Es sollte eine fröhliche Faschingsveranstaltung der DRK-Gruppe „Menschen mit Behinderung“ im Kultursaal des Eichenzeller Schlösschens werden – doch was die Besucherinnen und Besucher dort erwartete, war beschämend, gefährlich und schlichtweg inakzeptabel. Obwohl der Gemeinde Eichenzell die Veranstaltung im Vorfeld bekannt war, wurde die gesetzliche Verkehrssicherungs- und Fürsorgepflicht in eklatanter Weise vernachlässigt. Die Folgen: Menschen wurden gefährdet, Teilhabe massiv eingeschränkt und grundlegende Prinzipien von Inklusion mit Füßen getreten. All das steht im krassen Widerspruch zu dem Anspruch, den Eichenzell als inklusive Gemeinde eigentlich haben müsste – nämlich vorbildlich, verantwortungsvoll und verlässlich zu handeln.
Schon der unmittelbar am Rathaus gelegene Behindertenparkplatz bot ein erschreckendes Bild. Große Teile waren mit Schnee bedeckt und nur eingeschränkt nutzbar. Für Menschen mit Behinderungen, die auf ausreichend Bewegungsfläche, einen sicheren Ausstieg und kurze, barrierefreie Wege angewiesen sind, bedeutet ein solcher Zustand eine massive Einschränkung ihrer Selbstständigkeit und ihrer Teilhabe. Barrierefreiheit ist kein nettes „Extra“ und kein freiwilliges Zusatzangebot, sondern gesetzlich verankert, unverzichtbar und für viele Menschen lebenswichtig. Jeder nicht nutzbare Behindertenparkplatz wird zur handfesten Barriere, die Menschen ausschließt und ihnen den Zugang zu öffentlichen Einrichtungen faktisch verwehrt. Teilhabe, Selbstbestimmung und Würde werden so im Alltag praktisch aufgehoben.
Noch gravierender zeigte sich die Situation an den Zugangswegen und im Eingangsbereich des Rathauses. Dort herrschten spiegelglatte, vereiste und hochgradig sturzgefährliche Zustände. Erst durch das beherzte Eingreifen von Gästen, die selbst zu Streumitteln griffen und den Eingang notdürftig sicherten, wurde überhaupt ein einigermaßen sicherer Zugang möglich. Dass Bürgerinnen und Bürger diese Aufgabe übernehmen mussten, ist beschämend und macht das Versagen der Verwaltung mehr als deutlich.
Ein eindringlicher Appell richtet sich in diesem Zusammenhang an Bürgermeister Johannes Rothmund. Stellen Sie sich bitte einen Moment vor, Sie selbst säßen im Rollstuhl oder wären auf einen Gehstock angewiesen. Vor Ihnen ein vereister Weg, ein kaum nutzbarer Behindertenparkplatz und ein Zugang, der erst durch das provisorische Eingreifen anderer Menschen passierbar wird. Wie fühlt sich das an? Ausgeschlossen, übersehen und gefährdet – oder willkommen, sicher und ernst genommen? Würden Sie diese Situation als würdig empfinden?
Barrierefreiheit ist weit mehr als ein politisches Schlagwort. Sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, Entscheidungen selbst treffen und ihr Leben eigenständig gestalten. Sie ist der Kern echter Inklusion und Ausdruck von Respekt und Würde. Ebenso ist die Verkehrssicherungspflicht kein bürokratisches Detail, sondern eine Verpflichtung, die Menschen vor Unfällen und Verletzungen schützt und im Ernstfall Leben retten kann. Wer sie vernachlässigt, gefährdet Menschen und setzt die Grundwerte einer inklusiven Gesellschaft aufs Spiel.
Gerade jetzt hätte Eichenzell die Chance, öffentlich zu zeigen, dass Barrierefreiheit ernst genommen wird. Zu zeigen, dass Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und mobilitätseingeschränkte Bürgerinnen und Bürger sicher, gleichberechtigt und würdevoll behandelt werden. Und zu zeigen, dass die Verwaltung ihre Vorbildfunktion wahrnimmt und gesetzliche Pflichten zuverlässig erfüllt. Die Menschen von Eichenzell vertrauen auf ihren Bürgermeister. Er steht in der Verantwortung, diese Pflicht nicht nur zu kennen, sondern sie sichtbar umzusetzen – und damit ein klares Signal zu senden: Barrierefreiheit ist kein Luxus und kein „Extra“. Sie ist ein Recht, sie ist Sicherheit, sie ist Würde und sie ist Teilhabe.
Die Gemeinde Eichenzell – und insbesondere ihr Bürgermeister – ist daher eindringlich aufgerufen, künftig mit größter Sensibilität, Konsequenz und Verlässlichkeit zu handeln. Zustände wie diese dürfen sich nicht wiederholen. Menschenleben, Sicherheit, Teilhabe und Würde dürfen niemals aufs Spiel gesetzt werden, so Udo Bauch, Ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter. +++

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