Behörden bestätigen zwei Tote in Magdeburg

Rettungswagen

Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat die offizielle Bestätigung der Zahl der Todesopfer den von Medien gemeldeten Wert noch nicht erreicht. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) berichtete vor Ort von zwei Todesfällen. Zuvor kursierte über Einsatzkräfte die Angabe von mindestens elf Toten. Auf jeden Fall gab es viele Verletzte. Ein etwa 50-jähriger Mann aus Saudi-Arabien soll das Fahrzeug gesteuert haben. Am Abend fuhr er auf den Weihnachtsmarkt und erfasste die Menschenmenge. Haseloff erklärte, der Mann praktiziere seit Jahren in Sachsen-Anhalt als Arzt.

Trauer und Entsetzen nach Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Ein schwarzer BMW-SUV raste am Abend um kurz nach 19 Uhr auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Die Behörden gehen von einem Anschlag aus. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Fahrer in der Nähe des Marktplatzes fest. Er soll eine Lücke zwischen Betonblöcken genutzt haben und im Zickzackkurs 400 Meter über den Weihnachtsmarkt gefahren sein. Die örtlichen Bedingungen erforderten, dass der Fahrer zunächst eine scharfe Kurve nahm. Anschließend musste er beschleunigen, bevor er in die Menschenmenge fuhr. Der Mann, 1974 geboren in Saudi-Arabien, war der Polizei bisher nicht bekannt. Er soll seit 2006 in Deutschland leben und in Sachsen-Anhalt als Arzt gearbeitet haben. Informierte Kreise berichteten, der Mann habe das Fahrzeug vor der Tat angemietet. „Die Meldungen aus Magdeburg lassen Schlimmes erahnen“, schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in den Sozialen Netzwerken. Der Kanzler wird voraussichtlich am Samstag nach Magdeburg kommen. Dort wird er zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Haseloff (CDU) den Tatort besichtigen.

Kein Sprengsatz im Tatfahrzeug gefunden

Die Ermittler entdeckten zunächst einen verdächtigen Gegenstand auf dem Beifahrersitz und sperrten den Bereich um das Fahrzeug ab. Ein authentisches Handyvideo zeigte Polizisten, die auf das Fahrzeug und den am Boden liegenden Verdächtigen zustürmen, dann jedoch zurückweichen. Das Motiv des 50-jährigen Mannes, der anscheinend mehrere Menschen überfuhr, bleibt unklar. Der aus Saudi-Arabien stammende Mann kam 2006 nach Deutschland. Zuletzt arbeitete er als Arzt in Bernburg, Sachsen-Anhalt. Die Polizei hatte ihn nicht als Islamisten auf dem Schirm, hieß es.

Hinterbliebene vom Breitscheidplatz fühlen in Magdeburg mit

Die Sprecherin der Opfer und Hinterbliebenen des islamistischen Anschlags vom Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016, Astrid Passin, hat erschüttert auf den jüngsten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg reagiert. „Das wirkt 1:1 wie damals auf dem Breitscheidplatz“, sagte sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Es ist schrecklich und geht einfach durch und durch. Wir haben immer wieder diese Bilder und Ängste im Kopf.“ Passin fügte hinzu: „Der Staat muss jetzt dafür sorgen, dass sich die Hinterbliebenen aufgefangen fühlen.“ Dabei könnten die seit 2016 erarbeiteten Mechanismen der Betreuung helfen. Immerhin gehörten zu jedem Opfer zahlreiche Familienangehörige und Freunde, „die das alle anfasst“, sagte sie.

Vor dem Attentat in Berlin gab es kaum Angebote und Strukturen für solche Fälle, sie wurden erst im Anschluss erarbeitet. Die Berlinerin, deren Vater auf dem Breitscheidplatz ums Leben kam, hat nach eigenen Angaben mittlerweile eine Organisation mit dem Namen „Victims of terrorism“ (VoT) Germany – Opfer des Terrorismus in Deutschland – gegründet und ist deren erste Präsidentin. Nur die Registrierung der Organisation stehe noch aus, sagte sie dem RND.

Passin hatte am Donnerstag vor rund 200 Menschen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche das bis heute andauernde Leid der Angehörigen in Erinnerung gerufen. „Das Herz bebt oft vor Schmerz“, sagte sie anlässlich des Jahrestages, „und es hört nicht auf.“ Bei dem Anschlag des Tunesiers Anis Amri wurden zwölf Menschen getötet, das 13. Opfer starb 2021 an den Folgen, und mehr als 70 Menschen verletzt. Der Attentäter floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Elon Musk kritisiert nach Magdeburger Anschlag Bundesregierung

Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg schaltet sich Tech-Milliardär Elon Musk ein, teilt eine Verschwörungstheorie und kritisiert die deutsche Bundesregierung. „Scholz should resign immediately. Incompetent fool“, schrieb Musk nach den ersten Meldungen über den Anschlag auf seinem eigenen Netzwerk Twitter/X (Deutsch: „Scholz sollte sofort zurücktreten. Inkompetenter Trottel“).

Später legte er nach und teilte eine Verschwörungstheorie, wonach es sich bei dem Mann aus Saudi-Arabien, der in Magdeburg mit einem SUV in die Menschenmenge gefahren war, um einen dort gesuchten Straftäter handele, den Deutschland angeblich mit Verweis auf die Menschenrechtslage nicht ausliefern wollte. „Whoever refused to extradite a murderer deserves to be punished severely“, kommentierte Musk dieses Gerücht (Deutsch: „Wer sich weigert, einen Mörder auszuliefern, verdient eine harte Strafe“). Dabei war selbst in der von ihm angegebenen Quelle der Mann nicht als „Mörder“, sondern als „flüchtiger Verräter“ bezeichnet worden.

Nach Angaben der Magdeburger Polizei gibt es bislang angeblich noch keine Informationen zu den Hintergründen der Tat, nicht einmal, ob es ein islamistisches Motiv gibt. Der Mann war jedenfalls bislang nicht als Islamist bekannt, soll angeblich sogar radikaler Islam-Gegner sein, wie Journalisten auf seinen Social-Media-Accounts herausgefunden haben wollen. „Wir ziehen alles in Betracht“, sagte eine Sprecherin der Polizei am Abend. Laut ersten Informationen soll er 1974 geboren und 2006 erstmals nach Deutschland gekommen sein. Zuletzt war er in Bernburg als Arzt tätig, wie es von den deutschen Behörden hieß.

Rhein: „Anschlag trifft ins Mark“

Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist eine zutiefst erschütternde Tragödie, die in der besinnlichen Adventszeit schwer ins Herz der Gesellschaft trifft. Ministerpräsident Rhein (CDU) bringt mit seiner Reaktion auf der Plattform X das Entsetzen und die Anteilnahme vieler Menschen treffend zum Ausdruck. Solche Ereignisse sind nicht nur persönliche Tragödien für die Betroffenen und ihre Familien, sondern werfen auch gesellschaftliche Fragen auf. Neben der schnellen Aufklärung und rechtlichen Konsequenzen für den Täter gilt es, den Fokus auf die Unterstützung der Opfer und die Prävention ähnlicher Taten zu legen. Gleichzeitig verdienen die Einsatzkräfte, die unter enormem Druck handeln, unseren größten Respekt. Mögen die Hintergründe dieser Tat bald geklärt werden, damit die Gemeinschaft in Magdeburg und darüber hinaus wieder zur Ruhe finden kann. +++

Kommentar dazu
Die Medien stehen unter immensem Druck, in Echtzeit über tragische Ereignisse zu berichten. Oft bestimmt die Erwartung der Öffentlichkeit diesen Druck mit. Menschen möchten sofort informiert werden, selbst wenn die Lage noch chaotisch und unübersichtlich ist. Genau das stellt das Problem dar: Geschwindigkeit wird wichtiger als Sorgfalt.

Es bedarf einer Kultur der Geduld – sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Medien. Anstatt sofort jedes Detail zu verlangen, sollten wir Raum für gründliche Recherchen und überprüfte Fakten schaffen. Unvollständige oder falsche Informationen nutzen niemandem. Sie können Verwirrung stiften und den Schmerz der Betroffenen sogar verstärken.

Die Verantwortung der Medien beginnt jedoch nicht nur in den Redaktionen, sondern auch bei uns als Gesellschaft. Ein bewusster Umgang mit Informationen kann eine bessere Balance zwischen Schnelligkeit und Genauigkeit ermöglichen. +++ nh


Popup-Fenster

1 Kommentar

  1. Amokläufer (und -fahrer) suchen vor allem eines: Aufmerksamkeit, meist begründet durch eine Vernachlässigung oder Gewalt in der Kindheit. Leider befasssen sich nur wenige Autoren damit: Sven Fuchs (Die Kindheit ist politisch), Franz Jedlicka (Die vergessene Friedensformel) oder Arie Kruglansky („Quest for Significance“). Ein Rezept gegen solche Taten könnte es also sein, dass Medien diesen Menschen keine Bühne mehr bieten und nicht mehr über Terror berichten (außer es besteht eine weitere aktuelle Gefährdung). LG Ulrich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*