Das macht mich froh – Ein Land, wo Milch und Honig fließt…

Es ist jedenfalls kein Selbstläufer

Seit Menschen in irgendeiner Form „aufgeklärt“ sind, machen sie sich Gedanken darüber, welche Gesellschaftsform denn die beste und gerechteste ist. Zumindest war rasch allen klar, dass die Zeiten von Königen, Imperatoren und Diktatoren nicht gerade dem Gemeinwohl dienten. Denn diese strebten meistens mit Gewalt danach, ihre jeweiligen Herrschaftsbereiche zu erweitern, um dann die eroberten Gebiete und vor allem Menschen auszubeuten. Es gab zwischendurch aber auch gemäßigte Zeiten, in denen lediglich der „Zehnt“ als Abgabe an die jeweiligen Herrscher abgeführt werden musste. Doch auch das war nicht immer ein Zuckerschlecken, da das Klima ähnlich unbeständig wie heute war und somit die Ernten nicht immer so ausfielen, dass man locker den zehnten Teil abgeben konnte. Auf Deutsch gesagt: Es war eine Sch…Zeit.

Im aufgeklärten Zeitalter hat man dann so einiges versucht: Sozialismus, Kommunismus und vor allem auch Demokratie. Denn Sozialismus und Kommunismus drifteten alsbald wieder in die alten Strukturen zurück, wo sich eine Herrschaftsgilde etablierte, die zum Teil in Saus und Braus lebte, während das Volk zwar weitgehend gleichgeschaltet war, allerdings auf wirtschaftlich sehr niedrigem Niveau. Man lebte mehr oder weniger weiterhin von der Hand in den Mund. Dennoch gibt es auch heute hierzulande Menschen, die diese Gesellschaftsformen glorifizieren und ihnen zum Teil sogar nachtrauern. „Es gab so wenig Neid“, „das Miteinander war viel besser“, „man hatte mehr Zeit“ etc. Klar, wenn alle nichts haben, kommt auch kein Neid auf.

Der Kapitalismus wiederum wird verteufelt, weil er zu erheblichen Unterschieden zwischen arm und reich führt. Zwar können selbst Sozialromantiker kaum abstreiten, dass die Fortschritte im Gesundheitswesen, in der Technologie und sogar dem breiten Wohlstand insgesamt auf breiter Front gewaltig höher sind als bei allen anderen bisherigen Versuchen, wie eine Gesellschaft am besten funktionieren könnte, doch irgendwie fehlt dabei vielen Menschen die Gerechtigkeit. Sie träumen weiter von einem Land, wo Milch und Honig für alle Menschen gleichmäßig fließt. Doch wie soll das funktionieren?

Fakt ist: Würde man alles Geld, alle Güter, alle Werte, alle Grundstücke etc. der Welt zusammennehmen und an alle Menschen gleichmäßig verteilen, käme es in einer liberalen und freien Welt schon nach den ersten Stunden zu Unterschieden, die sich spätestens nach einer Woche schon deutlich ausweiten würden. Was damit zusammenhängt, dass Menschen einfach unterschiedliche Motivationen, Eigenschaften und Fähigkeiten haben. Und es würde kein Jahr dauern, bis die ersten Menschen schon wieder Ungerechtigkeiten ausmachen würden. Wenn ein Staat aber immer dafür sorgen würde, dass alle Menschen gleichgestellt bleiben, würde die Motivation fehlen, durch Fleiß, Arbeit, Forschung und Entwicklung Fortschritte zu erzielen. Selbst der motivierteste Ingenieur würde sich irgendwann doof vorkommen, wenn er sich den Kopf zerbricht und viele Stunden arbeitet, um am Ende genauso so gestellt zu sein, wie der 16-Stunden-Dauergast im Stadt-Café, Freibad oder im Biergarten.

Ich behaupte sogar, dass die Möglichkeit, unterschiedliche Lebensverhältnisse zu erreichen, die Grundmotivation ist, die unserer modernen Gesellschaft zu Fortschritten verhilft. Im Wesentlichen geht es dabei um das Belohnungsprinzip. Wo hohe Belohnungen und monetäre Anreize winken, ist die Motivation für Menschen am höchsten, zu lernen, zu studieren und zu arbeiten? Natürlich gibt es auch Menschen, die wenig monetär getrieben sind. Sie streben nicht nach Fernreisen, teuren Autos, einer Eigentumswohnung oder einer Villa am Stadtrand. Nein, sie sind auch mit weniger zufrieden und freuen sich einfach darüber, dass sie auf einem soliden Grundniveau über die Runden kommen. Darüber hinaus gibt es ganz klar auch Benachteiligte, die entweder gesundheitliche Probleme haben, Lernschwächen haben oder aus gesellschaftlichen Schichten kommen, die ihnen den Zugang zu Bildung und Weiterentwicklung deutlich erschweren.

Die Idee der „Sozialen Marktwirtschaft“ war die, die Vorteile des Kapitalismus und der Marktwirtschaft bestmöglich zu nutzen, ohne die Schwachen der Gesellschaft zu vergessen. Für mich nach wie vor die bislang beste Idee für ein gesellschaftliches Miteinander. Was dem Erfolg dieser Gesellschaftsform im Weg steht, sind dabei Exzesse in die eine oder andere Richtung. Dazu gehören Neid ebenso dazu wie Kritik an den jeweiligen Lebensgrundeinstellungen und das Ausnutzen des sozialen Sicherheitsnetzes. Auf der anderen Seite muss dieses System in einer globalisierten Welt Unternehmern und Unternehmen möglichst viele Freiheiten und ein bestmögliches Wettbewerbsumfeld zur Verfügung stellen, um auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass die unteren Schichten vom Erfolg der oberen Schichten profitieren – vor allem dann, wenn diese selbst wichtige Beiträge zum Wohl der Gesellschaft leisten.

Um das wieder bestmöglich zu erreichen, brauchen wir einen gesellschaftlichen „Schulterschluss“, der aber auch ein uneingeschränktes Bekenntnis zu unserer modernen aufgeklärten Lebensweise, zu Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung und auch zu Recht und Ordnung bedingt. Der gegenwärtige Frust vieler Menschen auch in den Sozialen Medien hängt aus meiner Sicht in erster Linie damit zusammen, dass sie genau diese Bekenntnis und vor allem Überzeugung zum einen bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund, zum anderen aber auch bei rechtsradikalen Ausländerhassern vermissen.

Ein Land, in dem für alle Milch und Honig fließt, ist jedenfalls kein Selbstläufer. Man muss immense Anstrengungen unternehmen und ebenso immense Anforderungen an die Menschen dieses Landes stellen, um diesem Ziel einigermaßen näher zu kommen. Also eine Illusion? Ich glaube nicht. Auf lange Sicht sind wir Menschen sogar auf dem Weg dahin. Wenn man mal die Scheuklappen ablegt und sich die Fortschritte der letzten Jahrzehnte vor Augen führt, geht es immer zwei Schritte vor und einen zurück – mit der Tendenz, dass es einem immer größeren Prozentsatz der Menschen besser geht als je zuvor.

PS: Irgendwie fehlt mir heute der Humor bei diesen Gedanken. Liegt vielleicht einfach daran, dass ich noch leicht durchgefroren bin vom gestern eher nasskalten Sommer. +++ jürgen schmitt

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