Die Stimme in der Johannisau – Rainer Martiker ist Stadionsprecher der SG Barockstadt

Rainer Martiker.

Wenn am Samstag, 14 Uhr, die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gegen Schott Mainz ihr Restprogramm der Fußball-Regionalliga Südwest aufnimmt – dann berührt eine Stimme, die seit Jahren zur beliebten Gewohnheit geworden ist. Sie gehört Rainer Martiker, der Stadionsprecher ist und nach dem Spiel die Pressekonferenzen mit den Trainern der beiden Mannschaften anmoderiert.

Ob er „the Voice“, die Stimme, sei? „Ja, das sagen viele“, sagt er, „Zuschauer, die ich auf der Tribüne treffe, oder auch Vereinsinterne“. Der 66-Jährige muss sich wirklich keine Gedanken machen, dass seine markante Stimme nicht die vertrauten Herzen erreichen könnte. Schon für Borussia Fulda nahm er sich dieses Jobs ab, Stefan Raaz überzeugte ihn damals, Martiker war zu dieser Zeit auch mal als Vizepräsident des Traditionsvereins im Gespräch. Für die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz ist er seit ihrer Weiterführung im Jahr 2018 am und hinter dem Mikro. Im Beisein des kürzlich verstorbenen Vorstandsmitglieds Dirk Schütrumpf sprach ihn Martin Geisendörfer an, ob er den Job nicht übernehmen wolle.

Das Verhältnis von Geben und Nehmen stimmt zwischen der SGB und Martiker. Dessen Worte klingen nicht nur glaubhaft, sondern auch ehrlich. Verdammt ehrlich. „Ich bin von noch keinem Verein so gut aufgenommen worden, wie hier. Von der Herzlichkeit her.“ Und er schätzt das Klima. Er schätzt die Werte des Umgangs. Viel Lob und Anerkennung hat er parat für Martin Geisendörfer und Volker Bagus. „Martin ist und fühlt sich mit allen auf Augenhöhe.“ Er sei keinesfalls abgehoben, „er kennt und grüßt all seine Leute“. Auch Volker Bagus möchte er nicht missen. „Ein Super-Typ. Zwischen uns ist eine richtige Freundschaft entstanden. Mit ihm fahre ich auch manchmal zu Auswärtsspielen.“ Zwischenmenschlich stimme und passe alles zwischen ihm und der SG Barockstadt.

Bagus gibt die Komplemente zurück. „Guter Freund. Gute Meinung“, sagt das Vorstandsmitglied der SGB über Martiker, „Ich habe ihn nicht einmal in schlechter Laune gesehen“, betont er dessen positives Auftreten. So, wie man sich einen Freund vorstellt. Vor ihm und seiner Arbeit kann man nur den Hut ziehen.“

Was denn zu seinem Job gehöre? So, wie ihn jeder bei Heimspielen der SGB in der Johannisau wahrnehmen kann. „Die Vorbereitung auf den Gegner und die Mannschaft“, sagt Rainer Martiker, als sei es selbstverständlich, „so, dass ein alles in allem vernünftiger Text herauskommt“. Bis er präzisiert. „Die Mannschafts-Aufstellung, ein paar Punkte – und Musik.“ Apropos Musik: Die stellt Teammanager „Maxi“ Hainer zusammen. Und Martiker setzt Prioritäten. „Die Zuschauer wollen keinen Stadionsprecher hören. Sie wollen Unterhaltung“, ist er überzeugt. Mit seiner Sichtweise spricht er Vielen aus dem Herzen. Und er trifft dort hinein. „Für mich ist entscheidend: mehr Musik,  weniger Unterhaltung.“

Rönshausen ist der Geburts- und Wohnort des seit mehr als vier Jahrzehnten Verheirateten, dessen drei Kinder mittlerweile erwachsen sind. Dort spielte er auch einst aktiv. Nach seiner Schulzeit war Rainer Martiker zunächst drei Jahre bei der Hessischen Bereitschaftspolizei in Kassel tätig – ehe er zum Groß- und Außenhandelskaufmann umschulte und sich 1980 der GROMA in Fulda zuwandte. 14 Jahre war er hier Marktleiter, bevor er sich im Außendienst engagierte.

Wo sieht Rainer Martiker die SG Barockstadt perspektivisch? „Ich wünsche mir, wenn sie sich mittelfristig im oberen Drittel der Regionalliga etabliert.“ Dass er über fußballerisches Wissen verfügt, ist unbestritten. Und das Zauberwort Dritte Liga? Martiker ist vorsichtig. Oder soll man sagen realistisch? „Klar, logisch wünsche ich mir auch das. Aber ich weiß nicht, ob das finanziell hier in Fulda möglich ist.“ Was hält er von der Infrastruktur? „Für Fulda ist das, was wir jetzt haben, gut. Für die Region ist es okay. Du kannst dich in den finanziellen Möglichkeiten einfach nicht mit anderen vergleichen.“ Er meint zum Beispiel Astoria Walldorf oder Spitzenreiter Freiberg – dort, wo die drei SGBler Köhl, Grobelnik und Petö kicken. Oder manch andere. Und der Zuschauerschnitt der SGB? „Ja, gut. Wenn man das mit anderen Regionalliga-Vereinen vergleicht, bin ich schon zufrieden. Eine Vermutung: Die Frankfurter Eintracht nimmt uns hier schon viel weg.“

Die Hausaufgabe am Samstag gegen Schott Mainz sollte schon lösbar sein, „auf dem Papier schon. Aber in der Praxis …“, warnt Martiker. Wann seine Arbeit an einem Spieltag denn beginnt? „Wenn ich meinen Text noch schreiben muss, dann so gegen 11 Uhr, manchmal mache ich das auch am Tag vorher. Spätestens um 13 Uhr bin ich dann im Stadion. Ich bin immer eine Stunde vorher in der Johannisau.“ Und Viele warten dann wieder auf die Stimme. Denn die hat sich eingeprägt. Und geht bisweilen unter die Haut. +++ rl


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