Deutschlandfunk-Intendant: “In der Tat weniger Gespräche mit Vertretern der Linkspartei geführt”

Linke

Fulda/ Berlin. Das Online Journal “Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung” hat Anfang April ein besonders auffälliges Ergebnis seiner monatlichen Medienanalyse zum Anlass genommen, einen offenen Brief an den Intendanten des Deutschlandfunks, Willi Steul, zu richten. “Können Sie mir erklären, warum der Deutschlandfunk im ersten Quartal des laufenden Jahres 43 Interviews mit Politikern der Grünen geführt hat, aber nur 11 Interviews mit Politikern der Linken?”, fragte der Journalist und Herausgeber von “Wirtschaft und Gesellschaft”, Thorsten Hild, darin.

In seinem Antwortschreiben attestiert Steul mit Verweis auf Recherchen in seinem Haus, dass mit Vertretern der Linkspartei “in der Tat weniger Gespräche geführt” worden seien als mit Politikern der Grünen bzw. der SPD oder der Union. Steul versucht dieses Ergebnis mit verschiedenen Erläuterungen zu begründen: “Ich weiß, wie gewissenhaft die Mitarbeiter der Kölner aktuellen Information arbeiten und ich kann Ihnen versichern, das bei der Auswahl eines Interviewpartners rein inhaltliche Kriterien angelegt werden, z.B.: Zu welchem tagesaktuellen Thema kann wer zur weitergehenden Information etwas sagen? Welche Partei setzt welche tagesaktuelle Thematik?” Steul weiter: “Manchmal entscheidet sich alles an der Frage: Wer sagt am Ende zu und steht zu einem Gespräch zur Verfügung? Auch wenn wir im Deutschlandfunk aufgrund unserer langjährig nachgewiesenen Qualität der Information das Privileg haben, dass Politiker gerne Interviews mit uns führen, kommt es doch auch vor, dass wir eine Absage erhalten.” Steul hat dennoch wohl die Brisanz des Themas erkannt, wenn er versichert: “Nichtsdestotrotz werde ich Ihre Anfrage zum Anlass nehmen, Ihr Anliegen noch einmal zu thematisieren.”

Auf Nachfrage von fuldainfo erläuterte Hild das Motiv seiner Recherche: “Die Medienpräsenz von Parteien ist eine entscheidende Größe dafür, wie demokratisch und wie ausgewogen die Meinungsbildung in der Bevölkerung beeinflusst wird. Vor einer Bundestagswahl oder vor der jetzt anstehenden Europawahl kommt diesem Sachverhalt umso mehr Bedeutung zu. Der Deutschlandfunk bezeichnet sich selbst als das mit Abstand reichweitenstärkste Informationsprogramm in der Bundesrepublik. Daher liegt es nahe, dort auf die Ausgewogenheit der Berichterstattung ein besonderes Augenmerk zu richten. Erst jüngst hat das Bundesverfassungsgericht im Fall des ZDF-Staatsvertrages entschieden, dass der Einfluss der Politik auf die öffentlich-rechtlichen Medien reduziert werden muss. Ein wesentlicher Gesichtspunkt war dabei die ´Vielfaltsicherung´: ´Das Grundrecht der Rundfunkfreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG)´, so das Bundesverfassungsgericht, ´verlangt für die institutionelle Ausgestaltung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine durchgehende Orientierung am Grundsatz der Vielfaltsicherung.´ Vor diesem Hintergrund hat das Bundesverfassungsgericht eine konsequente Begrenzung des Anteils staatlicher und staatsnaher Mitglieder in den Aufsichtsgremien verlangt.”

Ganz zufrieden war Hild mit der Antwort Steuls dann auch nicht. In seinem ebenfalls heute veröffentlichten Antwortschreiben an den Intendanten des Deutschlandfunks heißt es: “Ob ein Politiker zu einem tagesaktuellen Thema etwas zu sagen hat, lässt sich ja erst gewissenhaft durch ein Interview herausfinden. Sollte sich ein Politiker – alle Fraktionen im Bundestag oder im Europaparlament haben ja gleichermaßen gewählte Fachpolitiker – darin dann den gewählten Fragen Ihrer Moderatoren nicht gewachsen fühlen, ist das ja auch eine Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer, aufgrund derer diese sich ein Urteil bilden können. In diesem Zusammenhang ist mir übrigens schon häufiger aufgefallen, dass in einigen Fällen zu ein und demselben Thema oder Themenkreis immer wieder dieselben Abgeordneten des Bundestags oder des Europaparlaments zu Wort kommen, so zum Beispiel, besonders auffallend, Michael Fuchs oder Marieluise Beck. Beide vertreten – nur beispielhaft – gewissermaßen Extrempositionen auf ihren Gebieten. Dagegen ist in meinen Augen nichts einzuwenden. Es fehlt ja häufig gerade an Reibungspunkten. Nur sollten dann auch entsprechende Pendants zu Wort kommen.”

Hild findet jedoch auch anerkennende Wort, wenn er abschließend festhält: “Bei all der ausgesprochenen Kritik nutze ich diese Gelegenheit jedoch auch gern, um das Niveau des Deutschlandfunks zu loben. Nur fehlt es zuweilen eben, wie erläutert, an politischer Ausgewogenheit. Das würde ich genauso öffentlich bemängeln, würde der Deutschlandfunk nun dazu übergehen, überwiegend Politiker oder andere Ansprechpartner aus dem linken Spektrum zu Wort kommen zu lassen. Diese Gefahr der Einseitigkeit scheint mir aber in den deutschen Medien generell nicht gegeben.” +++ fuldainfo

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1 Kommentar

  1. Dennoch ist der Deutschlandfunk der beste Informationssender, den wir haben. Andere Länder beneiden uns darum. Wer täglich die ausführlichen Nachrichten im DLF hört, kann sich “heute” oder die “Tagesschau” getrost ersparen. Hinzu kommen hervorragende Hintergrundinformationen, die man sonst nirgends bekommt. Sehr empfehlenswert!

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