Fulda. Am gestrigen Samstag wurde dem Bundestagspräsidenten a. D., Prof. Dr. Norbert Lammert, im Beisein von Repräsentanten aus der Bundes-, Landes- sowie Kommunalpolitik, Mitgliedern des Magistrates der Stadt Fulda, Stadtverordneten sowie Vertretern der Kirche, Gesellschaft und dem öffentlichen Leben, im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses, der Winfried-Preis der Stadt Fulda verliehen. Erstmals im Jahre 2001 und damit gestern zum bereits 17. Mal verliehen, würdigt der Winfried-Preis der Stadt Fulda Menschen, die sich um die Völkerverständigung ganz im Zeichen des Wirkens des Heiligen Bonifatius besonders verdient gemacht haben.
Laudator Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel sagte anfänglich seiner Laudatio: „Es ist nicht ganz einfach, Norbert Lammert zu loben. Man muss sich schon in Fulda zusammenfinden, wenn man etwas hinzufügen möchte. Bonifatius – darauf lege ich Wert – war Bischof von Mainz, aber in Fulda daheim.“ „Der Winfried-Preis wird vergeben an diejenigen, die sich am Vorbild des Heiligen Bonifatius orientieren. Prof. Dr. Norbert Lammert reiht sich würdig in die Reihe der Preisträger ein. Norbert Lammert hat im Geiste Bonifatius friedenstillend gewirkt und in vielerlei Hinsicht Großartiges geleistet“, so Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel gestern in Fulda. Im weiteren Verlauf seiner Laudatio ließ Bernhard Vogel die politische Karriere von Norbert Lammert Revue passieren und verwies in diesem Kontext auf seine fundierten Deutschland- und Europakenntnisse sowie auf seine Art, Dinge beim Namen zu benennen. „An Deutlichkeit hat es Norbert Lammert nie gefehlt, dabei ist er stets jedem mit Respekt begegnet.“
Über 12 Jahre hat Norbert Lammert dem Bundestag vorgestanden. Zwei Mal hatte sich Lammert nicht dazu bereit erklärt – „obwohl ihn viele bedrängt haben.“ Wie fälschlicherweise oft zitiert, habe er sich nicht dagegen entschieden, weil dies etwa der Wunsch seiner Ehefrau gewesen sein solle, sondern aus seiner eigenen Motivation heraus. „Ich wollte nicht“, soll er einst gesagt haben und „dafür, für diese Worte – meine Damen und Herren – hat er großen Respekt verdient, weil sie zeigen, dass er eine eigenständige Persönlichkeit ist.“ Wie Bernhard Vogel am Samstag weiter verlas, verstand es Norbert Lammert über die Jahre Brücken zu bauen. Brücken zwischen der Macht und dem Geist. Dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dieser Lammert als Zweiter Vorsitzender vorsteht, habe er zu neuem Ansehen verholfen. Sofern es seine Zeit erlaubt, dirigiert er gelegentlich die Berliner Philharmoniker. Für einen Moment gelebter Traum, in jungen Jahren träumte Lammert davon, Musiker zu werden. Talkshows meide er; „Zu viel Show und zu wenig Talk“ seien für die Formate charakteristisch. Bernhard Vogel: „Lieber Norbert, Dein so vielseitiges Engagement darf mit dem Abschied aus dem Bundestag nicht verbunden sein mit einem Abschied aus der Öffentlichkeit. Du wirst weiterhin gebraucht; Deutschland braucht Dich. Wir brauchen den Brückenbauer Norbert Lammert. Danke für die Freiheit des Denkens und für den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Bernhard Vogel beendete die Laudatio damit, dass die Verleihung des Winfried-Preises der Stadt Fulda für beide Seiten – einmal für den Preisträger, zum anderen aber auch für den Preis selbst – eine Besonderheit darstelle. So ehre der Winfried-Preis seinen Träger und umgekehrt der Preisträger die eigentliche Auszeichnung.
„Es gibt viel Ungerechtigkeit in dieser Welt. Die Vergabe von Preisen und Auszeichnungen bestätigt diese, alle, meine Lebenserfahrung. So gibt es die gerechte und ungerechte, manchmal die richtige, manchmal die falsche; Manchmal die richtige zum falschen Zeitpunkt, manchmal die falsche scheinbar zum richtigen Zeitpunkt“, so der Preisträger des Winfried-Preises der Stadt Fulda 2017 Bundestagspräsident a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert in seiner Erwiderung gestern in Fulda. Darin an schloss er seinen Dank an die Preisstifter sowie seine Dankesworte an seinen Laudatoren, Ministerpräsident a. D. Professor Dr. Bernhard Vogel. Wie Lammert in seiner Erwiderung sagte, freue er sich über die Auszeichnung des Winfried-Preises, scheute in diesem Zusammenhang aber auch gestern nicht davor zurück, zu bekunden, dass einiges, das in der Laudatio erwähnt worden war, etwas übertrieben sei. In seiner knapp über 30-minütigen Dankesrede sprach er fundiert und bemerkenswert über den Religiösen Fundamentalismus – mit diesem bis heute „eine Fülle von Auseinandersetzungen“ verbunden sind. Prof. Dr. Norbert Lammert verblieb mit dem Gedanken, ab spätestens Morgen wieder, gemeinsam die Wege des Vertrauens, der Völkerverständigung und der Versöhnung, zu gehen – diese immer wieder aufs Neue beschritten werden müssen, weil sie nur so auch zielführend sein können – und dann auch nur, wenn man sie gemeinsam geht…
Wie Norbert Lammert am Tag der Preisverleihung bekanntgegeben hatte, soll das Preisgeld des Winfried-Preises einer Einrichtung, einer Institution, in Fulda zugutekommen. Im Anschluss an den Festakt bestand für alle Anwesenden die Möglichkeit, sich im Ehrenbuch der Stadt Fulda zu verewigen. Der Empfang im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschloss anlässlich der Verleihung des Winfried-Preises der Stadt Fulda an Prof. Dr. Norbert Lammer durch die Stadt Fulda am 28. Oktober 2017 wurde musikalisch umrahmt von Stephanie Vautz (Querflöte) und Renate Hunold (Flügel) von der städtischen Musikschule. Gestiftet wird der Winfried-Preis von der Dr. H. G. Waider-Stiftung. +++ jessica auth

Hallo Fräulein Schlaumeier,
ich habe gar nichts übersehen und ich bin auch nicht für eine „Altersgrenze für verdienstvolle Aktivitäten“ etc. Bitte unterlassen Sie gefälligst derartige Unterstellungen!
Ich bin schlicht dagegen, dass stinkreiche „alte Säcke“, um es mal etwas plakativer und mit den Worten eines alten Bürgermeisters zu sagen, zur Selbstbeweihräucherung von Stiftern und sonstigen Beteiligten mit Flötenmusik und sonstigem Tamtam (vermutlich auch noch auf Steuerzahlers Kosten) mit irgendwelchem Lametta behängt werden. Herrn Lammerts Verdienste – für die er stets hoch entlohnt wurde und für die er keinerlei Opfer zu erbringen hatte – stehen dabei ausdrücklich nicht in Frage; Herr Lammert hat dabei aber nichts als seine Pflicht getan.
Es muss schlicht nicht sein, dass hochbezahlte etablierte Honoratioren in Fulda öffentlichkeitswirksam mit einem Orden dekoriert werden, den wer auch immer gestiftet hat – mehr sage ich ja gar nicht. Stiftet solche Auszeichnungen für mutige junge Menschen, die etwas riskieren und sich abseits etablierter Pfade für etwas einsetzen. Würdigt das Engagement von Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen. Hebt die heraus, die nicht ohnehin schon im Rampenlicht stehen. Und schaut genauer hin, wem ihr diese Würden verleiht. Bei Herrn Junker z.B. habe ich kein gutes Gefühl. Dem hätte ich den Preis niemals verliehen. Angesichts von Luxleaks etc. Würde ich auch mal sagen, den Preis könnte man durchaus in Frage stellen.
Fräulein Gernewichtig, ich habe fertig!
@Gast @Demokrat
Beide Kommentatoren haben übersehen, dass der Preis Dr. Waider der Stifter des Preises ist. Für die Ideen von „Gast“ muss sich dann wohl ein anderer Stifter finden.
Was das Preisgeld angeht, das Norbert Lammert erhalten hat, so spricht es für ihn, dass er den Preis einer Initiative zukommen lassen will und auf Vorschläge des Oberbürgermeisters vertraut.
Dass Gast meint für verdienstvolle Aktivitäten wäre eine Altersgrenze angebracht, zeigt recht wenig Respekt vor dem Alter und der Lebensleistung. Mit den Leistungen von Norbert Lammert hat sich Gast wohl wenig befasst.
Aus dem Text oben zu dem Stifter, der Motivation und den Themen der Leistung:
„Motivation des Preisstifters, Dr. Waider und damit auf die ursprüngliche Stiftungsidee des Winfried-Preises ein: „Die Stiftungsidee ist – gerade im Hinblick auf die politischen Ereignisse der Vergangenheit, wie beispielsweise der Brexit oder mit Donald Trump, die Wahl zum US-Präsidenten, – berechtigter und aktueller denn je.“… Insofern würdigt der Winfried-Preis nicht nur seinen Preisträger, sondern fungiere nach OB Wingenfeld, auch als Appell für uns alle, sich gemeinsam für den Frieden und die Völkerverständigung einzusetzen.
Wäre es nicht sinnvoll wenn die Stadt Fulda bei der Preisverleihung “ Fuldaer Organisationen/Vereine/Verbände auszeichnet. Kleine soziale Vereine erhalten selten eine Förderung.
Ist es wirklich sinnvoll, solch arrivierten Herren noch irgendwelche Orden anzustecken? Wäre nicht ein Gründerpreis für engagierte junge Leute oder ähnliches viel sinnvoller? Was bringt es denn, wenn sich die Honoratioren der Stadt damit beweihräuchern, (ehemals) wichtigen Leuten einen Preis umzuhängen, dessen Preisgeld (á la Hazel Brugger) gerade so hoch ist, dass die Deutschen nicht entsetzt schreien und die Schweizer nicht anfangen zu lachen? Ich halte das Ganze in dieser Form nicht für sinnvoll und schlage vor, mindestens über eine Altersgrenze der Preisträger nachzudenken.