Fulda. „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ – unter diesem Leitspruch wird am kommenden Sonntag, den 13. Mai 2018, im Deutschen Feuerwehr-Museum (DFM) Fulda der „41. Internationale Museumstag“ eröffnet.
Im Rahmen des Internationalen Museumstages wird im Deutschen Feuerwehr-Museum Fulda die Sonderausstellung „Der Luftschutzhilfsdienst (LSHD) 1957 – 1968 – Ein ungeliebtes Kind des Kalten Krieges“ eröffnet. Die Stadt Fulda ist somit Gastgeberin von zwei aufeinandertreffenden Ereignissen mit museumspädagogischen Charakter. Umrahmt werden die beiden Ereignisse vom Familienfest „Roter Sommer“, dieser in Kooperation des Deutschen Feuerwehr-Museums- und dem benachbarten Deutschen Roten Kreuz Fulda entstanden ist.
Anlässlich der Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag hat gestern der Hessische Museumsverband und das Deutsche Feuerwehr-Museum Fulda zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in die Räumlichkeiten des Museums im Fuldaer Stadtteil Neuenberg eingeladen. Als Gesprächspartner fungierten der Vorsitzende des Hessischen Museumsverbandes, Dr. Thomas Wurzel, der Museumsleiter des Deutschen Feuerwehr-Museums Fulda, Rolf Schamberger M.A., Olaf Braasch von der Interessengemeinschaft (IG) für historischen Luft- und Katastrophenschutz, der Bereitschaftsleiter des DRK-Kreisverbandes Fulda e.V., Christian Erwin, der Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Dr. Heiko Wingenfeld, der Pressesprecher der städtischen Sparkasse Fulda, Richard Hartwig, sowie Dr. Ulrike Adamek, die die Pressekonferenz moderierte.
1977, in Moskau, mitten im Kalten Krieg, durch die weltweite Museumsorganisation ICOM gedanklich vorbereitet, findet der Internationale Museumstag seit 1978 jährlich um den 18. Mai statt. Seit 1992 wird dieser von einem jährlich wechselnden Motto begleitet. Der Internationale Museumstag möchte auf das breite Spektrum der Museumsarbeit sowie die thematische Vielfalt der Museen weltweit aufmerksam machen.
In seinem ursprünglichen Sinn als „Geste der Zusammenarbeit zwischen den Blöcken“ angedacht, fand der Internationale Museumstag vorwiegend nur im Ostblock – dem Westen mit seiner Ausrichtung in der DDR am nächsten – statt. Erst nach der Wende schlossen sich Organisationen von Museen zusammen, um sich der Frage zu widmen, was man aus dem Osten übernehmen könne. Die Übernahme des, im Osten schon regelmäßig stattfindenden Internationalen Museumstages schien ihnen ein willkommenes Ereignis, das man gerne übernehmen wollte. Das war in 1999. Ein Jahr später, im Jahr 2000, fand dann auch im Westen endlich ein Internationaler Museumstag statt. In Hessen findet dieser in seiner Form, wie er heute ausgerichtet wird, zum 18. Mal statt. Seine Auftaktveranstaltungen werden in immer wechselnde Städte verortet, immer dort, wo es in der dortigen Museumslandschaft Veränderungen gibt, neue Ausstellungen oder Museen eröffnet werden. Inzwischen hat der Internationale Museumstag seinen festen Platz im Veranstaltungskalender der Städte und Gemeinden. Seine Ausrichtung bei freiem Eintritt, ermöglicht allen Personengruppen den Zugang zur Museumsarbeit.
Der Internationale Museumstag steht in Deutschland unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Bundesrates und wird vom Deutschen Museumsbund in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit ICOM Deutschland, den regionalen Museumsorganisationen und den Stiftungen und Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe koordiniert.
Wurzel: Besonderheit der Ausstellung liegt im Vereinen von Erinnerung, Objekthaftigkeit und Aktualität
Der Vorsitzende des Deutschen Museumsverbandes, Dr. Thomas Wurzel, begreift die Sonderausstellung, die anlässlich des Internationalen Museumstages in Fulda gezeigt wird, als eine außerordentlich interessante Ausstellung, da sie gleich mehrere Dinge, die Museen leisten können, miteinander verbindet. Da wäre einmal die Erinnerung an ein, an und für sich etwas Vergessenes, die Objekthaftigkeit, die wesentlich ist für die Existenz von Museen, und die Aktualität, der eigentliche Anspruch von Museen, der darin liegt, Bezüge herzustellen zwischen der Herstellung, der Erzeugung und dem Vorhandensein von Objekten. Doch sollte man als Rezipient dabei nie den gesellschaftlichen Kontext gänzlich ausblenden. Im Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ sieht Wurzel für Rezipienten die ideale Anleitung zur Erschließung des Kunstwerks bzw. des Objekts. Salopp formuliert: beim diesjährigen Internationalen Museumstag ist der Name Programm.
Schamberger: Digitalisierung in der Museumsarbeit auch als Chance begreifen!
Auf die Digitalisierung in Museen angesprochen, die für ein Museum durchaus Chancen birgt, positionierte sich der Museumsleiter des Deutschen Feuerwehr-Museums Fulda, Rolf Schamberger: „Wir sind eines der ersten Museen gewesen, die sich bewusst für einen Facebook-Auftritt entschieden haben. Mittlerweile ist Facebook ein Social Media für die Silver Surfer. Auf der einen Seite sind solche Kanäle eine gute Möglichkeit, wenn es um die Vermittlung von Kunst geht, da sie Menschen das, was in einem Museum passiert, vermitteln. Insofern bergen Social Media Chancen, aber man darf nicht die Zeit, die man aufbringen muss, um solche Kanäle niveauvoll zu betreiben, vergessen. Digitalisierung im Museum bedeutet aber auch, dass man versucht, in diese Multimedia hineinzubringen, dies aber sparsam dosiert und nur so viel, dass man die Sprache junger Menschen anspricht. Keinesfalls wollen wir, dass die jüngere Generation mit ihrem Smartphone durchs Museum geht und alle QR-Codes scannt, um sich zuhause mit dem Objekt auseinandersetzt. Ziel, wenn man ins Museum geht, sollte immer noch die bewusste Auseinandersetzung mit dem Objekt, mit dem Original, vor Ort sein, das ist letztendlich auch das, was ein Museum ausmacht.“
Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld hob gestern die Bedeutung von Museen hervor. In diesem Kontext erinnerte er auch an die, in der Region ansässigen Museen, wie beispielsweise das städtische „Vonderau Museum“, die „Kinder-Akademie Fulda“ in Fulda, das „Konrad-Zuse-Museum“ in Hünfeld oder das „Schloss Fasanerie“ in Eichenzell. „Der Internationale Museumstag kann die Museen in ihrem Wert und ihrer Bedeutung an diesem Tag ganz besonders in den Fokus rücken.“, so Wingenfeld in der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des Internationalen Museumstages in Fulda sowie der Ausstellungseröffnung der Sonderausstellung im Deutschen Feuerwehr-Museum Fulda. „Aber auch darüber hinaus, müssen wir zukünftig nach neuen Mitteln und Wegen suchen, um die Menschen ins Museum zu bringen.“
Der Bereitschaftsleiter des DRK-Kreisverbandes Fulda, Christian Erwin, unterstrich bezugnehmend auf das bevorstehende Familienfest, der „Roter Sommer“, am 12. und 13. Mai die vorzügliche Zusammenarbeit mit dem benachbarten Deutschen Feuerwehr-Museum Fulda. Die Idee zur Namensgebung des Familienfestes entstand im gemeinsamen Brainstorming, als man sich der Frage widmete: was ist uns gemein und verbindet uns? – die Farbe Rot. So kommt diese nicht nur im Namen „Deutsches Rotes Kreuz“ vor, sondern auch in der gedanklichen Assoziation von Feuer. Der Name zum Familienfest war geboren.
Sonderausstellung „Der Luftschutzhilfsdienst (LSHD) 1957 – 1968 – Ein ungeliebtes Kind des Kalten Krieges“
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 konnten die Bürger auf dem Territorium der heutigen BRD ohne unmittelbare Konfrontation mit kriegerischen Einwirkungen leben. Diese, über sieben Jahrzehnte andauernde Phase war jedoch mehr als einmal bedroht. Deshalb hatte man den Luftschutzhilfsdienst 1957 ausschließlich für den Schutz der Zivilbevölkerung im militärischen Verteidigungsfall ins Leben gerufen. Als ein besonderer Aspekt des zivilen Bevölkerungsschutzes ist er mittlerweile seit einem halben Jahrhundert Geschichte. Angesichts der aktuellen, geopolitischen Spannungen regt die thematische Auseinandersetzung mit dem Luftschutzhilfsdienst jedoch sehr zum Nachdenken an. Gleichzeitig unterstreicht diese Sonderausstellung augenscheinlich die gesellschaftspolitische Rolle, die Museen mit ihren Themen einnehmen können.
Für den Luftschutzhilfsdienst waren große Mengen an hochwertigster, technischer Ausstattung beschafft worden, jedoch konnte die vorgesehene Zeit an freiwilligen Helfern nicht einmal ansatzweise angeworben werden. Die Menschen verdrängten eine atomare Bedrohung in den sogenannten „Wirtschaftswunderjahren“ nach dem Schrecken des zweiten Weltkrieges. Die Perspektive, nur in einem Kriegsfall von eher apokalyptischem Ausmaß zum Einsatz kommen zu können, war deshalb wohl keine ausreichende Motivation für ein kontinuierliches, ehrenamtliches Engagement.
Das umfangreiche Material selbst durfte nicht im Rahmen der Bewältigung einer sonstigen Katastrophenlage, wie Hochwasser, Erdbeben, Explosion eines Chemiewerkes etc. herangezogen werden. 1962 geschah es dann doch – wenn auch widerrechtlich – in Folge der verheerenden Flutkatastrophe in Hamburg und es setzte ein Prozess des Umdenkens ein. 1868, d.h. vor genau 50 Jahren, wurde die Auflösung des Luftschutzhilfsdienstes beschlossen und seine Bestände in den erweiterten Zivilschutz überführt, der für alle Belange ziviler Notstände zuständig war. 1972 gilt dann als der definitivere Endpunkt für die Abwicklung des Luftschutzhilfsdienstes.
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) für historischen Luft- und Katastrophenschutz widmen sich seitdem in privater Initiative um die Erhaltung des materiellen Erbes dieses, fast vergessenen Kapitels der jungen Bundesrepublik. Der Aufbau der Ausstellung orientiert sich an Präsentationen, wie sie der Luftschutzhilfsdienst zwischen 1957 und 1968 vielerorts zur Information der Bevölkerung veranstaltet hat und lädt damit zu einer anschaulichen Zeitreise ein. Ohne dieses, vorbildliche, historische Engagement der IG, das auf einem hohen Niveau Zeitgeschichte dokumentiert, wäre diese museale Schau nicht möglich gewesen.
Als großzügig inszeniertes „Passepartout“ für die Ausstellungseröffnung, dient das 12. Museumsfest, das unter dem Motto „Roter Sommer“ bereits am Vortag beginnt. +++ jessica auth
Das könnte Sie auch interessieren
RhönEnergie und Kommunen warnen vor Wasserengpass: Verbrauch liegt bereits 40 Prozent über dem Durch...
SPD-Kreistagsfraktion sieht in Tante Enso Modell für die Nahversorgung im ländlichen Raum
Point Alpha zieht positive Bilanz: Mehr Schulklassen, starke Besucherzahlen und Auszeichnungen im Ju...
Fuldaer Caritas gratuliert Sr. Dr. Katharina Ganz zur Wahl an die Spitze des Deutschen Caritasverban...

Hinterlasse jetzt einen Kommentar