216 Tote nach Hochwasser – Helferansturm und Ratschläge von Außen

Polizei weiß nichts von Beschimpfungen der Hilfskräfte

Bei der Hochwasser-Katastrophe in der letzten Woche sind nach letzten Angaben 216 Menschen ums Leben gekommen. Darunter sind 132 Tote im Kreis Ahrweiler, 47 in NRW, 36 in Belgien und ein Todesopfer in Bayern. Dabei wurde im Kreis Euskirchen und in Belgien die Opferzahl jeweils um eins nach unten korrigiert, weil die Betroffenen aus anderen Gründen gestorben waren. Die Polizei Koblenz teilte am Samstag mit, in ihrem Einsatzbereich seien Hunderte Privathäuser, 62 Brücken und 14 Schulen zerstört, 9 Kitas seien beschädigt.

Allein im Ahrtal seien 7.500 Einsatzkräfte tätig. Vielerorts wurde aber auch über einen regelrechten Ansturm an privaten Helfern berichtet, die Straßen seien teilweise verstopft. Tipps gab es von Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper, der den zerstörten Gemeinden im Hochwasserkatastrophengebiet in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor einem schnellen Wiederaufbau der Häuser an gleicher Stelle abriet. „Ich könn te in einem Haus, das fast weggeschwemmt wurde oder in dem vielleicht jemand zu Tode gekommen ist, nicht mehr ruhig schlafen“, sagte Trümper dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Er habe selbst zwei Hochwasser in seiner Amtszeit miterlebt. „Das Hochwasser kann jederzeit wiederkommen und nachhaltige Schutzmaßnahmen sind in diesen Gebieten nicht möglich. Da kann man nicht einfach Deiche bauen.“ Trümper ist nicht der Meinung, dass die Menschen in den Hochwassergebieten zu wenig gewarnt worden seien. „Die Menschen haben gewusst, wie viele Liter Wasser auf sie zukommen. Das lief doch Tage vorher schon im Radio hoch und runter.“ Er glaube nicht, dass die Menschen freiwillig ihre Häuser verlassen hätten, wenn noch mehr gewarnt worden wäre. Menschen nähmen solche Warnungen nicht ernst, wenn ihnen noch nie Vergleichbares passiert sei. „Wir dachten damals beim Hochwasser 2002 auch: Das wird schon nicht so schlimm werden“, sagte Trümper. Niemand habe damals damit gerechnet, dass in Magdeburg so etwas passieren könne. „Wir hatten eine panische Angst, weil wir überhaupt keine Erfahrungen hatten. Damals haben wir uns versucht mit völlig unsinnigen Maßnahmen zu schützen. Wir haben zum Beispiel versucht eine Mauer aus Paletten auf den Deichen zu Bauen.“ Es sei Glück gewesen, dass das Hochwasser damals nicht so schlimm wurde, wie angekündigt.

Polizei weiß nichts von Beschimpfungen der Hilfskräfte

Die für weite Teiles des Katastrophengebietes in Rheinland-Pfalz zuständige Polizei in Koblenz hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach THW-Helfer beschimpft und angegriffen worden sein sollen. „Derzeit können wir die Schilderungen in keiner Weise bestätigen“, teilte die Behörde am Samstag mit. Die Polizei habe selbst erst „aus den Medien von diesem angeblichen Vorfall erfahren“ und dies sofort beim THW und den eigenen Einsatzkräften überprüft. THW-Vize-Präsidentin Sabine Lackner hatte in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv gesagt, Helfer würden beschimpft oder mit Müll beschmissen. Dahinter steckten frustrierte Flutopfer, vor allem aber Menschen aus der Querdenker- und Prepper-Szene, die sich als Betroffene ausgäben und bewusst Stimmung machten, sagte sie. An einigen Einsatzorten seien THW-Mitarbeiter von Menschen gefilmt worden, die sich nicht als Presse zu erkennen gegeben hätten, so Lackner. Zum Schutz habe das THW veranlasst, dass die Kollegen ihr Namensschild von der Kleidung abnehmen. „Das ist sehr, sehr bedauerlich und belastet unsere Einsatzkräfte.“

Rund 30.000 Menschen in Flutgebieten ohne Strom oder Trinkwasser

Rund 30.000 Menschen haben nach Informationen des Technischen Hilfswerks (THW) in den Flutgebieten derzeit kein Trinkwasser, keinen Strom oder müssen sogar auf beides verzichten. Das sagt die Vize-Präsidentin des THW, Sabine Lackner, in der Sendung „Frühstart“ bei RTL/ntv am Samstag. Das THW bereite sich auf einen längeren Einsatz vor. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir noch einige Wochen vor Ort sein werden.“ Man stelle gerade ein Team aus Experten zusammen, das die örtlichen Kräfte beraten soll, zum Beispiel beim Brückenbau. Am Samstag werde mit 24-stündiger Verspätung der Bau einer Behelfsbrücke in Ahrweiler durch das THW beginnen, so Lackner. +++

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