Die Anschläge von Brüssel und die reflexartigen Fehler der Politik

Bundestag berlin1

Fulda. Reflexartig reagiert unsere Politik auf Anschläge wie die in Brüssel – und sie reagiert reflexartig falsch. Wir müssen zusammenstehen und den Terrorismus endgültig besiegen, verkünden die Politiker in gebetsmühlenartiger Manier. Wie schon nach Paris würden sie am liebsten wieder sofort einen Krieg erklären, aber es wäre wiederum ein Krieg gegen einen Gegner, den es nicht gibt. Den Terrorismus, der hier erneut zu Tage tritt, den kann man nicht mit Polizei und Militär bekämpfen, weil seine Ziele beliebig sind und seine Quellen werden ohne eine radikal andere Politik des Westens niemals versiegen.

Der Staat kann seine Bürger vor solchen Anschlägen nicht schützen. Er kann nicht jeden Menschen, der vor seine Haustür tritt, daraufhin überprüfen, ob er Waffen oder Sprengstoff bei sich trägt. Und wenn er es mit all denen tut, die pauschal als verdächtig gelten, kreiert er unmittelbar neuen Terrorismus. Auch die wichtigsten Quellen der Wut und des Hasses bleiben in unserer Hand. Wie viele traumatisierte junge Menschen mögen der Dreck, der Schlamm und die offenkundige Verachtung des Westens für die Not von tausenden von Menschen vor dem Zaun in Idomeni, Griechenland, hervorgebracht haben? Wie viele werden in den „Auffanglagern“ in der Türkei, die doch als entscheidender Durchbruch bei der europäischen Flüchtlingspolitik gelten, abgleiten in eine Welt voller Hass auf all diejenigen, die an ihren Stammtischen und in ihren Bierzelten diesen „Durchbruch“ feiern? Man kann die Zahlen fast mit Händen greifen.

Drei Millionen Menschen, zusammengepfercht in der Türkei auf engstem Raum, versorgt nur mit Überlebensrationen, ohne Schule, ohne Studium, ohne Arbeit, ohne Zukunft, hin- und hergeschoben zwischen Staaten wie Vieh, aller Rechte beraubt und der Willkür eines in weiten Teilen undemokratischen Staates ausgesetzt. Wie viele werden sich radikalisieren? Zehn Prozent oder nur ein Prozent? Selbst wenn es nur ein Promille ist, werden es genug sein, um für viele Jahre den Tod vieler weiterer unschuldiger Menschen in Europa und anderswo zu verursachen. Die Opfer des Terrors sind es, die den Preis für die Unfähigkeit der Politik in Europa und anderswo zahlen, mit verängstigten und traumatisierten Menschen menschlich umzugehen.

Doch statt wenigstens jetzt, nach dem zweiten schlimmen Ereignis in kurzer Zeit, nachzudenken und innezuhalten, flüchten sich die westlichen Politiker wieder in die gleichen sinnlosen Rituale. Sie lesen ihre leeren Statements vom Blatt ab, sie schicken mehr Polizei und Militär auf die Straßen, sie kontrollieren wieder die Grenzen und sie wollen mit Gewalt den Anschein erwecken, diesmal sei alles anders. Nichts ist anders und der nächste Anschlag ist nur eine Frage der Zeit. Es ist beim Terrorismus wie bei der Flüchtlingsproblematik selbst: Wer nicht den Mut aufbringt, seine eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen, wer nicht bereit ist, sich vorurteilslos und ernsthaft mit den Ursachen des Versagens unserer Welt in den Herkunftsländern der Menschen, um die es hier geht, auseinanderzusetzen, braucht auch nichts anderes zu tun. Warum hat gestern nicht ein Verantwortlicher gesagt: So geht es nicht! Wir haben versagt! Wir haben den falschen Krieg erklärt und wir haben ihn verloren! +++ fuldainfo | flassbeck-economics


Popup-Fenster

2 Kommentare

  1. Die Nato hat mit Einsatz von Terroristen experimentiert um ihre Ziele zu erreichen in Syrien,Lybien+Irak.Jetzt richtet sich der Terror gegen Europa.EU-NatoMinister haben dies jahrenlang in NatoKreisen besprochen,gebilligt+ausgefuehrt auch Westerwelle+Steinmeier.In Wirklichkeit haben sie mit Feuer gespielt.
    Gerade durch den Krieg mit Terroristen gegen Assad,die groesste Armee(200.000 Mann) die Terroristen bekaempft,ist die Situation in Syrien so eskaliert,haben ISIS Terroristen sich etablieren koennen und kommen die Fluechtlinge nach Europa.Der Krieg gegen Assad zieht das Konflikt in die Laenge und vernichtet die einzigste Moeglichkeit die Terroristen zu vernichten bevor sie in Europa zuschlagen. Es gibt hypokrite Politiker die sagen dass Assad sich nicht haette verteidigen duerfen,also er ist der Schuldige

  2. WOW! Einer der besten Artikel, die ich hier je gelesen habe.

    Die beschämende Art, wie das „christliche“ Europa, also das Abendland mit den vor allem muslimischen Flüchtlingen aus dem Morgenland derzeit umgeht und wieviel Hass und Wut dieses beschämende Verhalten bei allen Menschen aus dem nahen Osten produzieren wird, zeigt dieser Artikel in einmaliger Weise auf.

    Wenn wir nicht endlich anfangen, unser Verhalten gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen, die vor Krieg und Gewalt flüchtend zu uns kommen zu ändern werden Terroristen immer mehr Nährboden finden, weitere Anschläge auch in Deutschland und anderen Teilen Europas zu verüben. Armut und Hoffnungslosigkeit sind der Nährboden, auf dem der Terror wächst.

    In diesen Tagen denke ich immer wieder zurück an eine Rede eines großen Filmemachers: Charlie Chaplin in dem Film „Der große Diktator“ gedreht als Kritik am Naziregime Hitlers. Sie sollte eine Mahnung an alle Menschen der freien Welt sein! Jetzt ist bald wieder Ostern. Genug Anlass für alle Menschen hier und anderswo in Deutschland, inne zu halten und über all das, was in den vergangenen Wochen und Monaten passiert ist, nachzudenken.

    Ein frohes Osterfest allen Menschen, die guten Willens sind.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*