Frankfurt/Main. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die vom zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil erhobenen Rassismus-Vorwürfe zurückgewiesen. Dies gelte mit Blick auf die „Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung, die am Montagnachmittag verbreitet wurde. Es gehöre für den DFB „auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen“, so der DFB. Özil hatte am Vortag seinen Rücktritt aus der DFB-Elf erklärt und heftige Vorwürfe erhoben, nicht nur gegen den DFB, sondern auch gegen Medien und Sponsoren. Ursprünglicher Auslöser des Eklats war ein Foto, dass Özil kurz vor der WM zusammen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan aufgenommen hatte.
Klingbeil hat Verständnis für Özil
SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat sich bestürzt über den Rücktritts Mesut Özils aus der Fußball-Nationalmannschaft gezeigt und Verständnis für dessen Begründung geäußert. „Es ist ein schwerwiegender Vorgang wenn ein deutscher Nationalspieler zurücktritt, weil er den offenen Rassismus, der gegen ihn vorgebracht wird, nicht mehr erträgt“, sagte Klingbeil dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Wer das nun mit Verweis auf das Erdogan-Foto verharmlost oder gar rechtfertigt, macht einen großen Fehler“, fügte Klingbeil hinzu. „Rassismus ist Gift für unsere Gesellschaft und darf nirgendwo geduldet oder unterstützt werden“, sagte er.
Linke-Chef Riexinger fordert Rücktritt von DfB-Präsident Grindel
Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, hält die Forderungen nach einem Rücktritt von DFB-Präsident für berechtigt. „Grindel torpediert durch seine Äußerungen ein wichtiges Integrationsprojekt des DFB. Die Forderungen nach seinem Rücktritt sind von daher berechtigt“, sagte Riexinger dem „RND“. Der Linke-Chef kritisiert jedoch auch die Aussagen von Fußball-Profi Mesut Özil. „Özil lässt die nötige Reflexion im Umgang mit einem Autokraten, der Andersdenkende ins Gefängnis steckt, vermissen – das tun Sigmar Gabriel und Angela Merkel allerdings ebenfalls, indem sie Erdogan regelrecht hofierten“, so Riexinger.
Zentralrat der Muslime nennt Umgang mit Özil „niederträchtig“
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat den Umgang der Öffentlichkeit mit Mesut Özil scharf kritisiert. „Man kann das mit dem Foto kritisch bewerten, habe ich übrigens auch seinen nachträglichen Umgang damit ebenso“, sagte Mazyek dem Portal „t-online.de“. „Aber was sich an Bergen von Respektlosigkeit, Vorurteilen und Rassismus danach über den Weltmeister und einen der Besten unserer Mannschaft ergoss, ist beispiellos, niederschmetternd und niederträchtig.“ Özil hatte am Sonntag nicht nur seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, sondern auch der DFB-Spitze sowie Medien und Sponsoren Rassismus und Diskriminierung vorgeworfen. +++

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