32. ReserveCup des TSV Ransbach - Daniel Orths Dribblings und die Spielstärke von FT Fulda

Siegerehrung. Von links: Peter Reusch, Stefan Münzel, andre Skoupy vom Sieger Niederaula/Kerspenhausen und Ralf Burghardt vom TSV Ransbach. Foto: privat

Um 19.28 Uhr stand er fest am frühen Samstagabend, dem 31. Januar 2026: der Sieger des 32. ReserveCup des TSV Ransbach im Hallenfußball. Es ist die SG Niederaula/Kerspenhausen, die im gesamten Turnierverlauf eine überzeugende Leistung geboten und im Endspiel die spielstarke Vertretung von FT Fulda mit 3:0 besiegt hatte. Platz drei sicherten sich die Alten Herren der SG Hohenroda, die sich im Verlauf der Konkurrenz immer ein bisschen mehr steigerten und sich im „Kleinen Finale“ gegen die FSG Jossatal nach 9-Meter-Schießen durchsetzten.

Es ist nicht überliefert, wie er es hinbekam - aber schon früh am Nachmittag gab Daniel Orth zu bedenken, dass es mit seinem Einsatz im Finale schwierig werde, da er sich um sein kleines Kind kümmern müsse. Sein Mitspieler Dennis Jäger fühlte nach dem Viertelfinale: „So wie ich den Daniel, bleibt er hier. Aber eigentlich müsste er heim, weil er keinen für sein kleines Kind hat.“ Ob Orth nun eine Lösung gefunden hatte, jemand, der nach seinem Kind sah, oder ob er seiner Mannschaft helfen wollte im Finale, sie nicht im Stich lassen wollte - man weiß es nicht. Oder ist es einfach nur ein Verhalten und eine Haltung, die Fußballer früher noch hinbekamen im Gegensatz zur Masse jüngerer Kicker heutzutage.

Aus sportlicher Sicht war es gut, dass Daniel Orth blieb. Er war der Kopf seiner Mannschaft und mit Abstand bester Einzelspieler der Konkurrenz. Er war präsent, ohne viel zu sagen. Verteidigte anständig mit so manchem Ballgewinn. Und bot Aufsehen erregende Dribblings. Löste gut auf, beschleunigte atemberaubend und mit Tempo - und legte für seine Mitspieler auf im Abschluss oder tat dies selbst. Wie früher. Beispielhaft für diese Aussage: die Entstehung des frühen 1:0 im Endspiel. Orth setzte seine Veranlagung in Gang, bediente Janosch Most, der abschloss. Chris Jakob erhöhte mit einem Doppelpack.

An der Berechtigung des Sieges seines Teams gab es keinen Zweifel. Überhaupt keinen. Früh schon schälte es sich als Turnierfavorit heraus - und diese Einschätzung bestätigte die Mannschaft. Robust trat es auf und verteidigte mit dieser Qualität. Bereichernde fußballerische Impulse boten neben Orth auch Dennis Jäger, der fast alle seiner Ballgewinne auch in offensive Torgefahr mit Auge umsetzte. Oder der routinierte Valentin Braun, der viele seiner Zweikämpfe für sich entschied und so manches initiierte; an ihm gab es kaum ein Vorbeikommen. Janosch Most, der - früher nur talentiert - anscheinend erwachsen geworden ist, den Ball oft schnell machte, die Situation fix erfasste und stark im Abschluss war. All dies bekamen Hohenrodas Alte Herren im Halbfinale (0:3) oder die junge, forsche, aber bisweilen auch etwas wilde Vertretung der SG Friedewald/Ausbach im Viertelfinale (1:5) zu spüren.

SG Niederaula/Kerspenhausen: André Skoupy - Dennis Jäger, Daniel Orth, Valentin Braun, Dominik Orth, Chris Jakob, Elias Fischlein, Julian Rohrbach, Janosch Most

FT gab dem ReserveCup eine starke fußballerische Note. Im Viertelfinale zeigte das Team beim 6:2 gegen Unterbreizbach, was es kann im Spiel mit dem Ball. Trickreichtum, Spiel miteinander, viele Eins-gegen-eins-Duelle, aus denen sich das Team immer wieder lösen konnte und das Auge für den Mitspieler fand. Das heiß umkämpften Halbfinale gegen Jossatal erwies sich für FT als zähe Aufgabe. Jossatal verteidigte geschickt und aufopferungsvoll - zudem hält dessen Keeper Nico Heinemann, der auch zum besten Torwart des Turniers gewählt wurde, fast alles. Bis FT im ersten Spiel des 32. ReserveCups nach Verlängerung und einzigem, das durch Golden Goal entschieden wurde, das erlösende Siegtor glückte. Übrigens folgt FTs Besetzung in einem gesonderten Artikel.

Rang drei sicherte sich das AH-Team der SG Hohenroda. Das von Ralf Burghardt - 1. Vorsitzender des TSV Ransbach und einst willensstarker Fußballer bekannten Namens - betreute Team fand sich zunehmend besser in den Wettbewerb. Schon Viertelfinale rieben sich viele die Augen - und die heimischen Anhänger freuten sich, als Hohenrodas Mannschaft aus einem 1:3 gegen die SG Rasdorf/Soisdorf noch ein 4:3 machte. Rasdorf/Soisdorf - gegenüber dem starken und gelungenen Auftritt in der Vorrunde mit einem verjüngten Team angetreten-, gab nach Toren des routinierten Marian Streber und Julian Wiegands Doppelpack das Spiel aus der Hand. Oder anders ausgedrückt: Hohenrodas Alte Herren glaubten an sich und gaben nicht auf. Zunächst hatte Enrico Christof zum 1:1 ausgeglichen - bis Timo Burghardt durch einen Links-Flachschuss zum 3:3 traf. Mehr noch: 20 Sekunden vor Schluss glückte Patrick Roos das vielerseits umjubelte Siegtor, als er verdeckt ins lange Eck traf.

Im Halbfinale traf der Lokalmatador auf den späteren Turniersieger, hatte im Spiel im Kopf zuvor eigentlich keine Chance - spielte und verhielt sich aber äußerst clever. Zwar gelang Daniel Orth nach Einzelleistung mit tollem Abschluss das frühe 1:0, Hohenroda aber agierte geschickt in der Zuordnung und verteidigte gut. Pech hatte das Team, als Burghardt nach Martin Erbes Zuspiel per Flachschuss, der noch abgefälscht war, den Pfosten traf. Entschieden war das Duell erst, als Most nach einem Konter zu Jäger zum 2:0 rüberlag.

SG Hohenroda AH: Thomas Mumberg - Andreas Salzer, Timo Burghardt, Daniel Ernst, Dennis Powalla, Martin Erbe, Enrico Christof, Marco Rudolph, Patrick Roos

Eine Vorstellung, die nachhaltig in Erinnerung bleibt, lieferte auch die FSG Jossatal ab. Das Team gefiel durch seinen Teamgeist und -spirit. Es kämpfte unverdrossen. Und bot auch dann Gegenwehr, als niemand mehr an es glaubte. Irgendwie erinnerte es an „Stehaufmännchen-Qualität“. Im Viertelfinale kämpfte es die lange als Mitfavorit, zumindest als chancenreicher Außenseiter eingeschätzte, junge und spielstarke Vertretung der JSG Neuenstein. 0:1 lag es hier zeitig zurück - drehte aber das heiß umkämpfte Duell und siegte mit 3:2. Neuenstein versuchte es immer wieder - Jossatal aber vereidigte zäh, einer half dem Anderen und biss auf die Zähne. Und war gegen Ende hin eine Spur clever - es hatte seinem Kontrahenten den Schneid abgekauft und ihn niedergerungen. Erst im Halbfinale musste sich Jossatal der spielstarken FT beugen - zwang den Gegner aber in die Verlängerung. Nicht von ungefähr kam es, dass zwei Spieler der FSG durch individuelle Auszeichnungen belohnt wurden: Nico Heinemann als „bester Torwart“ und Hüseyin Sahin als „bester Torschütze“.

FSG Jossatal: Nico Heinemann - Moritz Schmidt, Lukas Zilch, Emil Willems, Revery Ullrich, Hüseyin Sahin, Luca Ullrich, Florian Schmidt, Lukas Schüler

Wieder einmal zog der ReserveCup alle, die mitmachten, in seinen Bann. Auch bei seiner 32. Austragung. Er bot vielen Fußballern an der Basis eine Heimat. Eine Bühne, nach der sich alle sehnen. Zumindest viele. Kicker, die oft hinten anstehen und sich weniger bis gar nicht im Rampenlicht befinden, bekommen hier eine Bühne. Es ist ihre Bühne. Und das merkt man ihrem Eifer und Ehrgeiz an. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen. Unverkrampft und echt wirken die Darbietungen. Hier, wo das Herz noch zählt. Nicht das große Geld. Die vielen helfenden Hände des Veranstalters taten ihr Übriges. Nach der 32. Austragung des ReserveCups stand fest: die Veranstaltung gehört ins Schaufenster. In das lokalen Fußballs. In jenes Osthessens. Und darüber hinaus. Das nahmen auch die Teilnehmer aus Kassel wahr. Oder jene aus Bad Orb.

Schon am Vormittag des Finaltages, an dem zunächst die Zwischenrunden ausgespielt werden, ist ordentlich was los in der Sporthalle Hohenroda. Es ist kaum noch Platz in der Halle. Der Einsatz ist hoch, und es geht zur Sache. Bisweilen wirkt der Fußball laut - aber auch schön anzusehen ist er. Und abwechslungsreich. Fast immer. Zum Beispiel im Derby zwischen Philippsthal und Unterbreizbach. Es ist bitter, dass sich Philippsthal in letzter Sekunde noch ein Ei ins Netz legen lässt. Es ist ReserveCup-Feeling. Auch die Schiedsrichter gehören dazu. Sie pfeifen hier immer. Vormittags sind das Herbert Seitz und Noah Seitz vom SV Asbach sowie Hendrik Paris von Hessen Hersfeld, später stoßen Patrik Bardt vom TSV Mecklar, Marcel Schlosser vom TSV Wölfershausen und Markus Ruppel vom VfL Philippsthal hinzu. Auch sie sind Gesichter des ReserveCups. Auch hinter ihnen stecken Geschichten. Alle kommen vorbei, ich brauch nicht rauszugehn. So ist es beim ReserveCup. Volles Haus. Prächtige Stimmung. Nachmittags wird es noch intensiver. Es ist richtig Leben in der Bude.

Eines noch zu allzu hartem Einsatz am späten Nachmittag - je näher es zur Entscheidung ging. Und man denkt sich: Ist das Zufall? Kann man das kontrollieren? Oder versuchen, es zu reglementieren? Immer weniger Mannschaften gibt es im Spielbetrieb im Freien. Immer weniger Spieler. Und immer weniger, die sich wirklich benehmen können. Sozial läuft da einiges schief. Nicht zuletzt der Fußball ist ein Abbild der Gesellschaft. Respekt scheint gänzlich zu verschwinden. Grenzen werden allzu leicht überschritten und ausgehebelt. Schiris haben‘s immer schwerer. Und dem rührigen Veranstalter sind irgendwie die Hände gebunden. Deshalb muss man es dem TSV Ransbach hoch anrechnen, dass er das Turnier durchzog - so wie er es durchzog. Wie er mit all den Absagen umging. Und weiterhin nicht müde wird, die Anziehungskraft des ReserveCup beizubehalten.

Das gilt auch nach mehr als drei Jahrzehnten noch. Und beim Verlassen der Sporthalle Hohenroda lagen Geschichten auf dem Weg. Unzählige. Man musste sie nur aufheben. Oder sich ihnen zuwenden. Wir nehmen den Faden auf.

Ergebnisse

Viertelfinale: SG Rasdorf/Soisdorf - SG Hohenroda AH 3:4, FT Fulda - SV Unterbreizbach 6:2, SG Niederaula/Kerspenhausen - SG Friedewald/Ausbach 5:1, FSG Jossatal II - SG Neuenstein 3:2

Halbfinale: SG Hohenroda AH - SG Niederaula/Kerspenhausen 0:3, FT Fulda - FSG Jossatal II 1:0 nach Verlängerung und Golden Goal

Um Platz 3: SG Hohenroda AH - FSG Jossatal II 5:4 nach 9m-Schießen

Finale: SG Niederaula/Kerspenhausen - FT Fulda 3:0 +++ rl


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