Arbeitscoaches helfen Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung

Fulda. Nur wer erstklassige Schulnoten vorweisen kann, wird ein guter Auszubildender sein? Keineswegs, sind sechs Arbeitscoaches des Landkreises Fulda, die ihr Einsatzgebiet in Förderschulen haben, überzeugt. Sie helfen, den Weg in die Ausbildung zu ebnen, und bauen dabei auf ein gutes Netzwerk.

Eine Schule für Lernhilfe mit dem Förderschwerpunkt Lernen, kurz Förderschule, zu besuchen, ist auch heute noch kein Aushängeschild, wissen die Arbeitscoaches. „Aber die Außenwirkung unserer Schüler ist weitaus besser als ihr Ruf“, erzählt Cathleen Herget, die an der Gersfelder Anne-Frank-Schule tätig ist. „Sie punkten besonders oft mit ihrer Sozialkompetenz, den sogenannten Soft Skills und das wissen viele Arbeitgeber sehr zu schätzen“, ergänzt Johann Link von der Großenlüderer Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule.

Sie und ihre Kollegen Birgit Knoth (Lichtbergschule Eiterfeld), Birgit Obel (Brüder-Grimm-Schule Fulda), Claudia Limpert-Kessler (Erich-Kästner-Schule Hilders) und Christina Zieschang (Albert-Schweitzer-Schule Neuhof) sind sich sicher: Nur weil Schüler Schwierigkeiten haben, im klassischen Unterricht Theorie zu pauken, muss das kein Stempel für die berufliche Zukunft sein. Vielmehr setzen sie sich gemeinsam mit dem Lehrerkollegium dafür ein, dass der Besuch der Förderschule zu einer besonderen Chance für den Weg in die Ausbildung wird: „In Förderschulen werden, wie der Name bereits sagt, die Jugendlichen besonders individuell gefördert“, erklärt Birgit Obel. Das bedeute ganz konkret: Die Schüler werden in kleineren Klassen oder Gruppen unterrichtet, und der Praxisanteil bereits während ihrer Schulzeit ist besonders hoch. Schüler sammeln früh Erfahrung in der Arbeitswelt, können an den Erfahrungen wachsen und ganz praktisch herausfinden, wo ihre Stärken liegen. Da die-se ersten Gehversuche im Job am Anfang aber eine große und mitunter unüberwindbare Hürde für viele Schüler darstellen, gibt es die Arbeitscoaches.

Sie sind die Schnittstelle zwischen Betrieben, Schülern und Schule. „So individuell jeder Schüler und wir selbst sind, so individuell ist unsere jeweilige Herangehensweise“, erklärt Cathleen Herget und fügt an: „Wichtig ist, dass das Ergebnis stimmt, und dabei hat oberste Priorität, dass die Jugendlichen nach der Schule eine Ausbildungsstelle haben.“ Ein Hauptschulabschluss, der durch Kooperationen mit anderen Schulen auch für Förderschüler mög-lich ist, ist zwar begrüßenswert, aber kein Muss.

So greifen alle Arbeitscoaches den Schülern schon während der Suche nach einem Praktikumsplatzes unter die Arme: „Manchen Jugendlichen genügt ein Bewerbungstraining, in dem sie lernen, eine Bewerbung zu schreiben, im Betrieb anzurufen und sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten“, erzählt Birgit Obel. „Bei anderen wiederum ist es unsere Aufgabe, einen Termin im Praktikumsbetrieb zu vereinbaren und den Schüler zum Vorstellungsgespräch zu begleiten.“

Neben dem Engagement von Arbeitscoaches und Lehrern braucht es für die berufliche Zukunft der Jugendlichen aber auch ein starkes, verlässliches Netzwerk: die Eltern, Partner wie Grümel und Perspektiva, die Agentur für Arbeit und nicht zuletzt Unternehmen, mit denen zum Teil feste Kooperationen bestehen. Ohne sie alle wären persönliche Erfolgsgeschichten nicht möglich. Dann hätte zum Beispiel ein Schüler aus Hilders, von dem Claudia Limpert-Kessler erzählt, nicht bereits in der 9. Klasse einen Ausbildungsvertrag zum Metallbauer in der Tasche. Oder ein Jugendlicher aus Fulda, von dem Birgit Obel berichtet, würde nicht von einer Ausbildung bei Grümel in eine betriebliche Ausbildung wechseln.

Um die Zahl dieser positiven Beispiele auch in der Zukunft noch zu erhöhen, wünschen sich die Arbeitscoaches nur eines: „Es wäre schön, wenn noch mehr regionale Betriebe und Unternehmen offen wären für unsere Schüler und ihnen die Chance geben würden, sich zu beweisen“, fasst Claudia Limpert-Kessler zusammen und erntet die Zustimmung ihrer Kollegen. +++ fuldainfo

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