Caritas-Präsident Neher: „Die Politik agiert nur zögerlich“

Fulda. Vom 14. bis 16. Oktober tagte die 14. Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes e. V. in der Orangerie. Bei der gestrigen Abschlusskonferenz referierten Caritas-Präsident Prälat Dr. Peter Neher, Generalsekretär Prof. Dr. Georg Cremer, sowie Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch über angestrebte Neuerungen in der Sozialpolitik. Welche Auswirkungen die Veränderung der Altersstrukturen der Bevölkerung haben wird, wie diese aufbauend gestaltet werden können und welchen Beitrag die Caritas hierzu leisten kann, rückte bei der diesjährigen Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes e. V. in den Fokus. Die Delegiertenversammlung ist das höchste beschlussfassende Verbandsorgan der Caritas in Deutschland. Sie umfasst bis zu 199 Delegierte, die alle Mitgliedsgruppen des Verbandes repräsentativ vertreten. Die Delegiertenversammlung tritt in der Regel einmal jährlich im Oktober zu einer dreitägigen Konferenz zusammen.

In der dreitägigen Tagung beschäftigte man sich mit Fragen, die sich rund um den Demografischen Wandel in Deutschland drehten und dieser Caritas-Präsident Neher, als ein wichtiges, sozialpolitisches Thema in den kommenden Jahren erachtet. Sind Lebensmittelausgaben durch Tafeln der richtige Weg, um Armut in Deutschland zu lindern? Desweiteren stellte man sich die Frage, nach der Vernetzung diese Tafeln mit sozialen Diensten. Wenn bürgerliches Engagement als eine Kultur der Mitverantwortung verstanden wird, was bedeutet dies für die Rahmenbedingungen, um diese Mitverantwortung zu stärken? Auch wurde sich auf der Tagung die Frage gestellt, wie Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen werden und was die Caritas vor Ort leistet, um diese Menschen zu begleiten.

Nach kurzen Begrüßungsworten durch den Vorsitzenden, Präsident Dr. Peter Neher, sprach man über den Demographischen Wandel, wichtiges Zukunftsthema in Deutschland und welche die Caritas e. V. vor neue Herausforderungen stellt. Durch einen stetigen Bevölkerungsrückgang und der damit einhergehende Alterungsprozess, sowie der Anstieg von Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund, wird es in Zukunft zu sichtbaren Veränderungen kommen. Dies könnten Veränderungen beispielsweise bei der Energie- und Wasserversorgung, der Post- und Telekommunikation, bei Verkehr, Kultur sowie bei sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen sein. Schon jetzt wird deutlich, dass in einigen ländlichen Regionen schrumpfende und überwiegend ältere Bevölkerung den Staat bzw. die Kommunen, aber auch Verbände wie die Caritas, vor neue Herausforderungen stellt. Dies kann man beispielsweise im Bereich des öffentlichen Verkehrs, aber auch bei der Gesundheit und Pflege, entnehmen.

Im Kommenden Jahr werden wir uns daher in besonderer Weise, mit der Zukunft auf dem Land beschäftigen. Demnach wird die Caritas- Kampagne 2015, Projekte und Modelle vorstellen, mit denen die Caritas vor Ort auf die veränderten Bedingungen, im ländlichen Raum, reagiert und teilweise auch die Auswirkungen auf die Städte aufgreift. Involviert ist diese Kampagne in die Caritas-Initiative „Den Demografischen Wandel gestalten“, mit diesem wir uns in den Jahren 2015-2017, mit grundlegenden Fragen der demografischen Entwicklung, auseinandersetzen und Lösungsansätze entwickeln wollen, so Präsident Neher.

Desweiteren tauschte man sich in der Abschlusskonferenz über Lebensmittelausgaben und Tafeln aus. In diesem Kontext, setzt sich die Caritas für eine sozialstaatlich garantierte Existenzsicherung ein. Präsident Neher betont, dass viele Menschen, die am Existenzminimum leben, auf eine solche Unterstützung angewiesen sind. Zum anderen wird hier das große Engagement von Bürgerinnen und Bürgern sichtbar, den Menschen in Not helfen zu wollen. Ein weiteres Thema, worüber man sich austauschte, betrifft das Bürgerschaftliche Engagement. Wo immer man von eherenamtlicher Arbeit hört, so korreliert damit, fast immer auch eine Negation. Eine Negation, die den Eindruck vermittelt, der Sozialstaat würde abgebaut und ehrenamtliche Helfer sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sie ließen sich für Staatsinteressen instrumentalisieren. Caritas-Präsident Dr. Peter Neher warnt vor einer Fehlinterpretation und verdeutlicht, dass Bürgerschaftliches Engagement kein Ersatz für sozialstaatliches Handeln ist. Die Aufgabe des Staates liegt darin, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass bürgerschaftliches Engagement, unabhängig von sozialer Herkunft und wirtschaftlicher Stellung, möglich wird. Bund, Länder und Kommunen, aber auch Verbände, wie die Caritas e. V. und Stiftungen, fördern auf vielfältige Weise ein freiwilliges Engagement. In diesem Sinne agiert die Caritas nicht nur als solidarischer Bundespartner, sondern auch als Bindeglied zwischen Ehrenamt und Sozialpolitik. +++ fuldainfo | jessica auth


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