen, die mehr als 50 Jahre hier in der Rhön lebte. Die Familie Heinrich Herr stellte diese Metallskulpturen nach den Plänen der Künstlerin her und hatte diese über Jahre an ihrem Wohnhaus montiert. 2015 spendete Familie Herr die „Ziehenden Kraniche“ für die neu geschaffene Terrasse der Kunst und Kultur. +++ pd/mh

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