Der einzge Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist

Herr Richter, ich bekenne mich schuldig: Ich fahre einen SUV, habe gestern Morgen in meinem Kamin Holz verbrannt und abends ein südamerikanisches Steak gegessen. Damit habe ich meinen persönlichen ökologischen, biologischen und auch klimatologischen Fußabdruck gänzlich und sehr zum Missfallen meiner Mitmenschen verformt, missbraucht – oder was macht man eigentlich mit diesem „Fußabdruck“? Ich sehe böse Blicke auf mich gerichtet, die mir vorwurfsvoll suggerieren, dass ich die Zukunft ihrer und meiner Kinder mit meiner rücksichtslosen Art zu leben auf das Spiel setze.

Interessanterweise kenne ich einige dieser Kritiker persönlich. Es handelt sich ausnahmslos um Menschen, mit denen man zwar gut ein Bier zusammentrinken, über Fußball oder auch über Kochrezepte sprechen kann – aber keinesfalls über zeitkritische Themen wie das Klima. Dann wird das „Maschinengewehr“ herausgeholt und das Trommelfeuer auf alles, was nicht bis drei auf den Bäumen ist, eröffnet. Ohnehin steht ja meine Generation am Pranger. Denn eigentlich ist alles, was wir heute so treiben, in irgendeiner Weise klima- oder gesellschaftsschädigend.

Doch wenn ich mir den Hintergrund dieser Kritiker näher anschaue, merkt man einmal mehr, dass Menschen einfach am liebsten mit Fingern auf andere zeigen, sich selbst aber so gut wie gar nicht hinterfragen. Da gibt es die Flugreisen-Verweigerer, die aber täglich ihre Kinder mit dem VW-Familienbus zum 800 Meter entfernten Bahnhof fahren. Die in der Schulauswahl oder der Wahl des notwendigen Turn- oder Musikgruppe auch weit entlegene „Ausbildungs-Orte“ in Kauf nehmen – natürlich zugunsten der besseren Karriere-Chancen ihrer Kinder.

Da gibt es den Super-Kritiker, der sich in Diskussionen als Klima-Held in Szene setzt, um selbst aber Jahr für Jahr in die Sonne zu fliegen, Fotos von seinen diversen südamerikanischen Fleischspezialitäten postet oder auch mal gern mit dem australischen Rotwein vor dem Kaminfeuer posiert. Zudem findet er Ferrari-Autos einfach nur geil, aber SUV-Fahrern geht er verbal, medial oder auch „literal“ an die Gurgel. Ja, man kritisiert gern all dies, was man selbst nicht hat oder macht.

Oder nehmen Sie die Freunde des schulfreien Freitags: Sie demonstrieren lauthals dafür, dass wir nur noch Fahrrad fahren, um selbst mit dem Kreuzfahrtschiff auf Klassenfahrt zu gehen. Sie streamen in der Cloud die geilsten Spiele, ohne nach dem Stromverbrauch zu fragen. Sie fahren E-Scouter, ohne darüber nachzudenken, wie denn die Akkus hergestellt werden. Und Laufstrecken zur Schule, wie sie für meine Generation selbstverständlich waren, sind heute per Fuß einfach nicht mehr zu schaffen. Ich mache den jungen Menschen deswegen keinen Vorwurf. Schließlich haben wir alle unseren Teil dazu beigetragen, dass sie heute so sind wie sie sind. Aber auch sie sollten Dinge mal nach hinten raus durchanalysieren.

Übrigens träume auch ich von emissionsfreien Autos und Flugzeugen, die am besten Sauerstoff in die Atmosphäre pusten. Ich wünsche mir energie-autarke Häuser, die ihren Bedarf selbst aus der Kraft der Sonne oder des Windes decken. Doch all dies erfordert noch immense Investitionen und Technologie-Sprünge. Dazu muss man Geld in die Hand nehmen, das aber nur mit einer florierenden Wirtschaft in die Firmen- und Staatskassen gelangt.

Wenn wir in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren nur noch mit Elektroautos unterwegs sein wollen, müssen wir wissen, wieviel Energie wir für das Tanken der Fahrzeuge benötigen, wie wir diese Energie erzeugen und vor allem speichern. Wenn wir nämlich dafür Kohle oder Gas verbrennen, beißt sich die Katze in den Schwanz. Außerdem müssen wir über die Produktion der Akkus nachdenken, die aktuell alles andere als klimafreundlich erfolgt. Vielleicht könnte man diesbezüglich auch noch einmal über eine Teil-Amnesie der Dieselfahrzeuge nachdenken, die ja bislang zwar Feinstaub, aber kein CO2 ausstoßen. Nur mal so als Anregung.

Ich wünsche mir jedenfalls kein „Zurück in die Vergangenheit“, sondern vielmehr ein „Zurück in die Zukunft“. Probleme und Missstände erkennen, ist das eine, die Art und Weise, diese aus dem Weg zu räumen, ist das andere. Wir Menschen sind in der Lage, für fast alles Lösungen zu entwickeln. Wenn wir forschen, entwickeln und optimistisch in eine noch modernere Zukunft blicken. Davon bin ich zutiefst überzeugt. +++ jürgen schmitt

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