Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sieht als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Europa und ein Ende der Sanktionen gegen Russland den Abzug aller russischen Soldaten aus der Ukraine. "Ein Waffenstillstand kann nur ein erster Schritt sein", sagte sie der "Bild am Sonntag". Und weiter: "Für uns ist klar: Eine Aufhebung der Sanktionen gibt es nur, wenn Russland seine Truppen abzieht. Ein Frieden zu Bedingungen, die Russland diktiert hat, würde weder der Ukraine noch uns in Europa die ersehnte Sicherheit bringen. Schlimmstenfalls wäre er die Einladung zum nächsten Krieg - noch näher an unseren Grenzen."
Man müsse helfen, dass die Ukraine stark genug sei, um selbst zu entscheiden, so die Ministerin: Denn es seien die Ukrainer, "die in diesem Krieg sterben und denen Unterdrückung und Gewaltherrschaft unter russischer Besatzung droht", so die Grünen-Politikerin. "Niemand hat das Recht, ihnen Vorschriften zu machen." Ziel Deutschland s und Europas im Ukraine-Krieg sei Frieden, so Baerbock, "für die Menschen in der Ukraine, für uns selbst und unsere Kinder". Es gehe "um mehr als die Abwesenheit von Krieg, es geht um die Sicherheit, in Freiheit zu leben", sagte die Außenministerin der "Bild am Sonntag". Aber: "Die Friedensordnung, die wir in Europa kannten, hat Putin unwiederbringlich zertrümmert. So sehr wir uns das wünschen mögen: Einen Weg zurück zu der Zeit vor dem 24. Februar gibt es nicht. Auf Putins Zusagen allein können wir uns nie wieder verlassen." Deshalb müsse man der Ukraine jetzt helfen, diesen brutalen Einmarsch abzuwehren und sich gegen zukünftige Angriffe zu schützen. "Erst wenn alle in Europa wieder einsehen, dass bei einem Krieg am Ende kein Land Sieger, sondern alle nur Verlierer sind, gibt es wieder echten Frieden."
213.000 ukrainische Haushalte ohne Gas und Wärme
Der Vorstandschef des größten ukrainischen Energieversorgers Naftogaz, Yuriy Vitrenko, beklagt massive Schäden am Gasleitungsnetz seines Landes durch russische Truppen. "Täglich gibt es durch Bombardements neue Zerstörungen an der Infrastruktur, die wir ständig versuchen zu reparieren", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Sonntagausgaben). "213.000 ukrainische Haushalte sind derzeit ohne Gas." Es gebe gewaltige Schäden am Gasnetz in großen Metropolen wie etwa Mariupol oder Charkiv, aber auch viele zerstörte Leitungen in den kleineren Städten und Dörfern in der Ostukraine. "Die Menschen brauchen das Gas für die Heizung, zum Kochen und für warmes Wasser", sagte Vitrenko. Die Situation sei sehr schwer für die Kunden von Naftogaz, aber auch für die Beschäftigen. "20 Mitarbeiter unseres Unternehmens sind bisher im Krieg ums Leben gekommen", berichtete der Vorstandsvorsitzende. Eine Anzahl von Mitarbeitern, die er aus Geheimhaltungsgründen nicht genau benennen kann, diene in der ukrainischen Armee, "um unser Land zu verteidigen". Naftogaz habe keine Probleme mit der Produktion von Gas. "Unsere eigene Gasproduktion funktioniert, und wir haben sehr große unterirdische Gasspeicher, aus denen wir schöpfen können", sagte Vitrenko, der Chef von insgesamt 60.000 Beschäftigten ist. Auch habe man im März Gas vom europäischen Markt zugekauft, das über Ungarn und die Slowakei in die Ukraine gelangte. Das Problem sei der Transport. "Überall gibt es schwere Zerstörungen", so Vitrenko. Die Naftogaz-Mitarbeiter würden jeden Tag unter sehr schweren Bedingungen daran arbeiten, die Versorgung aufrechtzuerhalten. +++
