Bonifatiusfest: Bischof Gerber vertieft Kirchenbild

Freundschaft und Glauben

Das Bistum Fulda hat am Sonntag mit mehreren tausend Besucherinnen und Besuchern das traditionelle Bonifatiusfest auf dem Fuldaer Domplatz gefeiert. In seiner Fest-Predigt erweiterte und vertiefte Bischof Dr. Michael Gerber das Bild eines gespannten Zeltes, das er als Metapher für die Kirche mit seinem diesjährigen Hirtenwort bereits eingeführt hatte. Als Gast hielt der Bischof von Groningen-Leeuwarden, Dr. Cornelis F. M. van den Hout ein Grußwort. So wurde erneut auch die verbindende, europäische Perspektive deutlich, die bis heute vom Wirken und der Botschaft des Heiligen Bonifatius ausgeht. „Mach den Raum deines Zeltes weit“ (Jes 54,2): Dieses Wort des Propheten Jesaja hat Bischof Dr. Michael Gerber schon zu seinem diesjährigen Hirtenwort zum ersten Fastensonntag inspiriert – und es begleitet ihn nach wie vor: Nicht obwohl, sondern weil die Menschen beim Aufbau des Zeltes die Schnüre in unterschiedliche Richtungen ziehen, steht es schließlich. Zum Bonifatiusfest ergänzte Gerber dieses spannungsreiche Kirchenbild um das Dreibein, das in der Mitte des Pfadfinderzeltes die Zeltplane nach oben zieht. Erst durch diese doppelte Spannung zwischen den verschiedenen Anknüpfungspunkten an den Seiten und dem Dreibein, das nach oben zieht, bekommt das Zelt seine Stabilität, betonte Gerber: „Das Dreibein kann ein Bild sein für den dreieinen Gott, der seine Kirche nach oben zieht und so in ihr wie im Zelt erst den weiten Raum ermöglicht, den es braucht.“

Freundschaft und Glauben

Diese Zeltmetapher samt Gedanken zu einem möglichen Dialog mit dem Heiligen Bonifatius verknüpfte Gerber in seiner Predigt mit einem Bericht über den Märtyrer Christian de Chergé und dessen Gefährten in Algerien: Deren Christusbeziehung sei durch ihre Freundschaft mit Andersgläubigen weiter gewachsen, betonte der Bischof: „Die Spannung nach außen – Freundschaft zu Anderen und Andersgläubigen – und die Spannung nach oben – Beziehung zu Christus – das ist ein und dieselbe Spannung, die sich wechselseitig fördert.“ Das Beispiel des Mönchs aus Algerien und seiner Gefährten könne ein Vorbild für die Kirche von Fulda sein, so Gerber. Er ermutigte dazu, keine Angst davor zu haben, als Kirche mehr und mehr zu einer Minderheit zu werden und sich angesichts zahlreicher Krisen und Skandale auch kritisch hinterfragen zu lassen. Er forderte die Gläubigen dazu auf, Andersdenkenden und Andersglaubenden mit Interesse, Freundschaft und Offenheit zu begegnen: „Tun wir das aus dem tiefen Glauben heraus, dass er, Jesus, uns gerade durch solche Begegnungen und Beziehungen in die Tiefe unserer Berufung führen möchte.“

Konzelebranten

Neben Bischof Dr. Michael Gerber zelebrierten auch Weihbischof Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez, Bischof em. Heinz Josef Algermissen sowie Generalvikar Prälat Christof Steinert und die niederländischen Gäste, Bischof van den Hout und sein Generalvikar Peter H. H. Wellen, den Festgottesdienst. Der Pfarrer von Dokkum, Paul Verheijen, nahm ebenfalls teil. Er war mit einer Pilgergruppe aus Fuldas niederländischer Partnerstadt in der Fuldaer Innenstadtpfarrei zu Gast. Vor dem Pontifikalamt pilgerten viele Menschen in einer Sternwallfahrt zur Kathedralkirche der Diözese. Bischof Gerber und Bischof van den Hout schlossen sich am Morgen in Götzenhof einer Fußwallfahrt an, die bereits in der Nacht in Eckweisbach, einem Ortsteil von Hilders in der hohen Rhön, gestartet war. Allen Bonifatius-Wallfahrern gab Bischof Gerber vorab einen Impuls mit auf den Weg, der ebenfalls auf den Gedanken seines diesjährigen Hirtenwortes mit dem Titel „Mach den Raum deines Zeltes weit“ (Jes 54,2) basierte. Auf dem Domplatz begrüßte Weihbischof Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez die zahlreichen Pilgergruppen aus dem gesamten Bistum.

Musikalische Begleitung

Das Bonifatiusfest wurde musikalisch vom Fuldaer Jugendkathedralchor unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber gestaltet. An der Orgel spielte Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser. Ganz traditionell waren auch wieder Musikvereine dabei, die am Festtag einen großen Bläserchor bildeten. Unter der Leitung von Regionalkantor Ulrich Moormann spielten unter anderem die Musikvereine aus Großenlüder, Istergiesel, Künzell, Simmershausen-Batten sowie Steinau-Steinhaus, sowie das Jugendorchester der Katholischen Kirche Meerholz-Hailer. Nach dem Gottesdienst waren alle Wallfahrerinnen und Wallfahrer in den Hof der Domdechanei und in den Dechaneigarten eingeladen, um bei Musik und Verpflegung vom Grill zu verweilen und sich an den Ständen der Verbände zu informieren und auszutauschen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzen auch die Gelegenheit, die Erlebnisinstallation im Fuldaer Dom anlässlich der Landesgartenschau zu besichtigen. +++ pm

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