Berlin. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wirft deutschen Volkswirten rückständiges Denken vor: "Wir deutschen Wissenschaftler sind hier immer noch sehr stark in dem alten ordnungspolitischen Denken verhaftet. Da können wir von der internationalen Debatte etwas lernen. Vielleicht sollten wir ein bisschen offener sein", sagte Fratzscher im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit".
Damit eskaliert der Streit um die Deutung der gesellschaftlichen Lage im Land. Fratzscher hat ein Buch veröffentlicht, das zu der Diagnose kommt, dass Deutschland immer ungleicher werde. Ökonomen wie Lars Feld und Christoph Schmidt vom Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen halten diese Diagnose für falsch und bezeichneten die Warnung vor einem Anstieg der Ungleichheit als "Skandalisierung des Unspektakulären". Fratzscher entgegnet nun, er halte es "nicht für unspektakulär, Menschen ihrer Lebenschancen zu berauben".
Er sehe im Kampf gegen die mangelnde Chancengleichheit "eine der dringendsten und wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit". Andere Ökonomen würden das Problem unterschätzen, weil sie davon ausgingen, dass Ungleichheit in einer Marktwirtschaft normal sei. Dabei sei diese Ungleichheit in Deutschland eine Wachstumsbremse. +++ fuldainfo

Der aus Fulda stammende Christoph Schmidt ist wohl von der hiesigen Heimatzeitung sozialisiert worden und trägt schon seit einiger Zeit die abstrusesten Thesen vor. Dabei ist es ein Alarmzeichen, wenn in keinem anderen europäischen Land eine solch ungleiche Vermögensverteilung wie in Deutschland vorliegt. Seit vielen Jahren werden die Superreichen von der Christenpartei regelmäßig verschont, so dass die Regierung ihrem Auftrag nicht nachkommt, über das Steuersystem eine gerechtere Vermögensverteilung sicherzustellen. Natürlich schadet so etwas der Volkswirtschaft und es ist auch eine Wachstumsbremse, wenn fast 40 Prozent der Deutschen über keinerlei Vermögen verfügen, denn diese Leute können ja nichts mehr zur Binnennachfrage beitragen, während die Reichen nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld und dann die Steueroasen der Welt beglücken; natürlich mit Hilfe cleverer Rechtsanwaltskanzleien (z. B. die des CDU-Mannes Friedrich Merz) und Steuerberater, wie das heimische Beispiel (Alt) ja zeigt. Fakt ist, dass die deutsche Wirtschaftspolitik mit der Agenda 2010 und den übrigen Maßnahmen zu Anfang des Jahrhunderts entscheidende Fehler gemacht hat. Leider nimmt auch Fratzscher kein Wort von den jahrzehntelangen Empfehlungen zur "Arbeitsmarktflexibilität" zurück, die den Beginn der Ungleichheit markierten. Über Ungleichheit zu klagen, ist wohlfeil, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, ist jedoch politisch die heißeste Kartoffel, die es gibt. Nur nicht das Volk zu sehr aufklären; es könnte ja auf revolutionäre Gedanken kommen! Tatsache ist, dass eine ungleiche Vermögensverteilung eines Tages zu großen gesellschaftlichen Problemen führt. Umgekehrt sind beispielsweise die Dänen nach neuesten Untersuchungen das glücklichste Volk der Welt. Ein Grund dafür ist, dass dort die Einkommen und Vermögen nicht so auseinandertriften, wie hierzulande.