Bad Hersfelder Stadtgeschichte – mit den Augen des „Baademeesters“

Geschichte Hersfelds quasi vom Beckenrand aus mitverfolgt

„Baademeester“ Jochen Kornder und Ehefrau Regina (Bildmitte) bei der Übergabe der Unterlagen an Stadtarchivarin Dr. Tanja Roth und Bürgermeister Thomas Fehling im Stadtarchiv

Jochen Kornder ist in diesem Sommer 89 Jahre alt geworden. Als Bademeister aus Leidenschaft hat er sein Leben dem nassen Element gewidmet. Vor allem aber war ihm immer wichtig, seine Liebe zum Schwimmen an junge Menschen weiterzugeben. Mehrere Generationen von Hersfelder Jungen und Mädchen – heute zum Teil selbst schon Großeltern – haben bei Jochen Kornder das Schwimmen gelernt. In über 60 Jahren hat Jochen Kornder die Geschichte Hersfelds quasi vom Beckenrand aus mitverfolgt. Daraus ist eine Sammlung entstanden, die zwei DIN A4-Ordner füllt und weitere Exponate enthält. Diese hat er nun an das Archiv der Stadt Bad Hersfeld übergeben, wo sie dankend von Bürgermeister Thomas Fehling und Stadtarchivarin Tanja Roth in Empfang genommen wurde.

Jochen Kornder hat darin zusammengetragen, was ihm interessant und erhaltenswert erschien. Dazu gehören Anekdoten, Fotos und Berichte. „Ich lebe jetzt aktiv seit 1955 in unserer so schönen Stadt und möchte als Zeitzeuge an der Erhaltung der Erinnerung an frühere Zeiten beitragen“, erklärt er. Der 1930 in Eisenberg geborene Jochen Kornder hatte ursprünglich Möbeltischler gelernt, 1950 wechselte er zur Kriminalpolizei. 1955 kehrte er der DDR den Rücken und floh in den Westen. 1955 kam er nach Bad Hersfeld, das von da an seine Heimat wurde.

Seine Wirkungsstätten wurden die städtischen Schwimmbäder. Zunächst noch als Badewärter und Campingplatzwart des damaligen Naturwasser Strandbads an der Fulda, später als Schwimmmeister im Geistalbad. Besonders setzte sich Jochen Kornder damals für die Errichtung des Hallenbades (das heutige Aqua fit) ein. In Privatinitiative sammelte er über 20.000 DM in der Bevölkerung ein – über die Hälfte der gesamten Spendengelder – und leistete damit einen erheblichen Anteil an der Umsetzung des Projekts. Als dem Bademeister nach 35 Dienstjahren der Ruhestand „drohte“, eröffnete er 1994 kurzerhand seine eigene private Schwimmschule. Bis heute bringt er Kindern das Schwimmen bei. Unterstützt von Ehefrau Regina und Tochter Sylvia trifft man ihn im Hallenbad der Vitalisklinik an, wo er jeden Samstag Schwimmunterricht gibt.

Seine nun der städtischen Obhut übergebene Sammlung enthält historische Dokumente und Berichte, zum Beispiel über die Anfänge des Strandbades, den Neubau und die Eröffnung des Geistalbades und die anschließenden Neu- und Umbauten. Neben Fakten finden sich darin aber auch amüsante Anekdoten. Zum Beispiel als hoher Besuch durch Bundespräsident Gustav Heinemann ins Haus stand und Jochen Kornder beauftragt wurde, extra für ihn Gummigalaloschen zu kaufen, damit dieser nicht barfuß zum Beckenrad laufen musste. „Heinemann fragte mich, ob alle Gäste Gummischuhe bekämen – und lehnte dann dankend das angebotene Schuhwerk ab. Ich habe es dann lange Jahre selbst getragen“, erinnert sich Jochen Kornder schmunzelnd.

Eine andere Kuriosität: In einem Jahr musste er 40 Stangen Eis im Schlachthof abholen, um das damals 24 Grad warme Badewasser abzukühlen. Eine Wassertemperatur, die heute normal erscheint und von den meisten Badegästen erwünscht ist, wurde damals als zu warm empfunden… So sind die Erinnerungen von Jochen Kornder eine historische Reise durch 60 Jahre Bad Hersfeld – (nicht nur) vom Beckenrand aus betrachtet. Sehr gut, dass dies alles nun im Stadtarchiv erhalten bleibt! +++ pm

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