Delegierte aus dem Bistum Fulda debattierten über kirchliche und politische Lage

Von sexueller Gewalt in der Kirche Betroffene sprechen vor dem Plenum

Foto: privat

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken traf sich zur digitalen Frühjahrs-Vollversammlung. Für den Katholikenrat im Bistum Fulda nahmen die Delegierten Bettina Faber-Ruffing, Steffen Flicker und Marcus Leitschuh teil. Schwerpunkte war die Situation der Kirche in Deutschland und die Situation der Missbrauchsaufarbeitung.

„Das Galiläa von heute ist die Welt der Suchenden“ – Tomas Halik ermutigte zum Engagement

Den Globalisierungsprozess als einen Prozess der Suche nach Gemeinschaft zu begleiten sieht der tschechische Religionsphilosoph und Priester Tomas Halik als wesentliche Aufgabe der Kirche heute. Dazu brauche es eine ökumenische Spiritualität, die Gruppenegoismen überwinde. Im Sinne der Katholizität müsse das Christentum ein universelles Angebot machen, die Abgrenzung von der Welt sowie anderen Religionen und Konfessionen führe in eine Sackgasse. Marcus Leitschuh (Kassel) fühlt sich in seinem Engagement für die Kirche bestätigt: „Der Vortrag von Tomas Halik hat mich tief beeindruckt. Sein Vergleich der leeren Kirchen mit dem leeren Grab Jesu ist ein unglaublich starkes Bild. Tomas Halik hat uns aufgefordert als Verbände, Diözesanvertreter und Einzelpersönlichkeiten im ZdK weiterhin unsere Stimme in Kirche und Gesellschaft zu erheben. Politische Ignoranz bezeichnete er sogar als Sünde.“ Halik sah den Synodalen Weg als ein mutiges Zeichen des Aufbruchs hin zu notwendigen Reformen institutioneller Strukturen und Teilen des Kirchenrechts.

Von sexueller Gewalt in der Kirche Betroffene sprechen vor dem Plenum

Erstmals sprachen in der Vollversammlung von sexualisierter Gewalt Betroffene und vermittelten bewegende Eindrücke. Bettina Faber-Ruffing (Flieden): „Ich bin tief erschüttert. Ein theoretisches Wissen um den Missbrauch ersetzt nicht eine Begegnung mit den Opfern. Der von Johanna Beck aus dem Betroffenenbeirat geprägte Ausdruck „Co-Klerikalisten“ hat mich noch einmal darauf aufmerksam gemacht, wie viele überall weggeschaut und so Missbrauch begünstigt haben. Johannes Norpoth erweiterte das Sprichwort von dem ganzen Dorf, das es brauche, um ein Kind zu erziehen, auf das Bild des ganzen Dorfes, das es ebenso benötige, um ein Kind zu missbrauchen. Wirklich alle, neben den Bistumsleitungen auch die Kirchengemeinden, die Verbände, Institutionen, das ZdK, sind zur Solidarität mit den Opfern sowie zur Aufarbeitung und Prävention des Missbrauchs verpflichtet.“

Im ZdK ist im Januar eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die am Aufarbeitungsprozess mitwirken, aber als Vertretung der Laien auch selbst Verantwortung übernehmen will. In Bezug auf die gegenwärtige Pandemie verabschiedeten die Delegierten einen Antrag zu umfassender Solidarität. Ein Krisenende könne nur in weltweiter Gemeinschaft erreicht werden. Sowohl bei der Verteilung der Impfstoffe, Medikamente wie auch dem erwarteten post-COVID- Aufschwung sollen internationale Netzwerke agieren. Dazu meinte Steffen Flicker: „Als Christ lebe ich weltweit in geschwisterlicher Gemeinschaft. Ein egoistisches und nur auf nationale Interessen ausgerichtetes Handeln entspricht nicht der Botschaft des Evangeliums. Globale Krisen können auch nur global gelöst werden.“

Ein weiterer Antrag fordert die Bundesregierung dazu auf, sich verstärkt mit dem Thema Weibliche Genitalverstümmelung zu befassen. Trotz des seit 2013 geltenden Verbotes bewegt sich die Zahl der von dieser Menschenrechtsverletzung betroffenen Frauen und Mädchen in Deutschland bei ca. 50.000. „Wir brauchen eine Enttabuisierung dieses Themas verbunden mit einer breiten Fortbildungs- und Aufklärungspalette auf verschiedenen Ebenen, um die Gesundheit und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen wie die Verbesserung ihrer ganzen Lebensqualität zu gewährleisten“, erklärte Faber- Ruffing. In seinem Bericht zur Lage erinnerte der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, an die Aufgabe des ZdK, christliche Werte in die Politik und Gesellschaft hineinzutragen sowie besondere Solidarität zu üben. Zur Optimierung dieses Auftrages wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Reformierung des ZdK, das 2022 von Bonn nach Berlin umzieht, befassen soll. Sternberg kündigte an, im November für die nächste Amtsperiode als Präsident nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Schaut hin – ÖKT steht unmittelbar bevor

Besondere Wertschätzung erfuhr auch der vom 13. bis 16. Mai stattfindende ÖKT, der dazu auffordert, sich dezentral in den unterschiedlichsten Formaten ökumenisch zu begegnen oder auch an den vielfältigen digitalen Angeboten teilzunehmen. „Ich freue mich besonders auf die Uraufführung des Oratorium EINS am Freitagabend nach der Ansprache des Bundespräsidenten“, sagte Faber- Ruffing, die als Mitglied des Präsidiums des ÖKT das mit gastgebende Bistum Fulda vertreten hat. „Ich lade herzlich ein, den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt in der ARD und den Schlussgottesdienst im ZDF sowie digital bei Vorträgen, Konzerten und Bibelarbeit auf www.oekt.de mitzufeiern!“ +++ pm

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