Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten“ im Bonifatiushaus eröffnet

Glitzernde Schein-Welt steht für Kluft zwischen arm und reich

Bei der Ausstellungseröffnung (von links): Direktor Gunter Geiger, Botschafter a.D. Rüdiger Lüdeking, Brigadegeneral a.D. Helmut Ganser sowie GSP-Sektionsleiter Michael Trost. Foto: Gisbert Hluchnik.

Vom „Ende der Sowjetunion“ über „Armut und Inflation“ bis hin zu „Konsumkultur“, „Digitalisierung“ und „Der Geist der Freiheit“ reichen die 20 Themenfelder, mit der sich aktuell eine Ausstellung über „Postsowjetische Lebenswelten“ im Fuldaer Bonifatiushaus beschäftigt. Die Schau mit plakativen für sich stehenden Motiven wie Bettlern vor einer Dior-Werbung oder ein die rote Fahne schwenkender Mann stammt von Dr. Jan C. Behrends vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Dass die von Dr. Ulrich Mählert kuratierte rund 120 Fotos umfassende Präsentation mit knappen erläuternden Texten in Fulda zu sehen ist, geht auf eine Kooperation der Fuldaer Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und des Bonifatiushauses als Bildungsstätte des Bistums zurück.

Herausgeber der Ausstellung ist die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die sich in ihrer Arbeit mit den Ursachen, der Geschichte und den Folgen der kommunistischen Diktaturen in Deutschland und Europa auseinandersetzt. „Gerade vor dem Hintergrund der Themen, mit denen wir als GSP-Sektion Fulda uns beschäftigen – aktuell das Verhältnis zu Russland heute – bin ich dankbar dafür, eine derart aussagekräftige Schau wie ´Postsowjetische Lebenswelten´ nach Fulda bekommen zu haben“, freute sich Sektionsleiter Michael Trost zur Ausstellungseröffnung. Bei einem gemeinsamen Rundgang mit Botschafter a.D. Rüdiger Lüdeking und Brigadegeneral a.D. Helmut Ganser – beide ausgewiesene Kenner der ehemaligen Sowjetunion und der geostrategischen Politik des heutigen Russlands – unterstrichen Trost und Bonifatiushaus-Direktor Gunter Geiger den Wert ihrer Kooperation. „Wir können nicht zuletzt dank solcher Ausstellungen unseren Bildungsauftrag weiter fassen.“

Die von Behrends konzipierte Foto/Textpräsentation verdeutlicht in ausdrucksstarken Motiven die ganze Tragik der Entwicklung. Die Hoffnung vieler auf mehr Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion hat sich nur ansatzweise bewahrheitet. Die Sicherheit in bescheidenen Lebensverhältnissen ist bei jung und alt wachsender Unsicherheit gewichen. Insbesondere die bunte Schein-Glitzerwelt Moskaus spiegelt die immer größer gewordene Kluft zwischen arm und reich wieder, also jenen, die in der neuen Zeit Kapital und Macht haben. Oder jenen, die wenig besitzen und von oft existenziellen Alltagssorgen geplagt werden. Auch das ist die bittere Wirklichkeit der Welt in der Nach-Gorbatschow-Ära, die ohne Frage auch eine wachsende Mittelschicht hervorgebracht hat. Dennoch bleibt, wie die Ausstellung ebenfalls zeigt, die wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Lage des heutigen Russlands fragil. Über QR-Codes besteht die Möglichkeit, ergänzende Videos via YouTube auf dem Smart-Phone abzuspielen. Noch bis zum 30. Oktober haben Interessierte Gelegenheit, sich die Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten“ werktags von 9 bis 18 Uhr im Bonifatiushaus anzuschauen. +++ mb

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