5-Punkte-Plan zur Stärkung der Innenstadt

Runder Tisch für konzentrierte Aktionen zur Bewahrung der Innenstadt

Die Pandemie bedrohe den Fortbestand zahlreicher Unternehmen und stärke wohl dauerhaft die Tendenz zum Online-Handel, so Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. „Deshalb kommt es jetzt darauf an, mit klaren Zielen die Weichen für eine zukunftsfähige und lebendige Innenstadt zu stellen“, stellt sich Wingenfeld hinter die gemeinsame Initiative.

Das Stadtoberhaupt betont, dass Innenstädte sich generell – und bedingt durch die Corona-Pandemie im Besonderen – im Wandel befinden. Für eine zukunftsweisende und lebendige Entwicklung der Fuldaer Innenstadt sieht er insbesondere fünf Punkte als wesentlich an. So sei es erstens wichtig, gleichermaßen Qualität und Attraktivität der Innenstadt zu stärken. „Hierzu gehört auch, dass wir als Stadt auf eine angemessene Größenordnung der Handelsflächen setzen. Die Qualität des Angebotes muss wichtiger sein als die Quantität.“ Mit der bereits im Jahr 2016 getroffenen Entscheidung, im Löhertor keine neuen Handelsflächen zu schaffen, sondern einen Nutzungsmix aus Büros, Hotel und Wohnen zu realisieren, habe Fulda bereits erfolgreich wichtige Weichen gestellt. Dies gelte es auch bei der weiteren Entwicklung der „Kerber-Immobilie“ im Blick zu haben.

Ein zweiter wichtiger Baustein liegt für den OB im weiteren Ausbau der bereits sehr gut etablierten Kultur- und Erlebnisangebote in der Innenstadt. Es sei wichtig, die durch das ganze Jahr bestehenden Feste und kulturellen Angebote weiterhin zu stärken und auszubauen. „Die Stadt war und ist bereit, hier auch künftig eine aktive Rolle zu spielen und Ressourcen beizutragen“, unterstreicht Wingenfeld, der auch auf seine dem Hessentags-Beirat bereits am 13. Januar vorgestellte Idee verweist, dass die Stadt sich bei ihren Bürgerinnen und Bürgern mit einem großen Dankes- und Bürgerfest für das Verständnis und den Zusammenhalt während der Corona-Pandemie bedankt. „Wir werden dieses Fest nach der Pandemie beziehungsweise dem erfolgreichen Abschluss der Impfaktion feiern.“

Auch die überregionale Anziehungskraft des Oberzentrums Fulda müsse erhalten und ausgebaut werden. „Wir konnten die Übernachtungszahlen zwischen 2005 und 2019 auf knapp 700 000 verdoppeln. Handel und Gastronomie profitieren hiervon massiv, weshalb wir unsere Bemühungen fortführen und weitere Potentiale ausschöpfen wollen.“ Dazu gehöre auch eine überregionale gemeinsame Vermarktung der Stadt Fulda mit der Rhön. Wichtige Schritte in diese Richtung seien bereits erfolgreich eingeleitet worden und auch die neue Tourist Information im Palais Buttlar sei zukunftsweisend für den Tourismus-Standort Fulda.

Besonders am Herzen liegt dem Oberbürgermeister ein vierter Punkt: Anbieter regionaler Produkte sollen mit in den Fokus der Wirtschaftsförderung genommen werden. „Wir haben mit dem geplanten RegioMarkt im Steinweg sowie der privaten Initiative Regio Point in der Löherstraße bereits vorbildliche Angebote in der Innenstadt. An diese positiven Erfahrungen und Beispiele gilt es anzuknüpfen, denn ein eigenes Profil in Handel und Gastronomie kann die Attraktivität in der überregionalen Wahrnehmung deutlich steigern“, ist sich Wingenfeld sicher. Denkbar sei auch, regionale ‚Pop-Up-Stores‘ an ausgewählten Standorten zu unterstützen. Zugleich verweist er auf die Gefahr, dass eine zunehmende Dominanz von Handels- und Gastronomieketten Innenstädte „austauschbar“ mache.

Schließlich appelliert das Stadtoberhaupt auch an die Solidarität und Verantwortung jedes Einzelnen. „In der gegenwärtigen Situation sind alle gesellschaftlichen Akteure dazu aufgefordert zu prüfen, welchen Beitrag sie zum Erhalt und zur Belebung der Innenstädte leisten können.“ Die Stadt habe sich schon früh entschieden, für die Gewerbe- und Grundsteuer die Möglichkeit der Stundung zu schaffen. Zudem wurden Immobilieneigentümer in der Innenstadt ausdrücklich gebeten abzuwägen, ob sie durch Stundungen oder Entgegenkommen bei der Miethöhe einen Beitrag zum Fortbestand der Gastronomie und des Handels leisten können. Daneben biete der Bestell- und Abholservice vieler Händler den Kunden die Möglichkeit, sich lokal zu versorgen. „Wir als Stadt und ich als Oberbürgermeister appellieren ausdrücklich, mit dem eigenen Verhalten ganz bewusst den heimischen Handel und die lokale Gastronomie zu stärken.“

An seinen Ideen will Wingenfeld gemeinsam mit allen Betroffenen arbeiten. Handel, Gastronomie, Dienstleister, City-Marketing, IHK, Medien sowie alle weiteren Akteure seien aufgefordert, sich mit Offenheit, Veränderungsbereitschaft, vor allem aber auch mit konkreten Ideen und Vorschlägen in den Gestaltungsprozess einzubringen. „Für mich als Oberbürgermeister ist es selbstverständlich, dass die Stadt in diesem Prozess eine federführende und aktive Rolle einnimmt. Konkret sehe ich die Chance, im Rahmen der bereits Anfang 2020 von Stadt, Landkreis und IHK auf den Weg gebrachten ‚Zukunftsstudie Region Fulda‘ die Innenstadt noch stärker in den Fokus zu nehmen und zusätzliche Gesprächsformate zu schaffen. Als OB werde ich kurzfristig zu einem ‚Runden Tisch‘ zur Innenstadtentwicklung einladen“, so Wingenfeld. Zugleich stellt er anerkennend heraus, dass alle Beteiligten bereits eng vernetzt seien. Jedoch: „Die Dimension der Herausforderung, vor der wir stehen, verlangt, dass wir noch enger zusammenrücken, um das Beste für unsere Fuldaer Innenstadt zu erreichen. Die Bewahrung und Weiterentwicklung unseres urbanen Zentrums ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“ +++ pm

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2 Kommentare

  1. Leider irrt die Stadt an mehreren Punkten. So ist es z. B. einzigartig, dass es in einem Stadt-/Landkreis mit über 200.000 Einwohnern kein einziges Warenhaus gibt, das von der Größe her in der Lage ist, alle Dinge des täglichen Bedarfs anzubieten. Dafür muss man weit fahren, um ordentlich einkaufen zu gehen.

    Die Kleinstädterei Fuldas führt doch erst dazu, dass die Leute im Internet bestellen und das nicht erst seit Corona. Dafür gibt es mehrere Gründe: 95 Prozent der Artikel, die ich im Internet bestelle, sind in Fulda nicht zu haben, weil die kleinen Lädchen nur Kleinstadtsortiment anbieten. Außerdem hatten es die stationären Händler in Fulda in der Hand, dem Ausweichen der Kunden ins Internet entgegenzutreten. Sie hätten rechtzeitig ähnliche Versandangebote schaffen müssen. Aber dafür waren sie ja damals zu stolz. Sie waren wohl der Meinung, ohne sie gehe nichts. Das war und ist ein Irrtum! Die meisten Läden, die man in der Innenstadt findet, bieten entweder Luxusgüter an oder Dinge, die kein Mensch braucht. Der Rest sind Handy-Läden oder Dönerbuden. So kann das nichts werden! Auch ein gut ausgebautes Einkaufszentrum im Löhertor (was z. B. damals Kaufland angeboten hatte), hätte Kunden nach Fulda gelockt und damit auch die Stadt insgesamt belebt.

    Das jetzige Jammern und Klagen kommt zu spät. Da würden auch 10 Punkte nicht weiterhelfen.

    • Kann ihnen hier nur recht geben. Das Löhertor war einer der größten Frequenzbringer der Stadt. Ein einzigartiger Mix, den man hier hatte. Die Fehlentscheidung hat mit der Kaiserwiese angefangen, danach kam das E-Werk. Keines von beiden stellt was da. Nun hätte die Stadt eine Gelegenheit gehabt und es erneut versiebt. Wie mir ein Journalist (der einzige in Fulda) in einem Gespräch einmal sagte, hätte man das früherer ÜWAG-Gebäude in Kombination mit der Galeria zu einem innerstädtischen Erlebniskomplex umbauen können. Unten im ÜWAG-Gebäude ein anspruchsvoller Laden in der Mitte Büros/Wohnungen und ganze oben ein Restaurant/Café mit einer außergewöhnlichen Dachterrasse. In der Galerie hatte man die Parkplätze und im oberen freien Parkdeck hätte man ein Paradies für einen Kinderspielplatz. Im Kern hätte man noch Wohnraum für ältere Menschen und Studenten schaffen können, um so die Generation zusammen zubringen. Einzig der Arroganz der Entscheider in Fulda hat man diese Situation zu verdanken. Wer hat jahrelang bestimmt was sich um den Uniplatz tut? Nur haben die sich noch rechtzeitig vom Acker gemacht. Corona hat nur beschleunigt, was sonst noch Jahre gedauert hätte. PS: Wer sich einmal mit diesem Journalist unterhält, merket sehr schnell das er nicht immer das gemacht hat was er macht!

Demokratie braucht Teilhabe!