Die Kröten sind los: Ehrenamtliche im Einsatz für wandernde Amphibien

Mit den ersten milden Temperaturen des Frühjahrs beginnt im Landkreis wieder die Wandersaison der Amphibien. Kröten, Frösche und Molche verlassen im März ihre Winterquartiere und machen sich in großer Zahl auf den Weg zu ihren angestammten Laichgewässern. Dabei müssen sie häufig Straßen überqueren – mit fatalen Folgen: Tausende Tiere werden jedes Jahr überfahren, bevor sie ihr Ziel erreichen. Die Untere Naturschutzbehörde weist daher erneut mit Zäunen und Hinweisschildern auf die Amphibienwanderung hin.

Den Winter verbringen die Tiere gut geschützt unter der Erde, in Laub- oder Steinhaufen oder unter Wurzeln. Sobald Frost und Schnee nachlassen, setzen sie sich in Bewegung. Vor allem in der Dämmerung und bei feuchter Witterung folgen sie einem inneren Kompass zurück zu dem Gewässer, in dem sie einst geschlüpft sind. Doch ihre Lebensräume sind häufig durch Straßen zerschnitten. „Viele Tiere bleiben außerdem auf dem noch vom Tag aufgeheizten Asphalt sitzen, um sich aufzuwärmen“, erklärt Lisa Holz von der Unteren Naturschutzbehörde. Da die Tiere nahezu gleichzeitig wandern, entstehen jedes Jahr erhebliche Verluste in den Beständen.

Um dem entgegenzuwirken, stellt der Landkreis an besonders stark frequentierten Straßen bis Ende April Warnschilder auf. Autofahrer werden zu erhöhter Aufmerksamkeit und angepasster Geschwindigkeit aufgerufen. „Sinnvoll für den Schutz der Tiere wären 30 km/h. Bei höheren Geschwindigkeiten können sie durch den Luftdruck der über sie hinweg fahrenden Autos innere Blutungen erleiden, auch wenn sie nicht direkt überrollt werden“, so Holz. Wo möglich, wird der Amphibienschutz auch baulich berücksichtigt. So wurde im Zuge der Erneuerung der K143 zwischen Burghaun-Langenschwarz und Unter-Schwarz im Landkreis Hersfeld-Rotenburg eine Amphibienleitanlage installiert. Über ein angeschlossenes Tunnelsystem gelangen die Tiere dort sicher zu ihren Laichgewässern.

Zusätzlich setzt der Landkreis ab Ende Februar an vier Straßen auf mobile Amphibienschutzzäune. In Eiterfeld-Wölf übernimmt die Jugendfeuerwehr Aufbau und Betreuung eines solchen Zauns. Ehrenamtliche kontrollieren die Anlagen täglich über mehrere Wochen hinweg und bringen die gesammelten Tiere in Behältern sicher über die Straße. Die zeitaufwendige Arbeit ist für viele Helfer ein fester Bestandteil des Frühjahrs. „Es macht mir großen Spaß, abends auf Krötenrettung zu gehen, weil da einfach so viele Tiere am Zaun sitzen“, berichtet der zehnjährige Jona aus Petersberg, der gemeinsam mit seiner Familie und Freunden an der Kneshecke bei Dipperz mithilft. „In den Eimern landen hauptsächlich Erdkröten. Ab und zu auch ein paar Molche und Frösche.“

Mit knapp einem Kilometer Länge befindet sich dort der längste Zaun im Landkreis. Die erfassten Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Population: Rund 2500 Tiere wurden im Jahr 2025 gezählt, 3000 im Jahr 2024 und sogar 4200 im Jahr 2023. „Die Zahlen schwanken jedes Jahr ein bisschen und verdeutlichen, wie wichtig diese Population ist“, betont Holz. Amphibien stehen unter besonderem Schutz, da sie sowohl als Nahrung für andere Tiere dienen als auch selbst Pflanzenschädlinge reduzieren und Gewässer sauber halten. „Auch wenn wir nicht jede einzelne Kröte retten können, tragen die Maßnahmen effektiv dazu bei, die vorhandenen Populationen zu erhalten.“

Mobile Amphibienschutzzäune stehen entlang der K156 zwischen Reckrod und Wölf in der Gemeinde Eiterfeld, an der L3079 bei Jossa in der Gemeinde Hosenfeld, an der L3079 bei Giesel in der Gemeinde Neuhof sowie an der B278 zwischen Tann und Schlitzenhausen und oberhalb der Kneshecke bei Dipperz. +++


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