Abgeordnete können TTIP-Verhandlungstexte nicht einsehen

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Berlin. Die Bundestagsabgeordneten können die Verhandlungstexte für das Freihandelsabkommen TTIP trotz einer Ankündigung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) immer noch nicht einsehen. Das zeigt die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Nachfrage der Grünen-Abgeordneten Katharina Dröge, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Seit 18. Mai gibt es in der US-Botschaft in Berlin zwar einen Leseraum, in dem die "konsolidierten Verhandlungstexte" eingesehen werden können - das sind Texte, die sowohl die Position der EU als auch die der USA kenntlich machen. Aber der Zugang zu dem Raum ist streng reglementiert.

Die Modalitäten wurden zwischen EU-Kommission und US-Seite verhandelt und festgelegt. Demnach dürfen nur Regierungsvertreter den Leseraum nutzen. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium hat der US-Botschaft deshalb lediglich 139 Beamte aus den Bundesministerien als Nutzer gemeldet, aber keine Abgeordneten. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) beklagt den Ausschluss der Parlamentarier aus dem Leseraum schon länger. Im Juli beschwerte er sich beim US-Botschafter, aber ohne Erfolg. Die Amerikaner konnten darauf verweisen, dass die Vereinbarung mit der EU-Kommission lediglich den Zugang von Regierungsvertretern vorsieht. Lammert nutzte deshalb einen Besuch bei EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Mitte September, um das Thema noch einmal anzusprechen. Anschließend ließ Lammert mitteilen, er sehe jetzt die "Zweifel an dem Recht der Mitglieder des Deutschen Bundestages auf uneingeschränkten Zugang zu Verhandlungsdokumenten zu dem Freihandelsabkommen TTIP als ausgeräumt an".

Er werde sich nun an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wenden, "um die organisatorischen Fragen" für eine Einsichtnahme zu klären. Aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf die Nachfrage von Dröge geht aber hervor, dass sich immer noch nichts getan hat. In dem Schreiben erklärt Gabriels Staatssekretär Uwe Beckmeyer lediglich, dass die Regierung den Wunsch der Abgeordneten nach Einsichtnahme "auch weiterhin sowohl gegenüber der Europäischen Kommission als auch gegenüber den USA einbringen" werde. Auf die konkrete Frage, "ab welchem Termin" der Zugang zum Leseraum in der US-Botschaft möglich sein werde, geht Beckmeyer gar nicht erst ein. Für Dröge ist das ein "untragbarer Zustand". Seit einem halben Jahr würden "in dem Leseraum nur wenige Meter vom Bundestag entfernt zentrale TTIP-Dokumente liegen", aber "wir Abgeordneten müssen aller schönen Worte zum Trotz weiter draußen bleiben", sagte die Abgeordnete gegenüber der Zeitung. An diesem Samstag findet in Berlin eine Großdemonstration gegen das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA statt. +++ fuldainfo

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2 Kommentare

  1. TTIP Einzelheiten bleiben bis 5 Jahre nach Abschluss geheim.
    TTIP=ein Paradies fuer Unternehmenslobbyisten Im Europäischen Parlament (EP) wird heftig um das TTIP-Freihandelsabkommen mit USA diskutiert+unsere Parlamentarier lassen sich allzugerne "umstimmen".Nach Abschluss des Vertrages werden viele EU-Verhaendler/Politiker ihre Lustreisen i/d USA machen.Groesste Lobbygruppe in Bruessel (USA) brauchte Zeit um soviel Parlamentarier "umzustimmen" das ein anderes Ergebnis bei der naechsten Abstimmung rauskaeme
    Der TTIP-Ausschuss hat eine Liste v Tagungen ueberreicht.Von 130 waren 119 mit grossen Konzernen oder ihre Lobbies.Weitere Meldung von 597 waren 88% mit Konzernvertretern+deren Lobbygruppen.Ein von fünf Konzernen,der in Sachen TTIP Lobbyarbeit betreibt, steht nicht im Transparenzregister der EU. Quelle: Corporate Europe Observatory.Unternehmenslobby dominiert weiter TTIP-Verhandlungen,insbesondere die Pharma- und Finanzindustrie machen verstaerkt Lobbyarbeit rund um das TTIP-Freihandelsabkommen.Die Informationen über Wirtschaftslobbyisten stammen direkt v/d EU-Kommission.Zwei ehemalige deutsche EU-Abgeordnete sind nun zu Lobbyakteuren gewechselt: Holger Krahmer+Silvana Koch-Mehrin sind in TTIP Lobbyjobs gewechselt

  2. Die Bundestagsabgeordneten werden nur zur Abstimmung benötigt. Dafür benötigen sie kein Wissen. Das war bisher immer so.

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